Projekt Bundestagswahl an der Don-Bosco-Schule

Eine Übung für die Zukunft

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Juniorwahl an der Don-Bosco-Schule: Mehr politische Diskussionen auf dem Schulhof.

Seligenstadt - Politische Bildung ist ein wichtiger Schlüssel für nachwachsende Generationen überzeugter Demokraten. Von Karol Majewski 

Seit 1999 organisiert der gemeinnützige und überparteiliche Verein „Kumulus“ an Schulen bundesweit das Projekt „Juniorwahl“ zu Europawahlen, Bundestagswahlen und Landtagswahlen. Schüler können in einer simulierten Wahl die Abläufe kennenlernen und die Hintergründe und Grundwerte der Demokratie in der Praxis erfahren. Erstmals nahm die Don-Bosco-Schule in Klein-Welzheim an dem Projekt teil. Am Freitag war Wahltag.

Am 22. September, wenige Tage vor der tatsächlichen Bundestagswahl, haben die Don-Bosco-Schüler in den Verwaltungsräumen der Schule gewählt. Klassenweise begaben sich die Jugendlichen der achten bis zehnten Klassen in die Wahlräume und wurden von den gleichaltrigen Wahlhelfer und einigen Lehrern über den Ablauf informiert. Nach dem Vorzeigen des Ausweises und der Wahlbenachrichtigung erhielten die Schüler ihren Wahlzettel ausgehändigt, und es ging in die Kabine.

Schüler unter 16 Jahren legitimierten sich mit dem Schulausweis, alle anderen mit ihrem Personalausweis. Ein Schüler hatte sogar eigens zur Wahl seinen Personalausweis beantragt, der allerdings nicht rechtzeitig abholbereit war. „Natürlich durfte er auch nur mit Schulausweis an der Juniorwahl teilnehmen, aber das zeigt sehr gut, wie ernst die Schüler diese Wahl nehmen“, so Jörg Dreßen, Leiter der Berufsorientierungsstufe und Initiator der Juniorwahl an der Schule mit dem Förderschwerpunkt Lernen, erfreut.

In einer Begleitstudie zur Juniorwahl 2001 stellten Wissenschaftler der Universität Stuttgart fest, dass durch das Projekt eine signifikante Erhöhung der Wahlbeteiligung bei Erstwählern um 15 Prozent sowie eine Erhöhung der Wahlbeteiligung der Eltern um durchschnittlich vier Prozent zu verzeichnen ist. „Die Kinder und Jugendlichen interessieren sich für das politische Geschehen, sofern man ihnen hierzu einen adäquaten Zugang schafft“, sagt denn auch Dreßen. „Nicht selten gibt es durch das Projekt mehr politische Diskussionen auf dem Schulhof und auch innerhalb der Familien. Die Kinder beeinflussen mit ihrem Interesse auch ihre Eltern, mal wieder zur Wahl zu gehen.“

Die Schüler und alle Lehrer seien von Anfang an begeistert von dem Projekt gewesen. Bereits vor Monaten hatte Jörg Dreßen in Rücksprache mit seinen Kollegen die Schule angemeldet und Unterrichtsmaterialien, Stimmzettel, Wahlbenachrichtigungen, Wahlurne und Wahlkabine zugesendet bekommen.

„Die Juniorwahl ist für unseren Kollegen Dreßen ein echtes Herzensprojekt. Für seinen unermüdlichen Einsatz und seine Energie sind wir alle sehr dankbar“, sagt Margit Winter-Wellhöfer stellvertretend für die Lehrerschaft der Don-Bosco-Schule. Positive Nebeneffekte der Juniorwahl sind bei den Schülern bereits jetzt erkennbar: Zur aktuellen Schulsprecherwahl stellten sich acht Kandidaten vor; das Interesse an dem Amt und an der Wahl ist damit deutlich gestiegen. Regelmäßigkeit und Qualität der Sitzungen der Schülervertretung haben zugenommen, die Kommunikation der Schüler ist zielstrebiger und umfassender geworden. „Sie organisieren sich selbstständiger“, beobachtet Dreßen. „Wir Lehrer haben nur noch eine beratende Funktion.“

So setzten die Schüler in den vergangenen Wochen geschlossen und konsequent für die Anschaffung von neuen Fußballtoren ein und haben diese auch bekommen. Durch die Vorbereitungen zur Juniorwahl konnte den Schülern vermittelt werden, wie wichtig eine fundierte Meinung sei. „Das Projekt ist eine Übung für die Zukunft. Zur Wahl gehen soll eine Selbstverständlichkeit werden“, sagt Jörg Dreßen. Betrachtet man die Resonanz auf die Juniorwahl an der Don-Bosco-Schule, so ist schnell klar: Von Politikverdrossenheit ist dort keine Spur.

Die Wahlergebnisse an der Don-Bosco-Schule flossen in das bundesweite Projekt „Juniorwahl“ ein. Nach den ebenfalls erst am gestrigen Abend bekannt gegebenen Ergebnissen (Zweitstimmen) siegte die CDU mit 27,0 Prozent vor der SPD (19,3 Prozent), den Grünen (17,9 Prozent), der FDP (8,8 Prozent), den Linken (7,3 Prozent) sowie der AfD (6,0 Prozent).

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