Sauerbier-Aktion soll Interesse wecken

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Rund um die evangelische Kirche: jede Menge Stellplätze.

Seligenstadt - Auch wenn’s ein paar Monate gedauert hat, so langsam scheint sich die ernüchternde Erkenntnis einzustellen: Das neue Parkhaus an der Aschaffenburger Straße ist ein Flop - Schilda lässt grüßen. Von Michael Hofmann

Es hatte schon etwas von einer Verzweiflungstat, als sich die Stadtverordnetenversammlung auf Initiative der FWS-Fraktion kürzlich mit großer Mehrheit dazu entschloss, den Magistrat mit einer Art Werbekampagne zu beauftragen, um Einheimische und Fremde auf die niedrigen Parkgebühren der beiden Parkdecks hinzuweisen - eine Art Sauerbier-Aktion.

Parkdeck: gebührenpflichtige Leere.

Rückblende: Obwohl an der Aschaffenburger Straße rund um die evangelische Kirche Parkplätze gleich im Dutzend zur Verfügung standen (und stehen), votierte die Stadtverordnetenversammlung im April 2009 dafür, in unmittelbarer Nähe des Friedhofs ein neues Parkhaus mit 150 Stellplätzen zu bauen. Fast 740000 Euro investierte die Stadt aus ihrer Konjunkturprogramm II-Zuteilung in das Projekt, die Gestaltung der Außenanlage mit Bürgersteigen und Straßenbeleuchtung verschlang weitere 230.000 Euro. Inzwischen ist das Gejammere groß: Seit ein Parkautomat den läppischen Betrag von einem Euro pro Tag fordert, ist das Parkdeck gähnend leer. Diese Erfahrungen machte die Stadt übrigens bereits mit dem Parkhaus am Steinheimer Turm: Solange die Parketagen kostenlos nutzbar waren herrschte Betrieb, seit ein Automat Eintritt verlangt, suchen sich die Autofahrer lieber kostenfreie Stellplätze entlang des Jahnstraßensportplatzes aus.

Kosten belsten Steuerzahler

Unter dem Moto „Das kann so nicht weitergehen“ unternahm die FWS-Fraktion jetzt den Versuch der Schadensbegrenzung. Von „erschreckend geringer Nutzung“ an der Aschaffenburger Straße sprach Klaus Dietrich in der Parlamentssitzung und forderte gemeinsame Anstrengungen zur Senkung der Kosten beider Parkdecks: Die Amortisation der Bauwerke und der Parkscheinautomaten sei sonst „selbst langfristig nicht erreichbar. Auch die Kosten des laufenden Unterhalts belasten die Steuerzahler unserer Stadt.“ Kein Wunder, kostete der Parkhaus-Stellplatz an der Aschaffenburger Straße doch 6500 Euro. Zu beobachten sei, so Dietrich weiter, dass der Hinweis „gebührenpflichtig“ Autofahrer abschrecke, so dass die Gebührendetails kaum bekannt seien: „Nur wer sich zum Automaten begibt, erfährt etwas.“ Und da sei die Überraschung oft groß: Denn die angefangene halbe Stunde koste 20 Cent, der ganze Tag lediglich einen Euro.

Den FWS-Vorschlag, der Magistrat solle darüber im Parkleitsystem, auf Bannern, in Medien oder über die Stadtmarketing-GmbH informieren, unterstützten alle Fraktionen - bis auf die Grünen. „Gut gemeint, schlecht gemacht“, sagte deren Fraktionsvorsitzende Natascha Maldener-Kowolik. Das Verhalten der Autofahrer sei nicht verwunderlich, wenn rund herum kostenlose Stellflächen zur Verfügung stünden. Darüber hinaus sei die Tagesgebühr von einem Euro „lächerlich“. SPD-Politiker Michael Hollerbach brachte es auf den Punkt: Nächster Schritt in dieser Angelegenheit sei es, Gebühren für die freien Parkplätze rund um die Parkhäuser zu verlangen. CDU-Fraktionschef Joachim Bergmann erinnerte an die Diskussion Anfang des Jahres 2010 vor dem Baubeginn. Das Parkhaus sollte verhindern, dass Touristen in die Innenstadt fahren. Das gelinge sonntags auch. Auch Bergmann kritisierte die Gebührengestaltung: „Wasch mich, aber mach mich nicht nass.“

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