Welt- und provinzhaltig zugleich

Axel-Johannes Korb bringt Roman „Der Makel der Freiheit“ neu heraus

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Autor Axel-Johannes Korb in der kulturell inspirierenden Atmosphäre seines Wohnzimmers; auf dem Flügel die vergriffene Erstausgabe seines Buchs 

Lange war das Buch vergriffen, jetzt ist es wieder zu haben: Dr. Axel-Johannes Korb hat „Der Makel der Freiheit“, seinen „Roman einer Revolution“, neu aufgelegt. 

Seligenstadt - „Das erste Tausend war vergriffen, und mit dem Weggang des zuständigen Mitarbeiters hat der Aschaffenburger Verlag RegioKom sein Bücherprogramm eingestellt“, so der Seligenstädter. Vorrätig ist die Neuausgabe beim Buchladen in Seligenstadt, bei der Bücherstube Klingler in Hainburg sowie beim Büchertreff in Obertshausen.

„Literarisch bin ich sehr interessiert“, erzählt Korb. „Im Studium habe ich mich quer durch die Weltliteratur gelesen. So entstand eine gewisse Versuchung zu schreiben.“ Doch es blieben Zweifel: Bringe ich die Ausdauer auf? Habe ich ein Konzept? Und was ist überhaupt mein Thema?

„Drei Dinge habe ich mir überlegt“, erinnert sich Korb: „Was, wie und wofür will ich schreiben?“ Ins Blaue hinein zu werkeln, das funktioniere nicht. So kreierte er zunächst einen Kontrast zwischen der weiten Welt in Gestalt von Wien, Berlin, Prag, Rom – und einem Ort, der auffällige Ähnlichkeit mit der Einhardstadt, nur keinen Namen hat.

Der Gegensatz von Internationalität und Provinzialität birgt Konfliktpotenzial, ebenso jenes Großereignis, das die Kleinstadt umwälzt, die Französische Revolution. „Ein Umsturz fördert zutage, was war und was kommt“, erläutert Korb, nennt die Stichwörter Absolutismus und Idealismus. „Die Kultur geht über in die Zivilisation“, formuliert er mit dem modernen Philosophen Oswald Spengler, dessen Gedanken ebenso hineinspielen wie Richard Wagners romantischer Überschwang aus der „Parsifal“-Oper.

Davon können die Figuren des Romans, der 1793 einsetzt, freilich nichts wissen. Wohl kennen sie einen zeitgenössischen Geistesgiganten: Johann Wolfgang von Goethe. Wie dieser hat der musisch beschlagene Protagonist Kilian Kramer, den die Leser sich ein wenig wie den Autor vorstellen dürfen, in Leipzig studiert, von wo er in seine Heimat zurückgekehrt ist, den Kopf voll aufklärerischer Ideen. Ferner sind da sein Vater Bonifaz Kramer, der als Schultheiß den Sohn gern in Diensten des Kurfürsten sähe, seine schöne Mutter Antonia, sein dreijähriger Bruder Florian, den er zum ersten Mal sieht, und seine matronenhafte Schwester Katharina, dem Emporkömmling Rudolf Kuhn versprochen. Zu den örtlichen Honoratioren gehören Abt Marcellus, Koadjutor Dalberg und Vogt Hardy. In diese Enge platzen die geheimnisvolle, attraktive Elisabeth – und das französische Revolutionsheer unter Führung des schneidigen Oberst Montabon.

Stoff genug für 200 mit viel Genuss zu lesende Seiten, die Korbs literarischen Hausgott durchscheinen lassen: „Ich kann nicht leugnen, dass ich von Thomas Mann geprägt bin, vor allem von ,Der Erwählte’, dem Satyrspiel zum ,Doktor Faustus’.“ Da überrascht es wenig, dass auch der Frankfurter Großstilist Martin Mosebach zu seinen Lektürefavoriten zählt, wie der Österreicher Arno Geiger.

Geboren 1979 in Offenbach, ist Axel-Johannes Korb in Obertshausen aufgewachsen. Der promovierte Jurist arbeitet als Berater bei der Generaldirektion Recht der Europäischen Zentralbank in Frankfurt, im 21. Stock des Nordturms. Er ist verheiratet, hat eine dreijährige Tochter. Nach Seligenstadt verschlug ihn 1998 die Gelegenheitsvertretung an der Basilika-Orgel. 2008 zog das Ehepaar in die Altstadt, kaufte später ein Haus in Klein-Welzheim.

„Ich habe hier Wurzeln geschlagen“, kann Korb sagen. Er ist Mitglied im Lions-Club und der Ordensbruderschaft vom Steyffen Löffel, sitzt im Präsidium der Einhardstiftung als stellvertretender Vorsitzender und zeichnet im Vorstand des Kulturrings verantwortlich für die Künstleranfragen bei den Klosterkonzerten. Und als Liebhaber klassischer Musik, unterrichtet vom früheren Regionalkantor Thomas Gabriel und vom Offenbacher Pianisten Ronald Fries, intoniert er nach wie vor die Orgel in St. Marcellinus und Petrus.

Buchtipp

Axel-Johannes Korb: Der Makel der Freiheit. Roman einer Revolution, Verlag tredition, 200 Seiten, 12,50 Euro

VON MARKUS TERHARN

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