„Rückbesinnung auf frühere SPD-Erfolge“

+
Neujahrsempfang des Seligenstädter SPD-Ortsvereins: Der Gastredner, Landtags-Fraktionschef Thorsten Schäfer-Gümbel, kam eigens aus Potsdam angereist, wo derzeit die Klausurtagung des Parteivorstands stattfindet.

Seligenstadt (mho) ‐ Geschmeichelt fühlen durfte sich der Seligenstädter SPD-Ortsverein am Montagabend. Zum 20-Jährigen Bestehen des Neujahrsempfangs unterbrach Landtags-Fraktionschef Thorsten Schäfer-Gümbel eigens die Klausur des Parteivorstands in Potsdam.

Und das für einen Gastvortrag in der Einhardstadt, um dann direkt wieder dorthin zurückzufliegen. Aus gegebenem Anlass und weil das „Zeitfenster“ des Gastes es gerade noch zuließ, ehrte er im Gasthaus Zum neuen Schwan den seit mehr als vier Jahrzehnten für die örtliche SPD und die Stadt aktiven Kommunalpolitiker Manfred Kreis und überreichte die Willy-Brandt-Medaille.

Schäfer-Gümbel stehe in einer Reihe prominenter Genossen als Neujahrsempfangs-Gäste, darunter Hans Eichel, Andrea Ypsilanti oder auch der inzwischen gestorbene Hermann Scheer, so Ortsvereinschefin Karin Hansen bei der Begrüßung. Trotz diverser „Nackenschläge“ in den vergangenen Jahren sei Optimismus angebracht, so Hansen weiter: „Es kann ja nur besser werden, außerdem befinden wir uns auf dem aufsteigenden Ast.“

Auch Schäfer-Gümbel war merklich bemüht, Aufbruchstimmung unter den rund 100 Besuchern zu verbreiten. Enttäuschung an der Basis habe es genug gegeben, die Partei müsse sich den Herausforderungen der Zeit stellen, Antworten liefern und so Vertrauen zurückgewinnen. Da bleibe auch kein Raum für „Häme“ angesichts diverser Probleme der Polit-Konkurrenz. Nach Schäfer-Gümbels Ansicht liegt die Lösung in der „Rückbesinnung auf frühere SPD-Erfolge“. Seine Stichworte: „Demokratische Öffnung des Landes“ in den 70er Jahren unter Willy Brandt sowie das damalige „Aufstiegsversprechen“. Den sozialen und beruflichen Aufstieg habe die SPD in jener Zeit schließlich „nicht nur formuliert, sondern auch durchgesetzt“. Die Frage, die ihn selbst und auch den SPD-Vorstand Potsdam beschäftige, laute: An welcher Stelle wurde das Aufstiegsversprechen gebrochen und warum? Denn in den 80er und 90er Jahren habe es schon nicht mehr gegriffen.

Schäfer-Gümbel nennt drei Gründe: Globalisierung, die „Abstiegsängste“ der Mittelschicht und die Einschränkung der Handlungsfähigkeit des Staates. Dies alles habe eine anhaltende Vertrauenskrise ausgelöst, „weil der Gestaltungswille fehlte“.

Bei der Schilderung seiner Lösungsansätze vermittelte der Gast dem Publikum einen Eindruck vom Diskussionsstand in Potsdam: Lösungswege sieht der Landtagspolitiker in der Stärkung der Institutionen, um den globalen Krisen zu begegnen; in der Ordnung des Arbeitsmarkts, um die immer weiter um sich greifenden „prekären Beschäftigungsverhältnisse“ (Teilzeitjob, Niedriglohn-Sektor, Praktika, Ein-Euro-Job) zugunsten von regulären Jobs zurückzudrängen; durch mehr Bildungschancen sowie eine andere Lastenverteilung zugunsten mittlerer und unterer Einkommensgruppen. Schäfer-Gümbel spricht von „Gestaltungsauftrag“ und „Verantwortungsgemeinschaft“, von Aktivsein, Miteinander und Solidarität. „Die Zeit ruft nach einer anderen Politik. Mein Wunsch fürs neue Jahr: Den Satzanfang ,Man müsste mal...' möchte ich nicht mehr hören.“

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare