Hans-Memling-Schule

Hans-Memling-Schule wird ein Haus für alle Seligenstädter

Ich war eine Schule. Demnächst werde ich ein Haus für Kultur, Bildung und Begegnung. Foto: Terharn
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Ich war eine Schule. Demnächst werde ich ein Haus für Kultur, Bildung und Begegnung. Foto: Markus Terharn

Seligenstadt – Die Seligenstädter haben entschieden: Von den drei zur Wahl stehenden Nutzungsmöglichkeiten fürs leer stehende Gebäude der Hans-Memling-Schule (HMS) gaben 3640 Bürger Variante 1 den Vorzug – ein Bildungs- und Kulturhaus, wie es die als Verein organisierten Freunde der HMS vorgeschlagen hatten.

1252 Stimmen entfielen auf Variante 2, eine private, dreisprachige Kindertagesstätte und Grundschule mit Betreuung in Trägerschaft der Erasmus-Gesellschaft. 1908 Seligenstädter wählten Variante 3 mit Kinder- und Seniorentagesstätte, Volkshochschule und Räumen für kulturtreibende Vereine gemäß SPD-Konzept.

Insgesamt beteiligten sich 6901 Seligenstädter an der Bürgerbefragung – 3838 postalisch, 3063 online. Als ungültig aussortiert wurden 101 Stimmen: Mal war ein Absender vermerkt, mal lagen mehrere Karten in einem Umschlag, sodass bei unterschiedlichem Votum kein Wählerwille erkennbar war. Auch einen leeren Umschlag fanden die Zähler.

Am Laptop und in Handarbeit wurden Brief- sowie Online-Voten abgeglichen. Von links: Marina Seifert, Franziska Mahr, Jessica Erbe und Philipp Janssen. Foto: Hampe

Die Auszählung sowie der Abgleich mit den im Internet abgegebenen Stimmen (bei doppelt wahrgenommenem Wahlrecht zählte das Online-Votum) war wegen der Corona-Krise vom großen Rathaussaal ins Erdgeschoss des Bürgerhauses Riesen verlegt worden, wo mehr Platz war, um den gesundheitlich gebotenen Abstand zu wahren. Zwölf Verwaltungsmitarbeiter unter Federführung von Hauptamtsleiterin Franziska Mahr erledigten die Erfassung. Im ersten Schritt wurden die Umschläge gezählt, im zweiten die aufgedruckten QR-Codes gescannt. Es folgte der Abgleich mit den Online-Voten im Computer, wobei 53 Umschläge beiseite gelegt werden konnten – diese Beteiligten hatten doppelt abgestimmt. Danach wurden die Umschläge geöffnet, die Karten auf drei Stapel verteilt und zuletzt gezählt.

Als Ausgleich für die anders nicht herstellbare breite Öffentlichkeit war je ein Vertreter der fünf Fraktionen im Stadtparlament als Beobachter zugelassen. Davon machten Ayla Sattler (SPD), Susanne Schäfer (FDP) und Achim Steibert (CDU) Gebrauch.

„Die Bürgerschaft hat sehr deutlich zum Ausdruck gebracht, dass sie in dem denkmalgeschützten Gebäude ein Bildungs- und Kulturhaus sehen möchte“ , kommentierte Bürgermeister Dr. Daniell Bastian (FDP) sportlich dieses Ergebnis, das nicht seinem Wunsch entsprach. Der Verwaltungschef hatte sich fürs Erasmus-Konzept ausgesprochen, meinte aber: „Es ist für alle gut, dass die Befragung ein so klares Ergebnis hervorgebracht hat. Nach den sehr emotional geführten Debatten hoffe ich, dass wir in der Stadtverordnetenversammlung in großer Ruhe und Einigkeit entscheiden, wie genau es weitergeht.“

Für die Freunde der HMS reagierte Katja Teubner so: „52,7 Prozent der Stimmen fielen auf unser Konzept. Wir freuen uns über das deutliche Bürgervotum, das ist ein großartiger Erfolg!“ Der 2017 gegründete Verein dankte allen, die dazu beitrugen, dass ein Haus für alle Bürger entstehen könne. „Wir sind bereit, ein ,Hans-Memling-Haus Kultur.Bildung.Begegnung.’ baldmöglichst so in Zusammenarbeit mit den städtischen Gremien weiter zu entwickeln, dass jeder sich dort wiederfinden kann.“

Zur Erinnerung: Seit Einstellung des Grundschulbetriebs durch den Kreis Offenbach als Träger (2012) steht das Gebäude leer. Nach einer juristischen Auseinandersetzung kam es wieder in städtisches Eigentum. Um den Leerstand zu beenden, beschlossen die Stadtverordneten am 2. September 2019, die Bürger zu befragen, da keine politische Mehrheit zustande gekommen war. Das Resultat ist rechtlich nicht bindend, aber die Politiker haben angekündigt, dass sie es in jedem Fall anerkennen.

VON MARKUS TERHARN

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