Schneider Electric: Niederlassung wandert ab

Seligenstadt - Die Betriebsverlagerung von wichtigen Abteilungen der Seligenstädter Niederlassung des Schneider-Electric-Konzerns wird in Kürze vollzogen sein: Von November an müssen etwa 100 Mitarbeiter, die bislang an der Steinheimer Straße tätig waren, im unterfränkischen Marktheidenfeld arbeiten. Von Sabine Müller

Ein Sozialplan soll die für die Arbeitnehmer entstehenden Belastungen abfedern. Die Schneider Electric Automation GmbH mit ihren Hauptstandorten Marktheidenfeld und Seligenstadt ist Teil des weltweit operierenden Schneider Electric Konzerns. Als zur Jahresmitte 2009 Gerüchte über eine Standortverlegung laut wurden, schlugen die Wogen hoch. „Die Firmenleitung hegte den sehr ambitionierten Plan, Teile des Seligenstädter Niederlassung bis Mitte 2011 an den neuen Standort in Marktheidenfeld umzuziehen“, erinnert sich Betriebsratsvorsitzender Mark Juhrig, der damals im Verlauf von Protestaktionen auch eine Fahrt zur Schneider-Konzernzentrale in Paris organisierte. „Dort haben wir aber nur erfahren, dass dies strategisch nicht anders machbar sei.“ Die damals offenkundig gewordenen Pläne werden nun realisiert: Mit einem Investitionsvolumen von 36 Millionen Euro errichtet das Unternehmen im Marktheidenfelder Industriegebiet Altfeld, direkt an der Autobahn A3, ein neues Firmengebäude. Auf einer Gesamtnutzfläche von circa 24.000 Quadratmetern soll die Belegschaft des einstigen Verpackungsmaschinen-Automatisierungsspezialisten Elau Marktheidenfeld, der mittlerweile mit dem Schneider Electric-Konzern verschmolzen ist, und der Schneider Electric Automation GmbH Seligenstadt mit in Paris angesiedelten Unternehmensbereichen zusammengeführt werden.

Nachdem publik war, dass von den insgesamt 250 Arbeitsplätzen in Seligenstadt 170 aus dem Bereich Projektentwicklung verlagert werden sollen, ging die Belegschaft auf die Barrikaden. Etwa 50 Mitarbeiter sind nach Auskunft von Mark Juhrig mittlerweile aus dem Unternehmen ausgeschieden. Sie wählten die Altersteilzeit oder suchten sich eine neue Stelle, darunter einige junge Hochschulabsolventen.

„Wir haben bis Anfang 2012 versucht, zu verhandeln“

In 2011 sei eine Betriebsvereinbarung vorgelegt worden. „Wir haben bis Anfang 2012 versucht, zu verhandeln“, sagt der Betriebsratsvorsitzende. Nachdem eine Einigungsstelle eingerichtet worden war, wurde durch die Schlichtung ein Sozialplan auf den Weg gebracht, von dem 120 Mitarbeiter erfasst sind. Er beinhaltet eine Abfindung für Teilzeitbeschäftigte und für Mitarbeiter, deren tägliche Fahrzeit nach Marktheidenfeld mehr als 2,5 Stunden betragen würde, eine Einmalzahlung in Höhe von 10.000 Euro sowie für den Zeitraum von zunächst fünf Jahren einen Fahrtkostenzuschuss von 45 Cent pro Kilometer Mehrfahrt. „Knapp 100 Kollegen werden ab November in Marktheidenfeld arbeiten“, erläutert Juhrig. „Die meisten fahren circa zwei Stunden pro Tag ins 50 Kilometer entfernte Altfeld.“ Die wenigsten würden dort eine Zweitwohnung nehmen oder gar umziehen. Ursprünglich habe der Konzern auch E-Commuting in Aussicht gestellt, also Arbeit von zu Hause aus, heute werde jedoch versucht, dies zu verhindern. „Der Personalchef hat Nokia abgewickelt, das sagt alles“, meint Juhrig

Mit bis zu 120 Personen, die in Kürze in Marktheidenfeld arbeiten werden, rechnet Jochen Weiland vom Bereich Kommunikation bei Schneider-Automation. Er erwähnt auch einen Shuttle-Bus, der zwischen Seligenstadt und Altfeld eingesetzt werde.

Die finanziellen Folgen der Verlagerung

Die finanziellen Folgen der Verlagerung seien durch den Sozialplan zwar deutlich abgemildert, bilanziert Mark Juhrig, aber die sozialen Aspekte könne man nicht außer Acht lassen. „Es ist die Frage, wie viele die lange Fahrt auf Dauer in Kauf nehmen.“ Ähnlich äußert sich Peter Wich von der IG Metall Offenbach, die die Schneider-Beschäftigten in den vergangenen drei Jahren unterstützt hat. „Es ist nicht sehr beschäftigungsfreundlich und keine Handlungsweise für eine Weltfirma, dass Schneider nicht bereit war, den Standort Seligenstadt zu halten“, urteilt der Gewerkschaftssekretär, „zumal die Art der Tätigkeit –Arbeit am Computer – eine Auslagerung nicht notwendig gemacht hat.“ Die im Sozialplan festgelegten Abfindungen kämen für nur sehr wenige Mitarbeiter in Frage. Wer jetzt aber mitgehe, für den sei durch die Betriebsvereinbarungen „etwas gelungen, das uns zufrieden stellt“.

In Seligenstadt verbleiben die etwa 80 Mitarbeiter der Schneider Electric GmbH mit Hauptverwaltungssitz in Ratingen. Betriebsratsvorsitzender Juhrig befürchtet, dass auch für diese Abteilungen über kurz oder lang „Synergieeffekte in Richtung Frankfurter Raum herbeigeführt werden“, wenn die Projektentwicklung ausgezogen ist.

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