Rosenmontags-Bericht

Obergrenze bei Einsatzkräften erreicht

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Seligenstadt - Während tausende von großen und kleinen Narren einen kunterbunten, fröhlichen und ausgelassenen Nachmittag verbringen und den höchsten Feiertag im Schlumberland, den Rosenmontag, nach Herzenslust genießen, denken die Organisatoren und Verantwortlichen von Heimatbund und Stadt Seligenstadt in ganz anderen Kategorien. Von Michael Hofmann

Das belegt ein umfassender aktueller Magistratsbericht eindrucksvoll. Die zentralen Probleme sind seit Jahren bekannt, aber eben nur schwer in den Griff zu bekommen: Komasaufen bei Jugendlichen, Ärger mit uneinsichtigen Besuchern an den „Mautstellen“ oder Glasbruch in der Innenstadt.

Einsatzschwerpunkte sind in jedem Jahr der Marktplatzbereich und das Parkdeck Altstadt. „Zu behandeln waren bewusstlose Personen, Kreislaufprobleme, Verletzungen durch mechanische Einwirkungen, Folgen von Alkoholmissbrauch“, fasst der Magistrat das Vorjahr zusammen. Bewährt habe sich die Zusammenarbeit mit dem Suchthilfezentrum Wildhof, das Mitarbeiter und Suchtberater zur Verfügung stellte, und mit der Asklepios-Klinik. „Schon kurz nach Beginn des Umzugs gab es die erste stationäre Aufnahme eines Jugendlichen wegen Alkoholvergiftung. Danach kamen in kurzer Zeit 20 Jugendliche und junge Erwachsene in die Klinik. Mit sechs von ihnen und zum Teil auch mit ihren Eltern konnten noch am Rosenmontag und am Fastnachtdienstag in der Klinik Brückengespräche geführt werden. Diese Jugendlichen waren 14 bis 19 Jahre alt und kamen alle aus Gemeinden außerhalb von Seligenstadt.“ So die weitere Schilderung seitens des Magistrats. Allerdings hätten Jugendliche und Eltern Wildhof-Gesprächsangebote grundsätzlich positiv aufgenommen. Eine anfangs manchmal distanziert-misstrauische Haltung habe sich im Laufe der meisten Gespräche deutlich verändert. „Der Sinn solcher Unterredungen leuchtete fast allen ein. Alle Vergiftungen waren durch Spirituosen verursacht, die für unter 18-Jährige verboten sind.“

Die Statistik macht nachdenklich: Die Zahl der Einsatzkräfte (Ärzte, DLRG, Feuerwehr, Polizei, THW) hat sich seit 2009 (105) auf zuletzt 188 Personen erhöht. Damit, so das Ordnungsamt, sei die Grenze nahezu erreicht. Unverändert hoch sind indes die Zahlen der Notfälle. 44 ambulante Behandlungen im Rathaus-Innenhof, 20 Klinik-Transporte, 30 Behandlungen durch Fußtrupps sowie sieben Notarzt-Einsätze stehen für 2012 zu Buche.

Dennoch hat sich in den letzten Jahren das Sicherungs- und Hilfssystem rund um den Rosenmontag kontinuierlich weiterentwickelt. Das Ordnungsamt spricht von „professioneller und partnerschaftlicher Zusammenarbeit“. Als positiv hat sich die Einrichtung des zentralen ambulanten Behandlungsplatzes im Rathaus-Innenhof erwiesen. Durch die ständige Anwesenheit von Ärzten, die die Asklepios-Klinik abstellt, können Patienten vor Ort effektiv behandelt und auch weitergehende Maßnahmen eingeleitet werden. Der eigentliche Notarzt für den Zug, der im Feuerwehrhaus stationiert ist, ist so frei für Rettungseinsätze an anderen Stellen.

Bilder vom Rosenmontagsumzug 2012

Rosenmontagsumzug in Seligenstadt

Großen Ärger bereitet alle Jahre wieder Glasbruch. Im Vorjahr setzte die Stadt erstmals Glasverbot durch. Obwohl die Verordnung erst kurz vor Rosenmontag in Kraft trat, zeigte sie Wirkung. Gleichwohl galt die Devise „Deeskalation vor Repression“. Nach Auskunft des Bauhofes, der die Reinigung übernimmt, wurde nur noch etwa ein Drittel dessen an Glasbehältnissen eingesammelt, was in den Jahren zuvor angefallen ist. Klar ist aber: Eine „komplett glasfreie Stadt“ ist eine Utopie. Die Gesamt-Abfallmenge von 30 Kubikmeter blieb unverändert.

Übrigens beziffert die Stadt Seligenstadt ihre Kosten rund um den 2012er Zug auf 6 000 Euro.

Bilder von der Schlumberlandfete in Seligenstadt

Riesen-Schlumberlandfete

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