Verstoß gegen Kinderrechte?

Roma-Familien: Wohl keine Abschiebung vor Weihnachten

Seligenstadt - Die von der Abschiebung bedrohten Roma-Familien aus Albanien werden Seligenstadt wohl zumindest nicht mehr vor Weihnachten verlassen müssen. Über ihre Asylanträge ist noch nicht abschließend befunden worden.

Die vier von der Abschiebung bedrohten Roma-Familien aus Albanien werden Weihnachten wohl noch ihren Unterkünften in Seligenstadt und Froschhausen verbringen können. Wie der Kreis Offenbach gestern auf Anfrage mitteilte, laufen die Verfahren zum Teil noch, in einem Fall ist der Antrag auf Asyl abgelehnt, ein Widerspruch ist jedoch eingelegt.

Unter den 16 betroffenen Menschen sind auch zehn Kinder, sagt Burkard Müller vom Arbeitskreis „Willkommen in Seligenstadt“. Wie kompliziert sich die Situation für die Betroffenen darstellt, schildert Müller an den Familien Dako. Die Brüder Erjon (verheiratet, drei Kinder) und Elvis (verheiratet, Frau hochschwanger, zwei Kinder) leben derzeit in Unterkünften in Froschhausen. Sie betreiben die Fahrradwerkstatt des Arbeitskreise, die Kinder sprechen nach gut einem Jahr in Deutschland besser Deutsch als Roma, sagt Müller.

In ihrer Heimat, der albanischen Hauptstadt Tirana, stehen sie vor dem Nichts. „Die Siedlung, in der sie lebten, musste einer neuen Autobahn weichen“, schildert Müller die prekäre Situation. Den Albanern habe die Regierung eine Entschädigung gezahlt, Roma hingegen hätten 1000 Euro angeboten bekommen, das Geld aber nie erhalten.

Fluchterfahrungen von Prominenten und Künstlern

Laut Müller treffen bei der Entscheidung zwei Tatbestände aufeinander. Zum einen wird Albanien als sicheres Herkunftsland beurteilt, doch verstoße die Abschiebung gegen die UN-Kinderrechtskonventionen, weil die Jungen und Mädchen in Albanien nicht die gleichen Entwicklungschancen haben wie in Deutschland. Darüber dürfe sich nicht hinweggesetzt werden, sagt Burkard Müller, es sei denn, es bestünden „nationale Interessen“, Wie diese aber genau definiert werden, darüber hätten Gerichte noch nicht befunden. Die Anträge der Familien auf Asyl beziehungsweise der Einspruch laufen derzeit Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF). (sig) 

Rubriklistenbild: © dpa/Jens Kalaene

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