Einblicke in die hessische Seele

Schauspieler Walter Renneisen begeistert im Riesensaal

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Tiefe Einblicke in die hessische Seele lieferte Walter Renneisen bei seinem Gastspiel im Riesen.  

Seligenstadt - „Deutschland, Deine Hessen“, lautet das Programm, mit dem der Schauspieler Walter Renneisen derzeit auf Torunee ist und auf Einladung des Kulturforums nun im ausverkauften Riesensaal Station machte.

„Erbarme – die Hesse komme...“ könnte der Ruf gelautet haben, den römische Legionäre - mit der Verteidigung des Limes beauftragt - ausstießen, wenn ein Angriff der tapferen Chatten (den Vorläufern der Hessen) mal wieder bevorstand. So gehört von Walter Renneisen, dem Schauspieler und eingefleischten Hessen, in seinem Programm „Deutschland, Deine Hessen“, mit dem er auf Einladung des Kunstforums Seligenstadt im vollbesetzten Saal des Riesen dem begeisterten Publikum einen tiefen Einblick in die Seele des Hessen, die sich in Sprache und Ausdrucksweise offenbart, lieferte. Renneisen steht als Solo-Künstler auf der Bühne, bedient sich diverser Musikinstrumente, spielt Tuba und Trompete, Schlagzeug und Ukulele, Kontrabass und Stierhorn. Er präsentiert eine Fülle von Anekdoten, absurden Situationen, eine Liste von hessischen Schimpfwörtern, dummen Sprüchen oder Wahrheiten, die man anders nicht sagen kann. Für ihn ist dieser Dialekt reine Poesie und hochmusikalisch, schlagfertig, meist kurz und knapp, reduziert auf das Wesentliche.

Aber der Hesse kann auch umständlich sein, will er etwas in Erfahrung bringen. Beispiele gelungener Kommunikation hatte Renneisen im Dutzend, insbesondere Dialoge zwischen dem Hessischen und dem Hochdeutschen sorgten für ausgelassene Heiterkeit im Saal. Beherrscht wird die Mundart vom typischen Zischlaut „sch“, dessen Verwendung seinem Sprecher einen minimalen Einsatz von Gesichtsmuskeln erlaubt. Die eigentliche Botschaft liegt in Betonung, Sprachmelodie oder Mimik. Die Sprache des Hessen ist trocken, oft ironisch bis sarkastisch, ohne große Gefühlsregung, doch niemals verletzend. In seinem Wesen ist der Hesse traditionsbewusst, praktisch, sparsam und bescheiden.

Kichern für die Kickers

Auch gibt es regionale Unterschiede. Zum Beispiel die Wetterau, in der das „rollende Ärrr“ dominiert, oder als Gegenstück das Darmstädterische, in dem dieser Buchstabe praktisch überhaupt nicht gesprochen wird. Gerade dieses „rollende Ärr“ der „Runkelräuweroppmaschin“ verbindet die hessische Mundart mit der amerikanischen Sprache - Renneisen nennt es die nordatlantische Konsonantenverschiebung - und erklärt, warum sich Elvis Presley in Bad Nauheim so wohl fühlte. Klang ihm doch der dort gesprochene Dialekt sehr vertraut.

Walter Renneisen, der in den frühen 1960er Jahren als Schlagzeuger in der Region unterwegs war, demonstrierte, wie gut sich Rock‘n’Roll auf Hessisch singen lässt. Zum Abschluss spielte er auf der Trompete „What a Wonderful World“ und sang dazu den hessischen Text vom „Wämmsche uffem Tämmsche“! Das Seligenstädter Publikum bewies einmal mehr seine Mitmach-Qualitäten und entließ den Künstler erst nach drei Zugaben.

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