Laserstrahl und Toleranz

Wenig Verstöße bei Autofahrern, viele Mängel an Rädern

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Polizeihauptkommissar Rainer Bredlau (hinter der Laserpistole) und sein Kollege Marian Eck kontrollieren an der Zellhäuser Straße die Geschwindigkeit der Autos.

Ostkreis - Blitz-Marathon und Woche der Verkehrssicherheit: Die Polizei zeigt dieser Tage verstärkt Präsenz auf den Straßen, kontrolliert Zweiräder, klärt über Risiken auf und misst die Geschwindigkeit an Unfallschwerpunkten. Von Katrin Stassig 

Das kleine Tütchen Marihuana ist ein Zufallsfund. Der junge Mann, der es bei sich hatte, war Beifahrer in einem Auto, das die Beamten wegen überhöhter Geschwindigkeit herausgewunken haben. Er hat sich durch sein Verhalten verraten. „Er wollte gleich aussteigen und weglaufen“, berichtet Polizeioberkommissar Klaus Maser. Jetzt sitzt der junge Mann auf der Rückbank eines Streifenwagens. Er muss für die polizeilichen Maßnahmen mit auf die Wache. Eigentlich sind die Beamten der Seligenstädter Wache an diesem Donnerstag für Geschwindigkeitskontrollen im Einsatz. Wenn sich jemand auffällig verhält, schauen sie aber genauer hin. So haben sie am Mittwoch zum Beispiel einen Verstoß gegen das Waffengesetz entdeckt. Die Kontrollen gestern sind Teil des bundesweiten „Blitz-Marathons“ und der „Woche der Verkehrssicherheit“ (18. bis 24. April) in Seligenstadt, Hainburg und Mainhausen.

Am Donnerstagmorgen stehen die Beamten mit der Laserpistole an der Zellhäuser Straße an der Einmündung zum Schwimmbad. Die Technik funktioniert so: Mit dem Laserstrahl wird das Kennzeichen ins Visier genommen, der Strahl wird reflektiert, und über eine Weg-Zeit-Berechnung ermittelt das Gerät die Geschwindigkeit. Bei guter Sicht können Fahrzeuge in bis zu einem Kilometer Entfernung erfasst werden. Die Entfernung wird im Sucher angezeigt. Die Beamten erfassen die Fahrzeuge etwa 100 bis 150 Meter nach dem Ortsschild. Wer dann noch deutlich schneller als die erlaubten 50 Kilometer pro Stunde unterwegs ist, wird angehalten.

Klaus Maser zeigt das Tütchen mit Marihuana, das die Beamten bei einer Kontrolle gefunden haben.

Polizeihauptkommissar Rainer Bredlau richtet das Lasergerät auf einen Mini. Nach Abzug der Toleranz ist das Auto immer noch neun Kilometer pro Stunde zu schnell unterwegs. Auf Zuruf schwingt Bredlaus Kollegin Anne Hüschenbett die Kelle und winkt das Fahrzeug heraus. Die Frau am Steuer zeigt sich einsichtig und zahlt das Bußgeld direkt vor Ort. Die Reaktionen der Fahrer sind nach Schilderungen von Hauptkommissar Bredlau ganz unterschiedlich. Mancher lobt den Einsatz der Polizei, auch wenn er selbst ertappt wurde, mancher macht wegen 15 Euro Bußgeld einen Aufstand. Er habe Verständnis dafür, sagt Bredlau, wenn Fahrer die Messung anzweifeln und alle rechtlichen Möglichkeiten ausschöpfen wollen – solange sie nicht aggressiv werden.

Größere Ausreißer haben die Beamten an diesem Morgen noch nicht registriert. Viele Autofahrer sind durch die Medien über den „Blitz-Marathon“ informiert und fahren umsichtig. Am Mittwoch kamen bei mehr als 1000 gemessenen Fahrzeugen gerade mal 50 Verstöße zusammen, berichtet Klaus Maser und zeigt sich zufrieden mit dieser Bilanz. Im Ostkreis ist die Polizei die ganze Woche über in Sachen Verkehrssicherheit im Einsatz, kontrolliert Zweiräder, überprüft die Einhaltung der Gurtpflicht und des Handyverbots. Auch nächtliche Alkohol- und Drogenkontrollen stehen auf dem Plan. An der Einhard- und der Kreuzburgschule haben die Beamten mehr als 100 Fahrräder überprüft und den Schülern eine Mängelliste mitgegeben. An 90 Prozent der Räder hatten sie etwas auszusetzen, auch wenn es manchmal nur Kleinigkeiten waren. „Ein Reflektor fehlt immer“, stellt Maser fest. Die Schulen kontrollieren, ob die Mängel behoben wurden.

Bereits am Dienstag hat die Polizei Gurtmuffel ins Visier genommen. Diese Verstöße sind laut Rainer Bredlau deutlich zurückgegangen – auch deshalb, weil viele neuere Fahrzeugmodelle durch Piepen ans Anschnallen erinnern. Die Ausreden der Ertappten reichen von „Ich bin gerade erst losgefahren“ bis zu „Ich hab mich schon abgeschnallt, weil ich gleich am Ziel bin“. An der Zellhäuser Straße halten die Beamten einen Kia mit defektem Vorderlicht an. Ein Bußgeld wird in diesem Fall nicht fällig, der Fahrer erhält einen Mängelzettel. Der Mann hat ein neues Birnchen im Kofferraum und will es gleich vor Ort austauschen.

Ein Mazda mit Aschaffenburger Kennzeichen ist nach Abzug der Toleranz mit 82 Kilometern pro Stunde unterwegs. „Das könnte heute unser Spitzenreiter werden“, meint Bredlau. Um halb elf räumt die Gruppe ihre Ausrüstung zusammen. Nächste Station ist am Schwalbennest, wo sich vor einigen Wochen ein tödlicher Unfall ereignet hat. Die Ursache war unter anderem überhöhte Geschwindigkeit.

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