Nicht länger zwischen zwei Stühlen

Buchhandlung Geschichten*reich in Seligenstadt schließt - Das ist der Grund

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Das wird es öffentlich nicht mehr geben: Lesungen mit Kindern hat Nadine Hochrein, hier daheim mit Tochter Ellie, in der Buchhandlung Geschichten*reich in Seligenstadt am liebsten gemacht.

Seit 2015 war Nadine Hochrein mit der Buchhandlung Geschichten*reich in Seligenstadt selbstständig. Jetzt ist Schluss.

  • Die Buchhandlung Geschichten*reich in Seligenstadt schließt.
  • Grund für die Schließung ist das Privatleben von Betreiberin Nadine Hochrein.
  • Ein Nachfolger für den Betrieb des Geschichten*reich in Seligenstadt wird gesucht.

Seligenstadt – Schlechte Nachrichten sprechen sich schnell herum im Städtchen. So wie die Kunde, dass Nadine Hochrein zur Jahresmitte die Buchhandlung Geschichten*reich schließt. Der Grund ist nicht Corona, sondern eigentlich ein erfreulicher: Seit Anfang des Jahres ist die 31-Jährige glückliche Mutter einer kleinen Tochter. „Ich habe aber bald gemerkt, dass ich nicht beidem gleich gerecht werden kann. Da sitze ich ständig zwischen zwei Stühlen. “ So hat sie sich für das Kind, gegen den Laden entschieden, den sie als Seiteneinsteigerin dann genau fünf Jahre lang geführt haben wird.

Geschichten*reich in Seligenstadt hat viel Arbeit gemacht

Dabei hat es Hochrein versucht. „Sechs Wochen lang bin ich an drei Nachmittagen ins Geschäft gegangen. Dann kam der Lockdown, der Laden war zu, ich musste mich ganz anders organisieren.“ Es fing gut an, da auch ihr Mann im Homeoffice arbeitet.

So konnte sie sich fünf bis sechs Stunden täglich um Bestellungen kümmern, „auf allen möglichen Kanälen, E-Mail, Instagram, Facebook“, und Ware ausfahren. Seit der Wiederöffnung am 20. April ist sie an Freitagnachmittagen in ihrer Buchhandlung an der Aschaffenburger Straße. Neben der Chefin gibt es dort mit Johanna Krenn und Natascha Maldener-Kowolik zwei Halbtagskräfte, mit Pauline Fittkau eine Minijobberin.

Mitarbeiterinnen wollen Geschichten*reich in Seligenstadt nicht übernehmen

Interesse an einer Übernahme zeigte keine der Mitarbeiterinnen. Wohl gab es mehrere Anfragen von Fachfremden, denen das Risiko jedoch zu groß schien; auch wegen der Unwägbarkeiten der Pandemie. Ganz aufgegeben hat Nadine Hochrein die Hoffnung aber noch nicht. „Ich habe sehr viel Resonanz bekommen, auch von Freunden, die gesagt haben: Das Geschichten*reich darf doch nicht einfach verschwinden, wir suchen jemanden!“

Viel Redebedarf zeigen ihre Stammkunden, wie Hochrein berichtet. „Ich habe zahlreiche emotionale Gespräche geführt und bedauere, dass es nicht Auge in Auge möglich war. Aber mit meiner Ellie kann ich nicht ins Geschäft.“ Auch das großelterliche Betreuungsmodell ist Covid-19 zum Opfer gefallen. Daher die Entscheidung, von der die junge Mutter überzeugt ist, dass es die richtige war. Ebenso wie die, sich 2015 selbstständig gemacht zu haben: „Ich habe tolle Menschen kennengelernt und einen reichen Erfahrungsschatz gesammelt, den ich nicht missen möchte. Bereuen werde ich das bestimmt nie.“

Vorerst letzter Tag des Geschichten*reich in Seligenstadt steht fest

40, 50 Stunden die Woche müsste sie investieren, mehr als 15 bis 25 gingen nicht, hat die Geschäftsfrau ausgerechnet. „Da müsste ich Abstriche an meinen Vorstellungen machen.“ Schon die Oster- und Kommunionskarten hat sie nicht selbst auswählen können, das hat der Händler getan – nicht zu ihrer Zufriedenheit. „Irgendwann ist es nicht mehr meine Handschrift, mein Stil“, befürchtet Hochrein. Lange Öffnungszeiten abdecken, Lesungen für Kinder veranstalten, „woran mein Herz hängt“, das wäre nicht mehr drin.

Somit steht fest: Am Samstag, 27. Juni, ist letzter Tag. Nadine Hochrein plant Aktionen und Überraschungen. Vom Monatsbeginn an gibt es einen Räumungsverkauf der Lagerbestände, die Preisbindung ist dafür aufgehoben. Alle Medien können nach wie vor bestellt werden. Die besten Chancen, sich von der Inhaberin persönlich zu verabschieden, bestehen freitagnachmittags und an den Juni-Samstagen.

VON MARKUS TERHARN

Auch in der Corona-Krise war die Buchhandlung Geschichten*reich in Seligenstadt für viele Menschen ein willkommener Anlaufpunkt für neuen Lesestoffe. Erst 2018 wurde Nadine Hochrein - damals noch Nitsch mit Nachnamen - mit dem Börsenblatt-Preis für ihre Buchhandlung in Seligenstadt ausgezeichnet.

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