„Provokativ und nachdenklich"

+
Den Kulturförderpreis des Kreises Offenbach nahm gestern der Seligenstädter Künstler Caspar Hüter (links) in Empfang. Landrat Oliver Quilling überreichte ihm die Urkunde.

Seligenstadt (kg) ‐ Den Kulturförderpreis im Bereich „Bildende Kunst" erhielt gestern der Seligenstädter Künstler Caspar Hüter. Landrat Oliver Quilling überreichte ihm die Urkunde. „Dies ist wie ein Sechser im Lotto", sagte Hüter in seiner Dankesrede.

„Es hat mich überrascht und sehr gefreut." Für die Feierstunde - eindrucksvoll untermalt mit Musikbeiträgen des Pianisten Roland Fries - hatten sich die Veranstalter das Winterrefektorium in der ehemaligen Benediktinerabtei ausgesucht. Seit 1978 vergibt der Kreis Offenbach einen Kulturpreis. Seit 1990 wird er im jährlichen Wechsel mit dem Kulturförderpreis ausgeschrieben.

Der Kulturpreis ist für hervorragende kulturelle Leistungen, insbesondere auf dem Gebiet der Heimatpflege, der Volkskunde, der Literatur, der Musik oder bildenden und darstellenden Künste vorgesehen. Der Kulturförderpreis dagegen fördert junge Talente. Er geht an Personen mit erkennbaren außerordentlichen künstlerischen Begabungen, die noch in der Ausbildung oder am Anfang ihrer Laufbahn stehen. „Caspar Hüter passt eigentlich in beide Kategorien. Er ist jung, talentiert - aber er verfügt schon über ein beachtliches Renommee", so Landrat Oliver Quilling.

„Eckpfeiler der Demokratie und der Freiheit“

Hüter ist damit der erste Kulturförderpreisträger aus Seligenstadt. „Dagegen wurden bereits mehrere Seligenstädter mit dem Kulturpreis bedacht. Es waren dies Dr. Joseph Schopp, Marcellinus Spahn (Heimatpflege und Geschichte), Christoph Dombrowski, Musikverein Klein-Welzheim und Thomas Gabriel (Musik), Georg Hüter (Bildende Kunst) - Vater von Caspar Hüter - und das Kunstforum Seligenstadt.

„Kultur ist die Gesamtheit aller Formen der Kunst, der Liebe und des Denkens, die, im Verlaufe von Jahrtausenden, dem Menschen erlaubt haben, weniger Sklave zu sein“. Mit diesem Zitat des Schriftstellers André Malraux eröffnete Quilling seine Verleihungsrede. In seinen Augen sind Kultur und Kunst wesentliche „Eckpfeiler der Demokratie und der Freiheit, da eine kreative Kunstszene, eine pulsierende Kulturlandschaft untrennbar verbunden sind mit Meinungsfreiheit und der offenen Gesellschaft".

Quilling teilte weiter mit, dass der Kreis Offenbach intensiv an der Vernetzung der vielfältigen Akteure im Kulturbereich arbeite. Ziel sei es, gemeinsame Interessen zu bündeln. Er sprach von einheitlichen Marketing, Kundenbindungsprogramme wie die Einführung einer kreisweit einsetzbaren „Kultur-Card“, die Nutzung von Synergien, sowie die Hilfestellung durch Beratungsleistungen externer Dienstleister, die für den einzelnen Künstler in den seltensten Fällen erschwinglich sind. Sein Ziel sei es, die bunte, sehr individuelle kreative Basis der Kunst und Kultur im Kreis Offenbach zusammenzuführen. „Ich möchte Synergien nutzen um Besucher zu binden und den Wert der Kulturlandschaft als weichen Standortfaktor steigern.

Vielschichtigkeit und handwerkliche Präzision

Quilling ging desweiteren auf die Biografie des ausgezeichneten Künstlers ein: 1979 in Frankfurt am Main geboren, lebt und arbeitet Hüter in Seligenstadt und studiert in Nürnberg an der Akademie der bildenden Künste in der Klasse Kunst und öffentlicher Raum. Im Jahr 1996 erlernte Caspar Hüter den Beruf des Steinmetz und des Steinbildhauers. Danach studierte er bis in das Jahr 2009 an der Fachhochschule Frankfurt Architektur und Hochbau und schloss das Studium als Diplom Ingenieur der Fachrichtung Architektur ab. Es folgten viele Mitarbeiten an Projekten, wie dem Innenausbau eines Oberösterreichischen Bauernhauses, dem Wasserspiel „Bürgerbrunnen“ in Hanau oder an dem Luminale-Projekt „Lichtcocon“ der FH Frankfurt.

Im vergangenen Jahr wurde Caspar Hüter bereits mit dem 1. Akademiepreis in der Klasse Kunst und öffentlicher Raum 2010 für das Projekt „Amtsstube P18/ Grenzgänge(r), innere Grenzen, grenzüberschreitend“ ausgezeichnet. Caspar Hüter zeichne sich vor allem durch seine Vielschichtigkeit, das nicht festlegen wollen auf eine Stilrichtung und seine ungeheure handwerkliche Präzision aus, so Qulling. Er verbinde mit seiner Person Kunst im öffentlichen Raum, beeindruckende Ensembles in freier Natur oder hintersinnige Skulpturen und Happenings. „Caspar Hüter ist ein Grenzgänger zwischen verschiedenen Stilrichtungen und Kunstarten, er ist provokativ und nachdenklich zugleich. Er ist als Künstler überall und nirgendwo Zuhause. Diese Vielfalt, die seine bisherigen Werke verbindet zusammen mit dem erkennbaren künstlerischen Potentials für die Zukunft war es, die die Jury dazu bewogen hat, ihn den Preis zu verleihen."

„Spuren der Familie Hüter sind in Seligenstadt an vielen Stellen zu sehen" sagte Stadträtin Claudia Bicherl. „Wir sind stolz darauf, ihn in unserer Stadt zu haben."

„Hüter hat das Fundament, auf dem sich eine künstlerische Karriere aufbauen lässt", betonte Eckhard Redmann, Mitglied der Kulturpreis-Jury. Er wies darauf hin, dass die Entscheidung der Jury einstimmig ausgefallen sei. „Der Künstler hat durch eine anspruchsvolle Thematik und Originalität in den Ausdrucksmitteln überzeugt."

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare