Ende der Altstadtsanierung

Ein Jubiläum, das keiner feiert

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„Deutlichen Sanierungsbedarf“ hatte Seligenstadt Anfang der 70er Jahre, inzwischen hat sich das Zentrum in ein Schmuckkästchen verwandelt.

Seligenstadt - Im Jahr der öffentlichkeitswirksamen Jubiläen und wohlgesetzten Worte (200 Jahre Basilika, 725 Jahre Froschhausen) ging ein weiterer Höhepunkt völlig unter. Von Michael Hofmann

„40 Jahre Altstadtsanierung“ wollte wohl auch die Seligenstädter Stadtverordnetenversammlung nicht groß feiern. Einstimmig und ohne weitere Diskussionen befürwortete das Plenum in seiner jüngsten Sitzung einen Antrag des Magistrats, die einst heftig diskutierte Satzung zur umfangreichen Neuordnung der Wohn- und Lebensverhältnisse sowie zum Erhalt der historischen Bausubstanz aufzuheben.

Dabei fiel das Urteil des Magistrats nach umfangreichen Baumaßnahmen zwischen dem Main im Osten, Wiesenstraße, evangelischer Kirche und Friedhof im Süden, Grabenstraße und Stadtgraben im Westen sowie Jahnstraße und Stadtwerke im Norden recht positiv aus:

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„Altstadt dicht machen bringt gar nichts“

„Im Ergebnis ist eine vielfältige Altstadt der kurzen Wege auch im Sinne der Nachhaltigkeit entstanden, in der Wohnen, Arbeiten, Versorgung und Freizeit ihren Raum haben. Die Sanierung der Altstadt kann insgesamt auf eine Dauer von 40 Jahren zurückblicken. Nachdem bis auf wenige Ausnahmen alle Straßen im Quartier erneuert, die meisten Gebäude in der Altstadt saniert und alle Ausgleichsbeträge eingenommen wurden, ist es nun an der Zeit, die Stadtsanierung zu beenden.“

Zuschüsse von der Stadt für private Eigentümer

Die Bilanz in Zahlen lässt allerdings noch auf sich warten. Denn die Gesamtabrechnung der städtebaulichen Sanierungsmaßnahme gegenüber dem Land Hessen stellen derzeit Bauverwaltung und Nassauische Heimstätte zusammen. Fakt ist allerdings, dass auch zahlreiche private Eigentümer Baumaßnahmen übernahmen, die Teil des Gesamtprojekts Stadtsanierung wurden. „Dafür hat die Stadt allein 4,14 Millionen Euro an Zuschüssen zur Verfügung gestellt.“ Weit weniger erfreulich war für einige Eigentümer die Ausgleichsabgabe, die mit der „sanierungsbedingten Wertsteigerung“ einher ging und von der Stadt im Zuge von „Ablösevereinbarungen“ erhoben wurde. Grundlage war die Expertise des Gutachterausschusses Offenbach, der, je nach Nähe zur Altstadtmitte, Raten von 30, 40 und 55 Mark pro Quadratmeter festlegte.

Wie hatte alles begonnen? Anfang Februar 1972 beschloss die Stadtverordnetenversammlung die förmliche Festlegung des Sanierungsgebietes „Altstadt Seligenstadt“ als Satzung, das sechs Jahre später merklich eingeschränkt wurde. Mit Inkrafttreten des Städtebauförderungsgesetzes 1971 und der Aufnahme in das Förderprogramm des Landes Hessen wurden die gesetzlichen und förderrechtlichen Grundlagen für die Stadtkernsanierung geschaffen. Grundlage war eine Untersuchung des Planungsbüros Guther und Stracke Darmstadt (jetzt StadtBauPlan Darmstadt), die der Altstadt „einen deutlichen Sanierungsbedarf“ bescheinigte. Zu den städtebaulichen Missständen zählten ungünstiger Grundstückszuschnitt bei vielen Grundstücken, der eine geordnete Bebauung oder Nutzung verhinderte; schlechter Zustand der meisten Gebäude (viele waren über hundert Jahre alt); hoher Leerstand; nicht mehr zeitgemäße Ausstattung der Wohnungen (Heizung, Küche, Sanitäreinrichtungen); fehlende Flächen für die Erweiterung von Geschäften und Handwerksbetrieben; unattraktives Wohnumfeld; Belastungen aufgrund des Durchgangsverkehrs; Mangel an öffentlichen und privaten Stellplätzen; unzureichende Erschließung; mangelnde Versorgungseinrichtungen und fehlende Ausstattung mit Gemeinbedarfs- und Freizeiteinrichtungen.

Umfangreiche Maßnahmen

Zur Behebung der Missstände beschloss die Stadtverordnetenversammlung 1971 einen Sanierungsrahmenplan, dessen Fortschreibung (1978) mit der Reduzierung des Sanierungsgebietes endete. Ziele der Sanierung waren insbesondere der Erhalt der historischen Bausubstanz und des gesamten Stadtbildes bei gleichzeitiger Verbesserung der Wohn- und Lebensverhältnisse in der Altstadt. Von der 1971 vorgesehen Flächensanierung nahm die Stadt jedoch aus Geldgründen und Gründen der Umsetzbarkeit Abstand und nahm statt dessen Objektsanierungen in Angriff.

Aufgrund der Förderung durch Bund, Land und Stadt sowie von Grundstückserlösen und Ausgleichsbeträgen standen umfangreiche Mittel im Sanierungsgebiet zur Verfügung, die eingesetzt wurden für: Grunderwerb und Bodenordnung mit dem Ziel, geeignete Grundstücke für die Bebauung oder sonstige Nutzung zu schaffen; Erneuerung nahezu aller Straßen, Wege und Plätze in der Altstadt; Abbruch von Gebäuden zur Freiflächengewinnung oder zur Errichtung von Neubauten; Schaffung von öffentlichen Parkplätzen; Modernisierung und Instandsetzung von städtischen Gebäuden, darunter die Jugendmusikschule, der Riesensaal, das Rathaus; Förderung von Privaten bei der Modernisierung ihrer Gebäude.

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