Auf Scheiterhaufen geworfen

Alwin Meyers Vortrag über die Kindermorde von Auschwitz

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Konfrontation mit den NS-Untaten (v.l): Gisela Meutzner, Buchautor Alwin Meyer, Pfarrer Martin Franke und Pfarrerin Leonie Krauß-Buck.

Seligenstadt -  Die Erinnerung an die Gräueltaten der deutschen Nationalsozialisten wach zu halten - das sind wir den Opfern und deren Angehörigen schuldig. Der Buchautor Alwin Meyer leistet einen wichtigen Beitrag dazu. Von Armin Wronski 

Zahlreiche Schüler der Merianschule sehen sich dieser Tage mit einem Ausmaß an Unmenschlichkeit konfrontiert, das kein Leugnen, Verharmlosen oder Relativieren duldet. Die Nazis verschleppten im sogenannten Dritten Reich mehr als 230.000 Säuglinge, Kinder und Jugendliche und brachten sie in das Konzentrationslager Auschwitz. Als die „Rote Armee“ das Lager am 27. Januar 1945 befreite, waren nur noch 417 Kinder unter 13 und 234 Jungen und Mädchen im Alter von 14 bis 17 Jahren am Leben. Viele kannten weder ihren Namen, noch Alter oder Herkunft.

Über ihr Schicksale berichtet Alwin Meyer in seinem Buch „Vergiss Deinen Namen nicht - Die Kinder von Auschwitz“. Meyer (Jahrgang 1950) hat weltweit 80 Überlebende gefunden und interviewt. Auf Einladung von Pfarrerin Leonie Krauß-Buck, Gisela Meutzner, bekannt durch die Stadtführungen „Auf jüdischen Spuren“, so wie der Lagergemeinschaft Auschwitz mit dem Freundeskreis der Auschwitzer, schilderte der Buchautor dieser Tage im „Café K“ der evangelischen Kirchengemeinde seine persönlichen Eindrücke mit den Überlebenden der NS-Schreckensherrschaft. „Mit 21 Jahren besuchte ich mit einer Jugendgruppe die Gedenkstätte des einstigen Konzentrationslagers Auschwitz. Dort hört ich von einem ehemaligen KZ-Häftling erstmals vom unvorstellbaren Leiden und Sterben der Mädchen und Jungen“. Dieses Erlebnis habe sich tief in sein Bewusstsein eingeprägt und ihn nie wieder verlassen.

Die Welt gedenkt der Opfer des Nationalsozialismus

Alwin Meyers Buch hat einen Umfang von 760 Seiten und schildert die Gräueltaten im Lager. Kinder bis sechs Jahren wurden lebend auf Scheiterhaufen geworfen, Abtreibungen gab es bis in den neunten Schwangerschaftsmonat. „Anderen Kindern wurde ein Chemie-Cocktail in die Augen gespritzt, um deren Farbe zu verändern“.

Bereits am Vormittag hatten in der Merianschule rund 100 Schüler der Klassen 9 und 10 Auszüge des im Jahr 2015 erschienen Buches gehört, das als Standardwerk der Kinderdeportation im Nazi-Deutschland gilt. Alwin Meyer hat allein in diesem Jahr schon bei rund 40 Lesungen und Vortragsveranstaltungen in Deutschland gesprochen. Darüber hinaus hat er Bücher zum Thema Rechtsradikalismus veröffentlicht. -   Alwin Meyer, Die Kinder von Auschwitz - Vergiss Deinen Namen nicht (38,80 Euro), Steidl-Verlag, Göttingen.

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