CDU schlägt Parteivorsitzenden vor

Richard Georgi als Erster Bürger

Seligenstadt - CDU-Parteichef Dr. Richard Georgi (50) soll neuer Stadtverordnetenvorsteher und damit Erster Bürger der Stadt Seligenstadt werden. Das schlägt die Union nach ihrer Klausurtagung vor. Von Michael Hofmann

Die CDU hatte unter ihrem Spitzenkandidat Georgi bei der Kommunalwahl im März zwar deutliche Verluste hinnehmen müssen, ist aber mit 34,8 Prozent noch immer die mit Abstand stärkste Partei im Parlament. Auf ihrer eintägigen Klausurtagung hat sich die neue Fraktion der CDU in der Stadtverordnetenversammlung Seligenstadt konstituiert. In geheimer Wahl bestätigten die Stadtverordneten einstimmig Joachim Bergmann (58) als Fraktionsvorsitzenden im Amt. „Es ist guter parlamentarischer Brauch“, so Bergmann, „dass die stärkste Fraktion im Stadtparlament den Stadtverordnetenvorsteher stellt. Für diese Wahl hat die CDU-Fraktion einstimmig Dr. Richard Georgi nominiert.“ Die Union, so Bergmann weiter, sei sicher, dass Georgis „ruhige und ausgeglichene Art eine hervorragende Voraussetzung für diese Position ist.“

Nach Willi Brehm (1957 bis 1971), Ottmar Busch (1971 bis 1989), Christian Krüger (1989 bis 1997, 2001 bis 2011), alle CDU, sowie Heide Wolf (1997 bis 2001) und Peter Sulzmann (ab 2011), beide SPD, kandidiert mit Georgi erstmals seit 2001 wieder ein Nicht-Jurist für diese Position. Ob er eine Mehrheit der Stadtverordneten überzeugen kann, das wird sich in der konstituierenden Sitzung am 2. Mai herausstellen. In der Tat war es lange Zeit Tradition, dass die stärkste Fraktion den Stadtverordnetenvorsteher stellt. Doch wichen die Parlamentarier in der letzten Legislaturperiode davon ab. Mitte April 2011 wählte ein Bündnis aus SPD, Grünen, Freien Wählern (FWS) und FDP den SPD-Politiker Peter Sulzmann zum Parlamentschef. Der 1964 geborene Rechtsanwalt erhielt 20 Stimmen (ein FWS-Parlamentarier fehlte). Die CDU hingegen stimmte geschlossen mit 16 Stimmen für ihren Kandidaten Steffen Thiel, ebenfalls Jurist. Die Union war damals empört, sprach von Tabubruch, Instinktlosigkeit und einem „schwarzen Tag für Seligenstadt“. Dagegen betonte FDP-Chef René Rock, beide Kandidaten seien für das Amt geeignet, die Liberalen versprächen sich von Peter Sulzmann jedoch mehr Neutralität.

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CDU-Anwärter Dr. Richard Georgi studierte an der Fachhochschule Darmstadt Elektrotechnik. Er graduierte am Cranfield Institute of Technology, UK, in Computing Systems und später in Signal Processing. Seit dem Jahr 2009 ist er im Hessischen Ministerium des Inneren und für Sport zunächst in der Projektleitung Digitalfunk BOS Hessen und ab 2010 als Projektleiter und Leiter der Landeskoordinierungsstelle Digitalfunk, Information und Kommunikation beschäftigt. In der Seligenstädter Bürgermeisterwahl 2009 war er mit lediglich 31,1 Prozent der Stimmen chancenlos gegen Amtsinhaberin Dagmar B. Nonn-Adams (68,9 Prozent). Doch im Vorfeld der Kommunalwahl 2016 ging Georgis Stern erneut in seiner Union auf. Seine Parteifreunde wählten ihn Mitte/Ende 2015 nacheinander zum Ortsverbandschef in der Kernstadt, zum Stadtverbandsvorsitzenden sowie zum Spitzenkandidaten der CDU für die Kommunalwahl.

In ihrer Klausurtagung traf die CDU weitere Personalentscheidungen: Neu im Amt der stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden sind der 32-jährige wissenschaftliche Mitarbeiter Oliver Steidl aus Klein-Welzheim und die 49-jährige Reiseverkehrskauffrau Tatjana Ditzinger aus Froschhausen. Ebenfalls neu in ihren Funktionen sind Karl-Heinz Maurer als Fraktionsschatzmeister und Thomas Lortz als Pressesprecher der Fraktion.

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Ein weiteres Hauptthema der Klausurtagung der CDU-Fraktion war die Vorbereitung der inhaltlichen Arbeit für die neue Legislaturperiode. Hierzu wurden vier Arbeitskreise gebildet: Finanzpolitik und Wirtschaftsförderung, Bau und Stadtentwicklung, Umwelt-, Verkehrs- und Energiepolitik sowie Soziales.

Ziel der künftigen Arbeit in der Stadtverordnetenversammlung, so die CDU Fraktion, müsse „eine vom gegenseitigen Respekt getragene politische Auseinandersetzung zum Wohle der Menschen in unserer Stadt“ sein.

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