Seligenstadt

Die Quadratur des Jahnplatzes

Blick von der Konrad-Adenauer-Schule auf den Jahnsportplatz: Neues Entwicklungskonzept als Meilenstein der Stadtplanung. Fotos (2): hofmann

Städtebauliches Entwicklungskonzept der Superlative, auch beim Preis.

Seligenstadt – Sehr oft schwelgt Daniell Bastian nicht in Superlativen, am gestrigen Donnerstag freilich gab‘s beim Seligenstädter Rathauschef kein Halten mehr: Die Planung sei historisch, ein echter Meilenstein.

In der Tat gelingt mit dem „Städtebaulichen Entwicklungskonzept Bleiche und Stadtbereich zwischen Jahnstraße und Steinweg“ eine Art Quadratur des Kreises. Pläne und Ideen für dieses Filetstück in unmittelbarer Nähe zur Stadtmitte gab‘s gefühlte Jahrzehnte lang jede Menge – allein die zahlreichen Vorschläge schlossen sich mehr oder weniger gegenseitig aus.

Jetzt liegt nach Bastians Ansicht ein großer Wurf auf dem Tisch mit einer neuen Sporthalle samt Tiefgarage, Geschosswohnungsbau, einem Verkehrskreisel (kleine und große Variante) an Ellenseestraße/Jahnstraße/Kapellenstraße sowie der Erweiterung der Konrad-Adenauer-Schule (KAS), einer denkbaren Kita an der Ecke Jahnstraße/Grabenstraße und einer Aufwertung der Bleiche. Und schon kommt ein weiterer Superlativ ins Spiel, der Preis: Der Bürgermeister geht von zwölf bis 15 Millionen Euro an Kosten aus, „ein riesiger Kraftakt“.

Zwei Varianten eines Konzepts

Zusammen mit Stadtplanerin Karin Begher (Darmstadt) und Amtsleiterin Elke Schmitt (Stadtentwicklung) erläutert Bastian zwei sich nur in Teilen unterscheidende Varianten eines städteplanerischen Konzepts, das nicht nur verschiedene Ideen zusammenführe, sondern auch mit den maßgeblich Beteiligten abgestimmt sei. Als da sind die Turngesellschaft (TGS), private Grundstückseigentümer sowie der Kreis Offenbach und die KAS, die bekanntlich eine Weiterentwicklung zur Gesamtschule anstrebt.

Grünes Licht hat Bastian zudem von seiner Koalition aus SPD, FDP und FWS bekommen. Eine Reaktion der Oppositionsparteien CDU und Grüne, die ebenfalls bereits im Herbst in die Planung eingeweiht wurden, steht noch aus. Nunmehr, so der Rathauschef wolle er durch die öffentliche Präsentation ein erstes Feedback einholen, auch im Parlament: Die Pläne sind schon am Dienstag, 28. Januar, 19 Uhr, Thema im Ausschuss für Bau und Stadtentwicklung (Rathaus).

Gespannt auf die ersten Reaktionen sind (von links) Amtsleiterin Elke Schmitt, Bürgermeister Daniell Bastian, Erster Stadtrat Michael Gerheim und Planerin Karin Begher.

Die Herausforderung liege darin, Prioritäten zu setzen, die Nutzungen und die dafür notwendigen Gebäude in einem urbanen Quartier maßstäblich zueinander unterzubringen, sagt die Planerin. Der Entwurf umfasst die Bleiche und die Fläche zwischen Jahnstraße und Steinweg. Leitbild ist die Schaffung eines Grünzugs von der Bleiche bis zum Stadtwerkegelände und in Fortsetzung bis zum Main. Begher verweist auf frühere Pläne, die ökologische, klimatische und historische Argumente für diese „grüne Verbindung“ enthielten. Die Freilegung des Stadtmühlbachs und die Einführung des Elements Wasser könnten am Jahnplatz als „Blaues Band“ (Bepflanzung mit lila beziehungsweise blau blühenden Pflanzen) fortgeführt werden.

Was wird aus der Tagesbetreuung an der Konrad-Adenauer-Schule?

Das Jahngelände selbst soll als Hallenstandort erhalten bleiben. Jedoch ist der bauliche Zustand der TGS-Halle an der Grabenstraße so schlecht, dass eine Sanierung unwirtschaftlich ist. Um das Vereinsleben aufrecht zu erhalten und das Angebot zu erweitern, beabsichtigt die Stadt eine städtische Wettkampfhalle versetzt zu errichten – mit der TGS als Hauptnutzerin, aber auch andere Vereine kommen in Frage. Die Halle soll mit einer Tiefgarage versehen und in der Nähe des Parkdecks platziert werden.

Die Reaktivierung der Brache durch Geschosswohnungsbau soll dem hohen Bedarf entgegenkommen; die rückwärtigen Abschnitte der an der Grabenstraße liegenden privaten Grundstücke, für die es mehrere Baufenster gibt, sollen als weitere Flächen für Wohnbebauung entwickelt werden.

Weiteres wichtiges Thema ist die Versorgung und Tagesbetreuung an der Konrad-Adenauer-Schule. Diese Planungsabsichten bringen bauliche Erweiterungen auf dem Schulgelände mit sich, sodass dieses Vorhaben mit einer Neugestaltung des Spielplatzes, dem Ausbau der Fuß- und Radwegeverbindungen und Schulwegen im Gesamtkonzept einhergeht.

Die Entwicklung des angrenzenden Stadtwerkegeländes wurde bislang indes nicht konzeptionell bearbeitet, ist aber durch Analysen einiger Entwicklungsziele bereits festgehalten.

Bei der Finanzierung des Großprojekts rund um den Jahnplatz zeichnen sich einige Ansätze ab. So will die TGS ihr Gelände einbringen; der Geschosswohnungsbau soll einen Beitrag leisten, Förderprogramme kommen in Frage. „Wir hoffen spätestens nach der Sommerpause ein endgültiges, durch die Stadtverordnetenversammlung beschlossenes Entwicklungskonzept zu erhalten, um die informative Planungsphase abzuschließen und mit den verbindlichen Planungsprozessen beginnen zu können“, so Bürgermeister Dr. Daniell Bastian.

VON MICHAEL HOFMANN

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