Asklepios-Klinik

Wahre Helden halten zusammen

+
Vor der Corona-Station: Chefärzte Dr. Nikos Stergiou und Dr. Heimo Weih, Bürgermeister Dr. Daniell Bastian.

Die Asklepios-Klinik Seligenstadt bleibt handlungsfähig. Die Zahl der Corona-Patienten sei aber „relevant“, so die Klinik-Leitung.

Seligenstadt – Vom Eingang der Asklepios-Klinik sind es noch zwei Meter bis zum Desinfektionsmittel. Und vier bis zum netten Wachmann, der alle Besucher abweist, potenziellen Patienten eine Erstuntersuchung besorgt. Seit zwei Wochen befindet sich das Seligenstädter Krankenhaus im Corona-Krisenmodus. Gestern durfte sich Bürgermeister Dr. Daniell Bastian ein Bild davon machen, wozu diese Zeit genutzt wurde.

„Zunächst haben wir ein Organigramm entwickelt“, berichtet Chirurgie-Chefarzt Dr. Heimo Weih, der zum Monatsbeginn Chefinternist Dr. Nikos Stergiou als Ärztlichen Direktor abgelöst hat – was in der Hektik fast unbemerkt geblieben ist. Weih und Geschäftsführer Moritz May leiten die Stabsstelle, der fünf Kompetenzteams zuarbeiten: Intensiv, Covid, Hygiene, Materialbeschaffung, Personalplanung. Ihre Köpfe treffen sich täglich, um die Lage aktuell zu bewerten.

„Die erste Überlegung war: Was können wir sinnvollerweise schließen, um Räume und Leute zu gewinnen?“, führt Weih aus. Das war zum einen die Geriatrische Tagesklinik; zum anderen wurden die beiden chirurgischen Abteilungen zusammengelegt und nicht notwendige Operationen verschoben. Auf diese Weise wurden zwei der vier OP-Säle frei – und hoch qualifiziertes Personal. „Wir operieren aber nach wie vor“, stellt der Chefarzt klar, „zum Beispiel Tumore oder Blinddarmentzündungen.“

Derzeit stehen zehn Betten mit Beatmungsgeräten zur Verfügung. Reichen diese nicht mehr, kommen weitere fünf aus dem Aufwachraum dazu. Der beginnende Materialmangel bedingt striktes Haushalten. „Momentan gibt es keinen Engpass bei Mundschutz, Schutzhandschuhen und -kleidung oder Desinfektionsmitteln“, betont Weih, spricht jedoch von „Kollateralverknappungen“ auch bei anderen Dingen. „Wenn die Situation noch Monate dauert, wird das Konsequenzen haben“, rechnet er hoch.

Für Corona-Verdachtsfälle und bestätigt Infizierte ist die Geriatrie ins Obergeschoss des Neubaus umgezogen, wo vorher die Privatstation war. Die zwei Stationen à 25 Betten im Erdgeschoss, vom Rest der Klinik komplett abgeschottet, sind ausschließlich Corona-Fällen vorbehalten. Wer dort arbeitet, arbeitet nur dort, betritt und verlässt das Gebäude durch einen separaten Eingang und ist darin geschult, wie er sich vor- und nachher umkleidet, um sich nicht zu kontaminieren.

Von knapp 60 Medizinern sind dafür zwölf bis 15 im Schichtdienst abgestellt, dazu 60 Pflegekräfte. Fällt einer aus, rückt jemand nach – parallel läuft der Normalbetrieb weiter. Sehr wichtig ist Weih: „Die Dienstzeitregelung wird eingehalten, nach 24 Stunden geht der Arzt nach Hause“; schließlich müsse er fit bleiben. Mit externen Kräften wurde zur Entlastung der Belegschaft eine Betreuung auf die Beine gestellt, die zehn bis zwölf Mitarbeiterkinder in Anspruch nehmen.

Mittlerweile sind beide Corona-Stationen in Betrieb – die eine für Verdachtsfälle, deren Laborergebnisse noch nicht vorliegen, die andere für Erkrankte. Zahlen nennt die Klinikleitung nicht, auch um keine Panik zu schüren, nur soviel: „Es ist eine relevante Zahl.“ Alle Betroffenen seien stabil, versichert Weih. Tote habe es im Haus bislang nicht gegeben, indes sei auch noch niemand gesund entlassen worden. Aufgenommen wird ohnehin nur, wer intensive Versorgung benötigt, die meisten Patienten bleiben in ihrer gewohnten Umgebung.

„Es war eine Herkulesarbeit, das zu planen“, erinnert sich Weih. Alle hätten jedoch super mitgezogen, auch der Betriebsrat. „Wir haben hier Menschen aus 25 Nationen, unterschiedlichen Kulturen und Religionen. Keiner hat gesagt: Ich mache das nicht“, ist der Boss voll des Lobes für die Solidarität seiner Mannschaft. Sein Vorgänger und Kollege Stergiou nutzt die Gelegenheit, für die Ausbildung in einem Gesundheitsberuf zu werben: „Das sind heute die wahren Helden!“

Auch Helden müssen essen und trinken. So war die Freude groß, als Familie Glaab mit mehreren Kisten alkoholfreien Biers anrückte, um durstige Kehlen zu laben. Und an hungrige Mägen ist ebenfalls gedacht. Die Motorradclubs der Region haben angeboten, den Pflegern Pizza zu liefern. Direkt aus dem Holzofen, auf ihren heißen Öfen.

VON MARKUS TERHARN

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare