Barrieren ganz besonderer Art

Corona-Momentaufnahmen: So ist die Lage in den Partnerstädten Triel und Brookfield

Lagebesprechung in der Partnerstadt Triel: Alle privaten Feiern sind bis auf Weiteres untersagt.
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Lagebesprechung in der Partnerstadt Triel: Alle privaten Feiern sind bis auf Weiteres untersagt.

Angesichts steigender Infektionszahlen verschärft Hessen eine Reihe von Corona-Regeln. Auch in den Partnerstädten von Seligenstadt ist die Situation keineswegs rosig.

Seligenstadt – Bereits im April hatten wir über Triel, Piedimonte Matese und Brookfield teilweise betrübliche Informationen eingeholt, die aktuellen Stimmungsbilder sind kaum besser. In Frankreich, so hat Christine Spitzenberg, die Vorsitzende des Europäischen Freundeskreises (EFS), eruiert, ist die Situation deutlich angespannter als bei uns. Das liege nicht nur an den höheren Infektionszahlen, sondern auch an der schlechteren Versorgung im Gesundheitswesen. „Meine Kontakte in Frankreich sagen, nicht die Zahl der Neuinfektionen spiele für sie eine Rolle, sondern die Anzahl der freien Intensiv-Betten. Dortige Krankenhäuser verfügen nur etwa über ein Drittel der deutschen Kapazitäten auf Intensivstationen.“

Seit dem Wochenende gilt in Triel (wie in ganz Frankreich) eine Sperrstunde von 21 bis 6 Uhr morgens, kontrolliert von der Ordnungspolizei. „Alle privaten Feiern sind bis auf Weiteres untersagt. Die Hygienevorschriften in Restaurants wurden nochmals verstärkt, zudem wird an die Firmen und Beschäftigten appelliert, möglichst im Homeoffice zu arbeiten“, berichtet Spitzenberg. Die Trieler Vereine werden dazu angehalten, sämtliche Aktivitäten auf den Nachmittag zu verlegen, und Sport soll nach Möglichkeit nur draußen stattfinden.

Eine positive Nachricht hält die EFS-Vorsitzende dennoch bereit: „Nicole Jusserand, Vorsitzende unseres Partnervereins Amitié Européenne de Triel, ist Omi geworden. Eliott, der kleine Sonnenschein, tröstet unsere Nicole über die Tatsache hinweg, dass sie nun seit über einem Jahr schon nicht mehr in Seligenstadt war. So lange war sie noch nie nicht in Seligenstadt.“

Indes macht die Not auch den EFS erfinderisch, denn der Verein, der vor allem von persönlichen Kontakten lebt, ist besonders hart von den Reise- und Kontaktbeschränkungen getroffen. „In der Präambel unserer Satzung steht, dass es unsere Aufgabe ist, die Beziehungen zwischen den Völkern zu fördern und zu vertiefen, sowie vorhandene Barrieren abzubauen. Wir sind - wie alle - sehr davon überrascht worden, wie real diese Barrieren plötzlich wieder sind“, sagt Christine Spitzenberg. Doch lässt sich viel über den virtuellen Weg lösen: Vorstandssitzungen oder die inzwischen zur Institution gewordenen regelmäßigen Zoom-Meetings mit der amerikanischen Partnerstadt Brookfield. Auch der Schulaustausch zwischen der Einhardschule und dem Collège Les Châtelaines in Triel geht neue Wege: Erstmals findet dieser ohne ein persönliches Treffen statt. Mit Hilfe der Online-Plattform des Deutsch-Französischen Jugendwerkes werden die Austauschpaare über das Schuljahr hinweg gemeinsam kleine Aufgaben lösen, dabei können die deutschen wie auch die französischen Schüler Punkte sammeln. Das Austauschpaar mit den meisten Punkten gewinnt am Ende einen Preis. Manche Veranstaltungen dürfen auch wieder stattfinden, beispielsweise der Französisch-Sprachclub, der sich einmal im Monat in Seligenstadt trifft.

Die Jahresversammlung des EFS am 2. November ist als Präsenzveranstaltung unter Einhaltung sämtlicher Hygiene- und Abstandsregeln im Jakobsaal geplant. Es stehen Vorstandswahlen auf dem Programm.

Rathaus in Brookfield: Maskenpflicht in öffentlichen Gebäuden.

Den direktestes Draht zu den amerikanischen Freunden in Brookfield hat mit Thorsten Bonifer ein weiterer EFS-Vorsitzender. Bürgermeister Steve Ponto berichtete ihm von wenigen Tagen, dass in Waukesha County (Landkreis) mit seinen rund 404 000 Einwohnern 1113 Corona-Erkrankungen und 94 Todesfälle registriert wurden. Fünf Prozent der Erkrankten werden stationär behandelt, die Todesrate liegt bei ungefähr einem Prozent. In Brookfield selbst mit seinen etwa 40 000 Einwohnern liegt die Zahl der Erkrankten bei 110, neun Todesfälle sind zu beklagen. Zwar habe Gouverneur Tony Evers Maskenpflicht in öffentlichen Gebäuden angeordnet, doch seien die Restriktionen in Wisconsin weniger rigoros als in anderen US-Staaten. Nach Pontos Angaben liegt das daran, dass der Gouverneur ein Demokrat ist, die Republikaner aber die Mehrheit haben. Beide könnten sich nicht auf ein gemeinsames Programm verständigen. Auch auf die Präsidentenwahl hat die Pandemie Einfluss. Ponto verweist auf die Briefwahl: Wahlzettel können demnach gemailt, persönlich abgegeben oder in den Rathaus-Briefkasten geworfen werden.

Markus Bayer, der Ansprechpartner für die Beziehungen zur Piedimonte Matese ist, konnte auf Anhieb nichts Konkretes zu den aktuellen Entwicklungen vor Ort sagen. Wie die Situation in der italienischen Partnerstadt ist, werden wir daher in den nächsten Tagen berichten. (mho/sig)

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