Kampf gegen „Mangelverwaltung“

Neue Rektorin der Konrad-Adenauer-Schule im Porträt 

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KAS-Rektorin Gudrun Bickert: Sprachheilschule als zentrales Motiv der Schulwahl.  

Seligenstadt -  Seit Anfang des Jahres ist Gudrun Bickert Rektorin an der Konrad-Adenauer-Schule in Seligenstadt. Sie trat die Nachfolge von Gudrun Störger an, die in den Ruhestand ging. Von Oliver Signus

Im Porträt erzählt sie von ihrem beruflichen Werdegang und der Freude darüber, die Stelle in der Einhardstadt bekommen zu haben. Aber auch kritische Themen spart die 51-Jährige nicht aus. Es kostete Gudrun Bickert eine schlaflose Nacht, dann war die Entscheidung gefallen: Trotz einiger Gewissensbissen entschloss sie sich, die Georg-August-Zinn-Schule in Wixhausen zu verlassen und sich als Leiterin der Konrad-Adenauer-Schule in Seligenstadt zu bewerben. Fünf Jahre war sie Rektorin im Darmstädter Vorort. Dort, so wusste sie, hinterließ sie eine gut funktionierende Schulgemeinde, ihre Stellvertreterin würde die Aufgaben übernehmen.

Die Schule in der Einhardstadt reizte sie wegen der Aufgaben und Möglichkeiten, die sie dort erwarteten. Auch die Stadt selbst gefalle ihr sehr gut. Die Sprachheilschule sei ein zentraler Grund für ihre Wahl gewesen, erzählt sie. Gewundert habe sie sich allerdings, dass die Stelle drei Mal ausgeschrieben war, ohne dass ein Nachfolger für Gudrun Störger gefunden wurde, die Anfang diesen Jahres in den Ruhestand ging. Den Grund dafür kennt Gudrun Bickert nicht, „vielleicht lag es daran, dass es hier keine Vertretung für die Leitung gibt“, spekuliert sie.

Sie hat es als großes Glück empfunden, die Stelle zu bekommen. Dank eines engagierten und sehr kreativen Kollegiums habe sie sich auch während der Einarbeitungszeit um wichtige Themen kümmern können. Und da gibt es einige Baustellen. Vor allem der Ausbau der Ganztagsbetreuung stellt die Leiterin und ihre Kollegen vor große Probleme. Platzsorgen plagen die Schule, es fehlt diesbezüglich praktisch an allem, was eine geordnete Ganztagsbetreuung ausmacht. So gibt es keine Küche. Die Kinder müssen in einem viel zu engen Raum ihre Mahlzeiten zu sich nehmen, es fehlt an Sitzplätzen. Nach dem Essen dürfe der Raum aus hygienischen Gründen vorläufig nicht benutzt werden.

Auch Rückzugsräume, Besprechungszimmer oder andere Aufenthaltsräume gibt es nicht. Bei schlechtem Wetter müssen sich die Mädchen und Jungen in einem Kellerraum aufhalten. „Es ist eine Mangelverwaltung“, fasst die Leiterin zusammen. Der Neubau, wie er schon seit Jahren immer wieder in der Diskussion sei, müsse endlich realisiert werden. „Wir wollen einen verbindlichen Ganztag aus einem Guss“, fordert sie.

Um den Anforderungen der Inklusion gerecht zu werden, müsse ebenfalls mehr Platz geschaffen werden. „Die Eltern haben einen Anspruch, aber wir haben keine Räume“, beschreibt sie die Situation. So sei der Umgang mit Inklusionskindern von Improvisation geprägt. Davon, dass darüber diskutiert werde, die Sprachheilschule in die Don-Bosco-Schule auszulagern, hält sie nichts. Gudrun Bickert scheut sich nicht, bei kritischen Punkten auch öffentlich deutlich zu werden - im Gegensatz zu vielen ihrer Kollegen spricht sie Klartext: „Wenn ich etwas ändern will, muss ich es benennen“, unterstreicht sie.

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Gudrun Bickert ist mit Leib und Seele Lehrerin und Schulleiterin. Der Weg zum Traumberuf verlief allerdings nicht so geradlinig. Zunächst erlernte die 51-Jährige einen kaufmännischen Beruf und arbeitete auch einige Jahre in diesem Metier. Als sie sich für ein Studium entschied, bekam sie das Angebot für einen finanziell lukrativen Job bei einer Unternehmensberatung. Doch entschied sie sich für einige Jahre Vorlesungen und Examen.

Seit Anfang diesen Jahres ist sie nun Leiterin der Konrad-Adenauer-Schule. Ihre Vorgängerin Gudrun Störger war sehr beliebt und hinterließ große Fußstapfen, doch bleibt Gudrun Bickert da ganz entspannt. Sie und ihre Vorgängerin seien sich bei den Vorstellungen einer guten pädagogischen Arbeit sehr ähnlich. So könne sie das Begonnene weiterführen.

Einen gemeinsamen öffentlichen Auftritt hatten sie noch, die beiden Schulleiterinnen. So sah man sie gemeinsam beim Rosenmontagszug mit den Kindern der Schule. Als eine von rund 90 Zugnummern bereicherten sie den närrischen Lindwurm im Schlumberland. Gudrun Bickerts Mann, ebenfalls Pädagoge an einer Frankfurter Schule, filmte dabei. Fastnacht sei zwar nicht so ganz sein Fall, „doch nach Seligenstadt kommt er wieder“, sagt Gudrun Bickert schmunzelnd.

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