Ausgleichsmaßnahme für das Neubaugebiet

Seligenstadt: Biotopwertpunkte aus der Wetterau - Kritik von Grünen-Politikerin

Blick auf das Seligenstädter 20-Hektar-Baugebiet Westring
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Seligenstädter 20-Hektar-Baugebiet Westring: 40 Cent pro Biotopwertpunkt als Ausgleichsmaßnahme.

Seligenstadt will als Ausgleichsmaßnahme für das Neubaugebiet Biotopwertpunkte ankaufen. Dafür blickt die Stadt in die Wetterau. Doch das Vorhaben gefällt nicht allen.

Seligenstadt – Die offiziellen Kontakte der Stadt Seligenstadt zur Wetterau-Gemeinde Wöllstadt sind überschaubar, falls es überhaupt welche gibt. Den dortigen Acker- und Grünlandbesitzer Peter Best kennt mit Sicherheit gar niemand im Städtchen. Doch das ändert sich: Mit großer Mehrheit befürwortete die Stadtverordnetenversammlung kürzlich gegen das Votum der Grünen den Ankauf von Biotopwertpunkten als Ausgleichsmaßnahme für das Neubaugebiet „Südwestlich des Westrings“.

Auf Antrag des Magistrats erwirbt die Stadt zu diesem Zweck von jenem Peter Best aus Nieder-Wöllstadt rund 1,179 Millionen Biotopwertpunkte zu 40 Cent pro Punkt. Der Gesamtkaufpreis von 561 372,50 Euro brutto wird über das Treuhandkonto des Entwicklungsgebiets finanziert und belastet den städtischen Etat somit nicht.

In der Diskussion sagte die Grünen-Politikerin Adina Biemüller, die Stadt nutze die Ökopunkteregelung zum Zweck der weiteren Flächenversiegelung. Der Handel mit Punkten habe nichts mit sparsamem Umgang mit Landschaft zu tun.

Dagegen sprach Bürgermeister Daniell Bastian (FDP) von einem „außerordentlich guten Angebot“, einem „völlig normalen Vorgang“ sowie einem System, hinter dem vor allem die Partei Biemüllers ja seit jeher stehe. Immerhin sei für die Entwicklung des Wohngebiets eine Kompensation von Eingriffen in Natur und Landschaft fällig. Der Ausgleich könne weder im Baugebiet selbst noch im Stadtgebiet umgesetzt werden, so Bastian weiter.

Allein für den artenschutzrechtlichen Ausgleich werde eine Fläche von circa zwei Hektar benötigt. Zusätzlich würden für den ökologischen Ausgleich weitere zehn Hektar gebraucht. Dies würde jedoch weitere Flächen in Anspruch nehmen, die wiederum für ortsansässige Landwirte dringend vonnöten seien. „Um der Landwirtschaft nicht noch mehr Ackerflächen zu entziehen, werden Biotopwertpunkte erworben“, fasste der Rathauchef zusammen.

CDU-Politiker Matthias Eiles räumte ein, dass die Stadt bei der Kompensationsverordnung keinen Handlungsspielraum habe, und verwies auf frühere Biotopwertung-Ansinnen von Flughafenbetreiber Fraport und Stadt Langen. Indes müsse die Informationspolitik der Stadt besser werden. Der Bürgermeister erwiderte einige Tage später, die Verwaltung habe „trotz intensiver Recherche“ keinen Anhaltspunkt dafür gefunden, dass zwischen Seligenstadt und Langen je über Ausgleichsmaßnahmen verhandelt worden sei.

Die Flächen, die Best bereitstellt und die im selben Naturraum liegen wie Seligenstadt, hat er von Ackerland in extensiv genutztes Grünland umgewandelt. Diese Gebiete werden von ihm dauerhaft gepflegt und unterhalten, wurden bereits von der Unteren Naturschutzbehörde (Wetteraukreis) abgenommen und im Ökokonto des Verkäufers eingebucht.

Alternativ zum Ankauf dieser Biotopwertpunkte könnten die erforderlichen Ausgleichsmaßnahmen auch durch eine Ablösung bei der Unteren Naturschutzbehörde abgegolten werden. Dort kostet der Biotopwertpunkt jedoch 1,01 Euro. Auch könnte die Stadt Seligenstadt eigene Kompensationsmaßnahmen in die Wege leiten. Dies wäre aber sehr kostenintensiv und würde zusätzliche Ackerfläche von etwa zehn Hektar in Anspruch nehmen.

„Durch den Erwerb der Biotopwertpunkte aus Nieder-Wöllstadt hat die Stadt nicht nur einen finanziellen Vorteil, sie wird in ihrem Handeln auch unabhängiger. Sollten für das Baugebiet nicht alle Biotopwertpunkte benötigt werden, können sie für andere Maßnahmen eingesetzt werden“, bilanziert der Magistrat. (Von Michael Hofmann)

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