Sozialverträglichste Maßnahme, Arbeitskreis übt Kritik

23 Afghanen ziehen in Rodgauer Unterkunft um

Seligenstadt - Der Kreis Offenbach lässt am heutigen Donnerstag wie angekündigt 23 Flüchtlinge von der Einhardstadt in die Unterkunft nach Weiskirchen verlegen. Von Oliver Signus 

Der Arbeitskreis „Willkommen in Seligenstadt“ wirft den Behörden mangelndes Fingerspitzengefühl bei der Auswahl der Personen vor und kritisiert, dass der Kreis nicht zu weiteren Gesprächen bereit war. Burkard Müller vom Arbeitskreis und einige seiner Mitstreiter hatten sich dafür eingesetzt, dass 14 der 23 Personen in Seligenstadt bleiben können, „weil sie in unserer Stadt bereits gut verortet sind. Grundsätzlich sei die Verlegung in den Rodgauer Stadtteil „okay“, weil die Bedingungen dort besser seien als in den hiesigen Containern hinter dem Roten Haus. Dennoch: „Ein Tausch wäre aus unserer Sicht sehr wohl möglich gewesen“, meint Müller. Man hätte stattdessen andere Flüchtlinge auswählen können, auch auf freiwilliger Basis. Auch ließen sich nicht alle Flüchtlinge gleichermaßen auf einen Integrationsprozess ein. Daher habe der AK noch einmal das Gespräch mit dem Kreis gesucht, allerdings ohne Erfolg.

„Das Insistieren darauf, auch die gut Verorteten aus Seligenstadt zu verlegen, statt gemeinsam andere Lösungen zu finden, zeigt auf erschreckende Weise die Unzulänglichkeiten in der Gestaltung eines gemeinsamen Integrationsprozesses auf kommunaler Ebene“, kritisiert Müller das Vorgehen des Kreises. Als Beispiele nennt er die Kommunikation und die Zuständigkeit, „zwei Worte, die die ehrenamtlichen Helfer mittlerweile nicht mehr hören können“. Entweder sei die Behörde nicht zuständig oder sie werde nicht informiert. Zu hören seien dann Aussagen wie „Ja, wir sind zuständig, aber nicht informiert” oder „Wir sind informiert, aber nicht zuständig.” Gespräche endeten oft mit dem Satz: „Wir verstehen ja ihr Anliegen, aber leider sind wir nicht zuständig oder nicht informiert.”

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Die 14 betroffenen Flüchtlinge, die trotz mittlerweile guter örtlicher Vernetzung nun umziehen müssen, hätten gelernt, „dass man bei einer Behörde einen Antrag stellen kann, Gehör findet man aber nicht“. Gemachte Integrationsbemühungen würden ignoriert. Ehrenamtliche Helfer müssten wiederum zur Kenntnis nehmen, dass zwischen der oft ausgesprochenen Dankbarkeit für ihre Tätigkeit und der Wertschätzung und der Realität Welten stünden, da die von ihnen erbrachte Leistung zur Integration ignoriert werde. Daher müssten organisatorische wie inhaltliche Ziele neu definiert werden, damit die geleistete Arbeit nicht ohne Ergebnis bleibe. „Wir wissen, dass es ein außerordentlich schwerer Prozess ist, unterschiedliche Kulturen in unserem Land zu integrieren. Jetzt kommt noch die Erkenntnis dazu, dass es ungleich schwerer ist, die unterschiedlichen Zuständigkeiten, Kompetenzen und die unterschiedlichen Ebenen bei Behörden so zu bündeln, dass eine Gesamtbetrachtung des Problems möglich wird“, fährt Müller fort.

Der Kreis verteidigt die Entscheidung hingegen als sozialverträglichste Maßnahme. Die 23 Männer, die alle aus Afghanistan stammen, fänden im neuen Domizil bessere Wohnbedingungen vor, unter anderem könnten sie dort auch Internetverbindungen nutzen, um Kontakt zu Angehörigen in der Heimat aufzunehmen. Zudem werden sie, so ein Kreissprecher weiter, vier Wochen lang von Sozialarbeitern aus beiden Kommunen parallel betreut. Auch gebe es in Rodgau Ehrenamtliche, die sich um Flüchtlinge kümmern, und wer nach Seligenstadt wolle, könne in wenigen Minuten mit dem Bus dort sein.

Rubriklistenbild: © dpa

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