Ehrenamtliche Aushilfs-Mamas entlasten Familien

Projekt „wellcome“: Unterstützung im Alltag mit Baby

Teil der „wellcome“-Familie
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Teil der „wellcome“-Familie: Edith Schriever aus Seligenstadt (v.l.), Koordinatorin Angelika Witte-Weisenbach und Elisabeth Speller aus Hainburg.

Das Baby ist da, die Freude in den Familien groß – aber nichts geht mehr. Die ersten Monate nach der Geburt sind für die frisch gebackenen Eltern oft eine Herausforderung, vor allem wenn auch mögliche Geschwisterkinder einen Teil der Aufmerksamkeit einfordern. Eine gute Sache, wenn da die Großeltern in der Nähe sind und helfen können. Wo das nicht möglich ist, springen sie ein: Die Ehrenamtlichen von „wellcome“ – einem Projekt des Deutschen Kinderschutzbunds.

Ostkreis – Das Projekt „wellcome“ gibt es seit zehn Jahren auch in Rodgau. „Wir bieten unsere Hilfe aber in der ganzen Region an“, sagt Angelika Witte-Weisenbach, „wellcome“-Koordinatorin in Rodgau. Fünf der dort insgesamt 14 Ehrenamtlichen kommen aus Seligenstadt, Hainburg oder Mainhausen. Und die Nachfrage nach Unterstützung ist da: In Seligenstadt hilft eine „wellcome“-Patin aktuell einer alleinerziehenden Mutter.

„Wir kommen zwei bis drei Stunden pro Woche in die Familien. Manchmal auch zwei Mal – jede Familie braucht ja etwas anders Hilfe“, sagt Elisabeth Speller aus Hainburg. 45 Jahre war sie Kinderkrankenschwester auf einer Frühchen-Intensivstation. Jetzt als Rentnerin will sie ihr gesammeltes Wissen weitergeben. „Ich gehe mit den Kindern spazieren, damit die Mütter in der Zeit einkaufen gehen oder was im Haushalt erledigen können. Oder aber einfach ein bisschen Zeit für sich haben“, sagt Speller. „Ich habe auch schon Zwillinge zum Kinderarzt begleitet.“ In der Familie, in der sie aktuell ist, fordern sogar Drillinge ihre Aufmerksamkeit ein: „Die wollen vor allem ganz viel spielen“, sagt sie.

Die Ehrenamtlichen kümmern sich aber nicht zwangsweise nur um die Babys – in einigen Fällen werden sie auch um Unterstützung bei der Beschäftigung mit den älteren Geschwisterkindern gebeten. Und nicht nur Frauen bekommen Hilfe. „Theoretisch können sich auch alleinerziehende Väter bei uns melden“, stellt Angelika Witte-Weisenbach klar. „Da wird ein bisschen Unterstützung vielleicht ja erst recht gebraucht.“

Das erste Jahr mit Baby kann herausfordernd sein: „wellcome“ bietet auch Familien im Ostkreis ehrenamtliche Hilfe an.

Die will in Zukunft auch Edith Schriever aus Seligenstadt anbieten. Die Rentnerin hat selbst drei inzwischen erwachsene Kinder und ist neu bei „wellcome“. „Ich kenne das, wenn man mal für eine halbe Stunde zum Frisör will, aber nicht weiß, wo man das Kind unterbringen kann. Deshalb freue ich mich auf den Kontakt mit den Familien, auch weil Kinder im ersten Lebensjahr so eine Entwicklung machen – daran teilzuhaben ist toll.“

Hainburgerin ist schon seit neun Jahren bei „wellcome“ dabei

Elisabeth Speller ist schon seit neun Jahren Aushilfs-Mama. „In jeder Familie gibt es andere Highlights. Aber wenn ich nach einem Jahr Zusammenarbeit von den Kleinen erkannt werde und sie sich auf mich freuen, dann ist das schon schön“, sagt sie gerührt. Umso schwerer fällt der Abschied. „Man hat bis dahin einfach eine Bindung zur ganzen Familie aufgebaut – viele hätten mich gerne länger bei sich.“ Deshalb freut sie sich, wenn sie auch später noch über die Entwicklung ihrer ehemaligen kleinen Schützlinge auf dem Laufen gehalten wird.

„Wir haben auch schon Ehrenamtliche an Familien, in denen sie waren, verloren“, sagt Witte-Weisenbach. „Aber das ist völlig okay – da freut sich mein Kinderschutzbund-Herz.“ Als Koordinatorin lernt sie die Familien nicht persönlich kennen, steht bei Fragen aber bereit. „Letzten Endes kommt es immer auf die Harmonie und das Vertrauen zwischen der Mutter und unseren Ehrenamtlichen an. Beide haben immer die Möglichkeit, Nein zu sagen – immerhin vertrauen sie uns ihre Kinder an.“

Familien aus Seligenstadt, Hainburg und Mainhausen müssen sich bei „wellcome“ melden

Um das Angebot des Kinderschutzbundes in Anspruch zu nehmen, gibt es nur eine Voraussetzung: „Die Familien müssen auf uns zukommen und um Hilfe fragen“, sagt die „wellcome“-Koordinatorin. Für viele schon ein Hindernis. „Mütter wollen eigentlich oft, aber die Väter nicht. Von denen gibt’s dann Aussagen wie ‘Meine Mutter hat das auch alleine geschafft’ – das ist schade.“ Es habe auch schon eine Seligenstädterin gezielt nach einer jungen Ehrenamtlichen gefragt. „Weil ihre Schwiegermutter mit im Haus lebt und sie dieser dann sagen könnte, dass es eine Freundin sei, die da kommt“, erzählt Witte-Weisenbach von einem Fall.

Dass aus solchen Gründen viele nicht nach Hilfe fragen, kann die „wellcome“-Koordinatorin nicht nachvollziehen. „So einen günstigen Babysitter gibt es sonst nirgendwo.“ (Von Julia Oppenländer )

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