Schlaumäuse entdecken Sprache

Seligenstadt (sig) ‐ Mäuse verkleiden, Raum schmücken, auf Schatzsuche gehen - im Partyzelt der Schlaumäuse wird viel geboten, und die 18 Vorschulkinder der Seligenstädter Kita St. Josefshaus sind ganz wild darauf, dorthin zu kommen.

Doch bevor die große Feier steigen kann, müssen sie acht Aufgaben lösen, für das richtige Ergebnis gibt es ein Stück Käse, der das Tor zum Festzelt öffnet, wenn er sich zu einem vollständigen Laib formt.

„Schlaumäuse - Kinder entdecken Sprache“ heißt eine bundesweite Initiative, bei der mehr als 100.000 Mädchen und Jungen aus 3500 Kitas mit Hilfe des Computers lernen ihren Wortschatz weiter zu entwickeln. Die Einrichtung am St. Josefshaus ist die erste in der Einhardstadt, die mit dabei ist, sagt Leiterin Katja Kirchner. Der Computerplatz ist eingerichtet, das Lernspiel „Lollipop und die Schlaumäuse“ installiert, und ab und an versuchen sich die Kinder bereits daran.

Offiziell startet das Projekt erst in den kommenden Tagen.

Spiel bietet zwei Jahre lang Abwechslung

Um den Entwicklungsstand eines jeden Kindes zu ermittelt, findet zunächst ein „Screening“ statt. Die Kinder müssen eine Reihe von Aufgaben lösen, so etwa Begriffe zuordnen. Das Ergebnis wird in Form eines Protokolls festgehalten und bewertet, dazu bekommen die Erzieherinnen Ratschläge, wenn etwa größere Mängel deutlich werden.

Am Spiel selbst sind immer zwei Kinder gemeinsam beteiligt. „Sie bestimmen selbst, welche Aufgaben sie lösen wollen, da reden wir ihnen nicht 'rein“, sagt Erzieherin Corinna Pabst. So können die Mädchen und Jungen unter anderem auswählen, ob sie ein Zimmer einrichten, ein Theater oder eine Zauberbühne besuchen möchten. Das Spiel bietet so viele Möglichkeiten, dass es zwei Jahre lang Abwechslung bietet. Dazu gehören auch erste Schreibübungen.

Wichtig, Kinder im Umgang mit PC zu sensibilisieren

Info-Ecke

Die Bildungsinitiative „Schlaumäuse - Kinder entdecken Sprache“ hat der Computerriese Microsoft 2003 gestartet. Die ersten 200 Schlaumäuse-Kindergärten mit knapp 4000 Kindern sind bei ihren Aktivitäten wissenschaftlich begleitet worden. Die Studie weist nach, dass sehr viele Kinder schon nach einem halben Jahr beeindruckende Lernerfolge erreicht haben. Die Kinder machen nur das, wofür sie sich interessieren und was sie sich zutrauen. Das allerdings kann manche Erwachsene durchaus verblüffen. Kinder wagen sich oft an Themen, die ihnen nicht zugetraut werden. Dabei sind sie nicht selten zu überraschenden Anstrengungen bereit und verfolgen ihr Ziel sehr ausdauernd. Meistens lassen sie sich nicht einmal bei Misslingen entmutigen, sondern setzen allen Ehrgeiz daran, ihr Ziel zu erreichen. Weitere Infos auf der Internetseite.

Die Zeit vor dem Bildschirm ist allerdings auf zehn Minuten am Tag begrenzt. „Der Computer ist nicht dazu da, dass man den ganzen Tag davor sitzt“, sagt Katja Kirchner. Tabu solle er keineswegs sein, schließlich gebe es kaum noch Bereiche, in denen er nicht eingesetzt wird. Doch sei es auch wichtig, die Kinder im Umgang mit den Geräten zu sensibilisieren. Zudem habe sich gezeigt, dass viele bereits zu Hause erste Erfahrungen gesammelt haben.
Das „Screening“ wird nach einiger Zeit wiederholt, um zu sehen, wie sich die Kinder entwickelt haben. Diese Dokumentation könne man dann auch Eltern vorlegen, sagt Katja Kirchner.
Die sind laut Corinna Pabst überwiegend begeistert vom Lernprogramm. Lediglich in einem Fall sei eine Mutter weniger angetan davon, dass ihr Kind am Computer sitzt. Doch, so sind sich die beiden Erzieherinnen einig, ist es sinnvoller, die Kleinen langsam an das elektronische Medium heranzuführen als den Umgang damit strikt zu verbieten.

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