„Geld zur Priorisierung fehlt“

Schmuckloses Obertor-Areal seit Jahren in der Diskussion

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(Park-)Platz am Seligenstädter Obertor: Ideen, aber kein Geld für die Umsetzung.  

Seligenstadt - Die Reaktion war prompt, elegant, diplomatisch, traf zudem den Kern des Problems: Die seit Jahren geplante Aufwertung des Platzes am Seligenstädter Obertor vor der evangelischen Kirche lässt noch immer auf sich warten, weil „das Geld zur Priorisierung“ fehlt. Von Michael Hofmann

Das antwortete Bürgermeister Dr. Daniell Bastian dieser Tage auf eine entsprechende Frage. Das schmucklose Obertor-Areal ist seit vielen Jahren in der Diskussion. Ständig zugeparkt, wenig ansprechend bis gar nicht gestaltet - so stellt man sich auch im Rathaus den Eingang zur Altstadt nicht vor. Allein, geschehen ist all die Jahre - trotz einiger Ideen - so gut wie nichts. Zuletzt war das Obertor Thema, als die Mitglieder des Bauausschusses Ende Februar kontrovers über den „Städtebaulichen Rahmenplan zur Innenstadtentwicklung“ diskutierten, den Karin und Ulf Begher vom Büro Planungsgruppe Darmstadt erarbeitet haben. Daran orientierte sich auch Bürgermeister Bastian, als er dieser Tage auf die noch ungelöste Parkproblematik und die Einbeziehung der Obertorfläche in die angrenzende Aschaffenburger Straße abhob. Denn nach wie vor kann keiner so recht erklären, warum ein Besucher der Stadt das Parkhaus am Friedhof nutzen soll, wenn doch rundherum mehrere Dutzend kostenlose Stellflächen, auch am Obertor, zur Verfügung stehen. Da kann auch der Parkhaus-Spottpreis von einem Euro am Tag selbstverständlich nicht locken.

Immerhin ergab die Stoffsammlung im Zuge der Zusammenstellung des Rahmenplans eine Reihe von Vorschlägen für das Obertor-Gebiet. So ist vom „Wunsch nach Umgestaltung mit mehr Grün/Bäumen“ ebenso die Rede wie von Anwohnerparken, der Änderung der Situation am Bushalt für Touristenbusse, der Gestaltung des Platzes vor der Kirche, von Aufenthaltsqualität oder Verkleinerung der Verkehrsflächen.

Rückblick: Bereits im August 2004 hatte die Heimatblatt-Kultfigur „Turmmännchen“ moniert, „dass die Obrigkeit sich bisher dem Wunsch, den kleinen Parkplatz an der evangelischen Kirche zu taufen und ein schönes Schild mit dem historischen Namen ,Vor dem Oberthore’ anzubringen, verschlossen hat.“ Darauf reagierte damals Bürgermeisterin Dagmar B. Nonn-Adams und sagte, der Magistrat habe nichts dagegen, einen entsprechend gestalteten Platz mit einem Namen, der an das Obertor erinnert, zu versehen. Nur müsse der Platz dann auch als solcher erkennbar sein. „Hierzu soll möglichst mit den interessierten Anwohnern ein Konzept entworfen werden, mit dem der Platz ansprechend gestaltet werden kann.“

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Sie halte sehr viel von Bürgerengagement und Bürgersinn, begrüße die Initiative, mit der die historische Bedeutung herausgestellt werden soll und werde auch die Namensgebung unterstützen, wenn die Voraussetzungen dazu geschaffen sind. Im Januar 2009 wurden schließlich die Weichen für die Umgestaltung gestellt: Ein Planungsbüro nahm die Arbeit auf. Gemeinsam mit evangelischer Kirchengemeinde und Anwohnerschaft wurden erste Pläne zur Neugestaltung geschmiedet. Unter anderem sollten die Bereiche vor dem Gotteshaus sowie der Einmündung der Zellhäuser, der Peter- und der Aschaffenburger Straße optisch miteinander harmonieren. Klar war allerdings schon damals, dass dieses Vorhaben keinen Spitzenplatz auf der Prioritätenliste einnehmen würde...

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