Abt Franziscus II.

Kontakt zu Großen der Welt

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Abt Franziscus II. assistierte bei der Kaiserkrönung.

Seligenstadt - Seine Geburtsstadt Miltenberg benannte einen Straßenzug nach ihm, die Stadt Seligenstadt, in der er viele Jahre als Abt Franziscus II. im Benediktinerkloster Akzente setzte und mit den Großen der damaligen Welt Kontakt pflegte, scheint ihn vergessen zu haben: Nikolaus Blöchinger. Von Michael Hofmann

Blöchinger wird am 29. Juni 1659 in Miltenberg geboren. Nach seiner Schulausbildung tritt er am 11. Juli 1677 als Novize in das Kloster Seligenstadt ein. Im Jahr 1678 erfolgt die Aufnahme in den Konvent und die Namensgebung Franziscus. Nach seinen Studien wird er am Namenstag des Heiligen Franziskus im Oktober 1683 zum Priester geweiht. Nach drei weiteren Jahren an der Mainzer Universität erhält er die „Insignien des Doctorats“. Zurückgerufen ins Kloster, wird er Professor der Philosophie und Theologie. Seine Erfahrung in der Wissenschaft gibt er seinen Konfratres lehrend weiter. Papst Innozenz XI. erfährt bald von dem Seligenstädter Benediktiner und seinem Wirken. Der Papst sendet ihm kurz vor seinem Tod 1689 ein Diplom, das ihn als „Pronotarius des Apostolischen Stuhls und Minister in Ehren“ auswies. Blöchinger wird zum Prior des Klosters Seligenstadt berufen und nach dem Tod seines Vorgängers Franziscus I. (Hoffmann) am 16. Januar 1696 zum Abt gewählt. Seine Frömmigkeit, Redlichkeit und Bescheidenheit hebt der Chronist Johann Weinckens in der „Navarchia Seligenstadiana“ (1713/1714) besonders hervor. Sie seien „die Hauptpunkte aller Tugenden und Anker seines Lebens. Die Gottesfurcht ist ihm heilig und die Meßfeier liegt ihm am Herzen“.

Abt Franziscus II. wird nach weiteren Studien erneut ausgezeichnet. Der Erzbischof von Mainz ernennt ihn zum „Consiliarius“ und der Kaiser Leopold zum „Comes Palatinus“ (Pfalzgraf). Dabei werden als Charaktereigenschaften Rechtschaffenheit, Weisheit und Hüter der Wissenschaften genannt.

Schulden aus der Vergangenheit

Am 17. November 1711 kommt der neugewählte deutsche Kaiser Karl VI. auf seiner Krönungsreise nach Seligenstadt und nimmt im Kloster Quartier. Abt Franziscus II. assistiert bei der Krönung im Dom zu Frankfurt am Main.

Als Verdienste für die Ökonomie des Klosters nennt Weinckens: Franziscus habe der Verluste der Privilegien der Abtei durch die Kriegsereignisse sehr geschmerzt, und es sei für ihn die wichtigste Aufgabe, die verlorenen Rechte wieder herzustellen. „Er fordert die Häuser und Ländereien, welche dem Kloster genommen wurden, wieder zu erstatten. Er erzwingt dies nicht, sondern kauft alles zurück. Die restlichen Schulden aus der schweren Vergangenheit werden getilgt.“ Aus der Chronik erfahren wir, wie er die Kornspeicher und Vorratskammern füllt, ebenso die Fässer mit Wein und die Viehherden vermehrt. Das Haus in Klein-Krotzenburg, welches im Besitz des Grafen von Eppstein war, kommt wieder in Klosterbesitz. Aber Franciscus sorgt sich auch um die Bedürftigen und von Hunger Gequälten.

Die Aufbauarbeit des Abtes für das Kloster wird im Nekrelog-Schrein dokumentiert: „Er erbaut die Prälatur von 1699. Dieses barocke Gebäude dient Abt und hohen Besuchern als Unterkunft. Dort befindet sich auch eine umfangreiche Bibliothek und geschmackvolle Räume für Empfänge: „Ein außerordentlicher Schmuck der Vaterstadt und eine Schönheit des Klosters, ein seltenes Werk und in seiner Art würdig des Liedes eines Sängers“. 1705/1706 wird in der Prälatur der „Kaisersaal“ ausgeschmückt. Zwischen 1705 und 1708 lässt Franziscus die 1647 niedergebrannte Wasserburg in barockem Geschmack neu aufbauen. Ein Kupferstich von Johann Stridbeck, Würzburg, aus dem Jahr 1707 schildert die Umgebung der Sommerresidenz der Seligenstädter Äbte.

Und: Damit pünktlich Tag und Nacht die göttlichen Lobgesänge gefeiert werden, beschafft Franzscus eine „Stundenmaschine“, die durch Klingeln auch alle Viertelstunden anzeigt. Am 17. September 1715 stirbt der Abt Franziscus II. nach 20 Abtsjahren im Alter von 57 Jahren.

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