Tödliche Begierden

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Roman Kempf lässt Pater Abel im Kloster recherchieren.

Seligenstadt - Viele Sagen und Erzählungen ranken sich um das Seligenstädter Kloster. Aber Mord? Ein toter Mönch? Ein irritierter, weil verliebter Mönch? Kräuter aus dem bekannten Klostergarten, die gegen Menschen eingesetzt werden? Von Thomas Hanel

Dies alles beschäftigt den Schriftsteller Roman Kempf. Im vierten Band seiner historischen Krimiserie rund um den Benediktiner Pater Abel lässt er den Amorbacher Cellerar (Beauftragter der Klosterleitung) nach Seligenstadt reisen. Im Jahr 1787 soll Pater Abel dort nach dem Rechten schauen, den maroden Wirtschaftsbetrieb des Klosters untersuchen. Und trifft auf einen Toten. Damit nicht genug: Nicht nur der Ertrag aus dem Zehnten, auch die Moral ist im einst wohlhabenden Kloster am Main gesunken. Die Gewächse im weitläufigen Klostergarten inspirieren die Patres lediglich noch zur Herstellung von allerlei Mitteln für und gegen Lust, Krankheit und Gier: Mönchspfeffer dämpft die Begierde, und Theriak wird gar zum Wundermittel gegen jedwedes Gebrechen. Doch auch Bußgürtel helfen nicht gegen die Verlockungen. Eines Tages liegt der Infirmarius Salomon, der für Medizin und Drogen zuständige Bruder, tot auf den Sandsteinplatten der Gartenterrasse.

In dem spannenden Roman, der das geschichtsträchtige Seligenstadt mit Bildern von Fronarbeit und Löffeltrunk verlebendigt, werden die Mauern der mächtigen Benediktinerabtei für Abel zur Falle. Selbst in seiner kargen Zelle scheint er nicht mehr sicher. Denn mit dem Bemühen, die Klosterrechnung zu ordnen und den gewaltsamen Tod des Bruders Infirmarius aufzuklären, verschafft er sich zahlreiche Feinde unter den alteingesessenen Konventualen.

Argwöhnisch beäugen die Patres seine Recherchen, Drohbotschaften in lateinischer Sprache finden den Weg durch den Türschlitz, und plötzlich entdeckt Abel rote Pusteln an seinen Armen. Zum Fiasko dann gerät die Teilnahme an einer Schnepfenjagd des Erzbischofs. Welch glücklicher Zufall, dass sich der Apotheker noch auf die traditionelle Klosterheilkunde versteht. Der heißt im Roman übrigens Binsack. Mit den Heil- und Giftpflanzen behandelt „Mönchspfeffer“ ein zentrales Thema klösterlicher Kultur. Die Naturmedizin der Benediktinerin Hildegard von Bingen gerät in Konflikt mit neuen Methoden, die tatsächlichen Fortschritt in der chirurgischen Behandlung mit Quacksalberei bei der Arzneikunde vermischen.

Der Logo-Verlag (Obernburg) stellt „Mönchspfeffer“ derzeit als Neuerscheinung auf der Frankfurter Buchmesse (Halle 4.1) vor. Eine Lesung mit Roman Kempf in Seligenstadt findet auf Einladung des Vereins zur Förderung des Landschaftsmuseums statt am 22. November, 19 Uhr, im Refektorium. Das Buch endet übrigens mit einer Liebesgeschichte. Mehr wird nicht verraten.

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