Renaturierung Stadtmühlbach

„Wahres Horrorszenario“

Seligenstadt - Die Wellen schlugen - im wahrsten Sinne des Wortes - bereits vor der Abstimmung im Seligenstädter Parlament hoch. Von Michael Hofmann

Statt der Vorfreude auf einen bald renaturierten, munter plätschernden Stadtmühlbach auf dem Wiesengelände zwischen Sankt Marien und dem evangelischen Gemeindezentrum regiert bei Anwohnern der Jahnstraße und Kleingärtnern die Angst vor Überschwemmung. Das hatten zumindest die Freien Wähler (FWS) im Vorfeld im Gespräch mit Betroffenen herausgefiltert und Kritik am geplanten Prozedere „über die Köpfe der Anwohner hinweg“ geübt. Weder seien die Betroffenen über die geplante Vertiefung und Anstauung des Bachlaufs im Grauborn-Bereich sowie die daraus resultierenden Gefahren informiert worden, noch seien eventuell daraus erwachsene versicherungstechnischen Probleme (Gebäudeversicherung/Elementarversicherung) erörtert worden. Immerhin solle der zur Zeit in Rohren kanalisierte Bach wieder geöffnet werden. Außerdem werde so eine intakte Parklandschaft „aufgerissen“. Die FWS-Forderung auf eine vorherige Bürgeranhörung fand indes keine Mehrheit in der Stadtverordnetenversammlung.

Protest der Freien Wähler

Im Gegenteil: Die Stadtverordnetenversammlung beschloss gegen das Votum der FWS-Fraktion den Magistrats-Antrag zur Renaturierung (Vorentwurfsplanung) mit CDU-Modifikationen. Im Haushalt 2013 sollen dafür 225.000 Euro zur Verfügung gestellt werden. Zuvor hatte CDU-Fraktionschef Joachim Bergmann der FWS vorgeworfen, bereits in der Ausschuss-Runde ein wahres „Horrorszenario“ entworfen zu haben, er selbst könne der Planung „nur positive Seiten abgewinnen.“ Bergmann erinnerte daran, dass seit dem Jahr 2008 über die Renaturierung gesprochen werde, zudem habe das Parlament inklusive FWS im Sommer „einen ausführlichen Bericht dazu durchlaufen lassen.“ Im Gespräch mit Anwohnern habe die CDU damals keinerlei Widerstand, sondern nur Lob gehört. „Und jetzt ist es endlich soweit, die Entwurfsplanung zu beschließen, aus der eine Genehmigungsplanung werden soll.“

Auch Erste Stadträtin Claudia Bicherl widersprach Kraft: Die Stadt Seligenstadt habe stets über das Vorhaben „Renaturierung des Stadtmühlbachs“ informiert, unter anderem in den Ausschüssen, und die seien öffentlich. Auch Natascha-Maldener-Kowolik (Grüne) konnte die Aufregung der FWS nicht nachvollziehen, sah keinerlei Probleme für die Kleingärtner. Diese Auffassung vertrat zudem Ex-Bürgermeister Rolf Wenzel (SPD). Schließlich sei es schon seit langer Zeit erklärter Wunsch, die Bleiche zu öffnen. „Überschwemmungen kann ich mir dort nicht vorstellen.“ Er verwies auf die Anhörung während der Planungsphase und empfahl, die Bürgerschaft bei der Konzeption dieses Freizeitprojekts einzubeziehen. Auch FDP-Chef René Rock sprach sich für Freilegung und Einbindung der Bürger aus.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare