Viele Geschichten und Anekdoten

„Roter Brunnen“: Besonderer Platz im Herzen

Seligenstadt - Wir müssen noch etwas warten, bis kostbares Nass aus der ältesten noch vorhandenen öffentlichen Wasserstelle der Einhardstadt fließt: dem sagenumwobenen Roten Brunnen.

Roter Brunnen zwischen Freihof und Mainufer.  

Nach einer Generalreinigung nimmt dieser, ebenso wie der Marktplatzbrunnen, Anfang Mai wieder seine Arbeit auf. Um die Wasserstelle am Verbindungsweg zwischen Freihofplatz und Mainufer ranken sich zahlreiche Geschichten und Geschichtchen. „Wo Wasser ist, da ist Leben“ schrieb Margret Schöneich im Mai 2012 in einem Beitrag für die Seniorenzeitschrift „Für Uns“ und fasst die Brunnen-Geschichte im Städtchen zusammen: Vom ersten Marktplatzbrunnen, der schon 1588 errichtet wurde, vor allem aber vom Roten Brunnen, „der in den Herzen der Seligenstädter einen besonderen Platz einnimmt, ranken sich doch um ihn schöne Geschichten und Anekdoten.“

Als der Breitenbach an dieser Stelle noch offen dem Main entgegen floss, war der nach der Farbe seines Sandsteins benannte Rote Brunnen nicht viel mehr als ein Pumpenstock, der vielen Altstadtbewohnern täglich Wasser lieferte. Einst wurde Kindern erzählt, dass die Babys aus dem „Roten Brünnche“ kämen. Der Storch bringe sie, und die kleinen Schlumber würden dort von ihren Eltern abgeholt. Auch als heilkräftig soll das Wasser des Brunnens in früherer Zeit gegolten haben, etwa zur Pestzeit 1607, als Kurfürst Schweikert mit seinem ganzen Hof nach Seligenstadt übersiedelte und angeblich auf Anraten seiner Ärzte das Wasser des „Roten Brunnens“ trank.

Wenig romantisch sah die Wasserstelle in der jüngeren Vergangenheit aus. Ende der 1950er Jahre war sie zu einem „Schandfleck“ verkommen, Küchenabfälle und Unrat wurden dort entsorgt und machten aus dem einstigen sauberen Brunnen einen unhygienischen, stinkenden Ort. 1965 erhielt Steinmetzmeister Hermann Hüter den Auftrag für den Entwurf eines Sandsteinbrunnens. 1966 plätscherte wieder sauberes Wasser aus einer wunderschönen Anlage, damals erhielt der Brunnen seine heutige Form. 2005 gründete sich ein Arbeitskreis „Roter Brunnen“, der sich in bürgerschaftlichem Engagement die Betreuung der historischen Anlage zur Aufgabe machte. Im Frühjahr 2011 vergab die Stadt Seligenstadt den Auftrag, den Platz am „Roten Brunnen“ grundlegend umzugestalten. Die Kosten beliefen sich auf 75.000 Euro, die zum großen Teil von Sponsoren aufgebracht wurden. Zum damaligen Geleitsfest war das Werk bereits vollendet.

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mho

Rubriklistenbild: © Hoffmann, Michael

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