Projekt „Demenzlotsen“ startet in Seligenstadt: Teilhabe am öffentlichen Leben erleichtern

Projekt „Demenzlotsen“ startet in Seligenstadt

Der Einladung zur Auftaktveranstaltung des Projekts „Demenzlotsen“ im Rathaussaal sind 15 Teilnehmer gefolgt, für die Schulung sind weitere Anmeldungen möglich.

Seligenstadt - Das Projekt „Demenzlotsen“ des Malteser-Hilfsdienstes startet in Seligenstadt.

Mitarbeiter von Geschäften, Cafés oder Banken können an einer Schulung teilnehmen und erkrankten Menschen den Alltag erleichtern und die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen.

Es sind Szenen wie diese, die den Anstoß gaben: Eine ältere Kundin vergisst im Supermarkt zu bezahlen oder hat vergessen, was sie eigentliche einkaufen wollte, oder steht an der Kasse und hat kein Geld dabei. Um Menschen mit Demenz zu unterstützen, hat der Malteser-Hilfsdienst das Projekt „Demenzlotsen“ ins Leben gerufen. Seit 2015 gibt es diese geschulten Lotsen in Limburg; es folgten die Städte Marburg und Anfang 2018 Hanau. In Kürze soll es auch in Seligenstadt ausgebildete Demenzlotsen geben. Dafür haben sich Stadtmarketing, vertreten durch Monika Weber, und Seniorenberaterin Anke van den Bergh eingesetzt.

In diesen Tagen präsentierten die Malteser ihr Projekt im Rathaus. 15 Teilnehmer waren der Einladung gefolgt, sodass verschiedene Unternehmen, Institutionen und Dienstleister vertreten waren. Aus Sicht der Organisatoren eine erfreuliche Zahl.

Die Stadt Seligenstadt hat zum Beispiel Geldinstitute, Ordnungsamt und Vertreter aus dem Einzelhandel kontaktiert. Mitarbeiter mit direktem Kundenkontakt sollen für dieses Thema sensibilisiert und zu Demenzlotsen ausgebildet werden, erläutert Bürgermeister Dr. Daniell Bastian. Für Menschen mit Demenz sei es wichtig – gerade im Anfangsstadium der Krankheit – tägliche Routinen wie Einkaufen, Apothekengänge oder einen Café-Besuch weiter zu führen. Deshalb sind die Unternehmen gefragt, Mitarbeiter zu Demenzlotsen schulen zu lassen und so Menschen mit Demenz die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen und zu erleichtern.

„Wir bringen den Teilnehmern bei, wie sie auffälliges Verhalten richtig deuten und einordnen können, zeigen ihnen Kommunikationsmöglichkeiten im Umgang mit Menschen mit Demenz auf und informieren sie über bestehende Hilfsnetzwerke“, sagt Daniela Herda von den Maltesern.

Huhn, Katze und Co.: Tiere als Co-Therapeuten

Cornelia Drees bittet die Teilnehmer einer sogenannten tiergestützten Intervention im Ella-Ehlers-Haus der AWO in Bremen in einen Stuhlkreis und stellt ihnen dann die Tiere vor. Zu manchen Teilnehmern finden die Tiere besonders schnell Vertrauen. Dieses Huhn hat es sich auf Kopf einer älteren Dame bequem gemacht. Foto: Ingo Wagner/dpa-tmn

Ein Hund zu Besuch im Pflegeheim Ella-Ehlers-Haus der AWO in Bremen. Der Kontakt mit Tieren kann sich bei pflegebedürftigen Menschen positiv auf das Selbstbewusstsein auswirken. Foto: Ingo Wagner/dpa-tmn

Ein Meerschweinchen zu streicheln und zu erleben, dass es das genießt, kann das Selbstbewusstsein stärken. Foto: Ingo Wagner/dpa-tmn

Tiere können auf Menschen eine erstaunliche Wirkung haben. Bei alten und kranken Menschen verbessert sich zum Beispiel häufig die Stimmung, wenn sie Kontakt zu Tieren haben. Foto: Ingo Wagner/dpa-tmn

Cornelia Drees fährt mit ihren Tieren in Pflegeheime, Schulen oder Kindergärten. Hier ist Hahn Valentin im Ella-Ehlers-Haus der AWO in Bremen zu Gast. Foto: Ingo Wagner/dpa-tmn

Cornelia Drees besucht mit ihren Tieren pflegebedürftige Menschen in Pflegeheimen wie dem Ella-Ehlers-Haus der AWO in Bremen. Foto: Ingo Wagner/dpa-tmn

Die Ausbildung beinhaltet Informationen, wie an Demenz erkrankte Menschen denken und handeln und wie man Anzeichen von demenziellem Verhalten erkennt, und gibt praktische Tipps zum angemessenen Umgang mit dem Betroffenen.

„Übergeordnetes Ziel des Projekts ist die Sensibilisierung der Öffentlichkeit und die Steigerung der Lebensqualität von Betroffenen, damit sie länger am öffentlichen Leben in Seligenstadt und Umgebung teilnehmen können“, ergänzt Daniela Herda. Die Malteser begleiten deutschlandweit zahlreiche Projekte, etwa das Demenzcafé Malta oder Besuchs- und Begleitdienste für ältere Menschen.

Weitere Informationen zum Projekt „Demenzlotsen“ in Seligenstadt und zur Anmeldung gibt es bei Anke van den Bergh, 06182/87-110, E-Mail: seniorenberatung@seligenstadt.de, oder bei Daniela Herda, 0170/8547691, E-Mail: daniela.herda@malteser.org. (kd)

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