Seligenstadt

Rektorin im Kreis Offenbach wegen Corona-Einstellung in der Kritik

Aufschrift auf dem Opel der Rektorin.
+
Adams Opel darf nicht mehr auf dem Schulgelände in Seligenstadt geparkt werden.

Corona-Ärger im Kreis Offenbach: An der Alfred-Delp-Schule in Seligenstadt sorgt die Haltung einer Rektorin zur Corona-Pandemie für Diskussionen.

  • Lehrer der Alfred-Delp-Schule in Seligenstadt (Kreis Offenbach) halten eine Zusammenarbeit mit der Rektorin für nicht mehr möglich.
  • Grund sind Äußerungen von Gabriele Adam zur Corona-Pandemie.
  • Die Leitende Direktorin des Staatlichen Schulamts Offenbach beobachtet Adam mit besonderem Augenmerk.

Seligenstadt – Aus Elternkreisen ist zu hören, dass vier Lehrer sich verabschiedet hätten oder dies tun wollten, weil sie keine Basis für eine Zusammenarbeit mehr sähen. Hintergrund sei die Haltung der Schulleiterin zur Pandemie. Anstoß erregt zum Beispiel der Schriftzug auf der Heckscheibe ihres Privatwagens. „Verschenke meine Corona-Impfung!“, ist dort zu lesen. „Ich lasse euch den Vortritt, Laborratte zu sein.“ Garniert ist’s mit einer possierlichen Rattensilhouette und der Internetadresse der Stiftung Corona-Ausschuss, die sich kritisch mit Maßnahmen von Bund und Ländern zur Covid-Eindämmung befasst.

Die Leitende Direktorin des Staatlichen Schulamts für Stadt und Kreis Offenbach, Susanne Meißner, bestätigt auf Anfrage unserer Zeitung den Eingang mehrerer Eingaben deswegen. Daraufhin sei Adam dienstlich aufgefordert worden, nicht mehr auf dem Gelände zu parken. Nach einem Hinweis darauf, dass ihr Auto in unmittelbarer Nähe der Schule gestanden habe, sei dies dahingehend präzisiert worden, dass vor allem Schüler ihren Opel dort künftig nicht mehr zu Gesicht bekommen sollten.

Seligenstadt (Kreis Offenbach): Corona-Einstellung von Rektorin sorgt für Irritation bei den Eltern

Zu Irritationen in Reihen der Eltern führten ferner Rückmeldebögen „zur körperlichen und seelischen Befindlichkeit beim Tragen der Maske im Unterricht“. Die hatte Adam mit der Bitte um Rückgabe verteilen lassen. „Ich habe das gleich in den Papierkorb gepfeffert“, berichtet ein empörter Vater. Auch da ist das Schulamt tätig geworden, und zwar in Form eines Elternbriefs, wie Meißner erläutert. Darin heißt es, das sei nicht Aufgabe von Schulleitungen. Sie bitte, den Fragebogen mit Datum vom 23. Februar „als gegenstandslos zu betrachten“.

In Meißners Brief, der unserer Redaktion vorliegt, steht einleitend, im Zuge der Pandemie sei die Schule „leider beunruhigenden Einflüssen unterzogen worden“, abseits der Unterrichtstätigkeit. Den großen Arbeitsschwerpunkt sehe das Amt indes im staatlichen Bildungsauftrag, der sich wiederum am Neutralitäts- und Zurückhaltungsgebot zu orientieren habe.

Corona: Rektorin verteidigt ihr Vorgehen in Seligenstadt (Kreis Offenbach)

Die Betroffene, mittlerweile anwaltlich beraten, verteidigt ihr Vorgehen. Adam argumentiert, es sei für Kinder „eine nicht unwesentliche Einschränkung, stundenlang eine Maske über Mund und Nase zu tragen“. Manche müssten das von 8 bis 17 Uhr tun, drinnen wie draußen. Ob und welche gesundheitlichen und psychischen Auswirkungen das haben könne, werde unter Ärzten und Kinderpsychologen diskutiert. Sie als Schulleiterin und Lehrerin müsse im Zuge ihrer Fürsorgepflicht darauf achten, dass Kinder mit der Maske klarkämen und beschwerdefrei lernen könnten. Auf die, denen das schwerfalle, müssten die Lehrer ihr besonderes Augenmerk richten.

Gabriele Adam zeigt sich davon überrascht, dass es Eltern gebe, die massiv dagegen vorgingen, dass sie sich um das Wohlbefinden der Kinder kümmere. „Nichts anderes habe ich mit der freiwilligen Abfrage bezweckt.“ Den Lehrern helfe das, auf Maskenpausen zu achten. Weiter erstaunt Adam der mangelnde Rückhalt seitens des Schulamts. Schulen seien angehalten, Rückmeldungen einzuholen und Kontakt zu Eltern zu pflegen. So habe sie eine Abfrage zum Gelingen des Distanzunterrichts auf den Weg gebracht. „Das Ergebnis habe ich ausgewertet und den Eltern zurückgemeldet.“ Wenn Elternabende selten, teils gar unmöglich seien, müsse sie eine Form finden, Sorgen und Fragen zu begegnen. „Und da es Eltern gibt, die sich sorgen, dass ihre Kinder stundenlang Maske tragen müssen, über Kopfschmerzen und andere Beschwerden klagen, muss ich dem nachgehen dürfen.“

Seligenstadt (Kreis Offenbach): Rektorin sorgt wegen Teilnahme an Corona-Demo für Aufsehen

Bundesweite Aufmerksamkeit hatte Gabriele Adam im November vergangenen Jahres wegen der Teilnahme an einer sogenannten Querdenker-Demo in Leipzig erfahren. In einem ZDF-Beitrag war sie für einige Sekunden zu sehen und zu hören gewesen; ohne Mund-Nase-Bedeckung, von deren Tragen sie freilich nach eigenen Angaben per Attest befreit ist.

Mündlich bestätigt Meißner mehrere Versetzungsanträge von Lehrkräften, denen in zwei Fällen entsprochen worden sei. Das Kultusministerium in Wiesbaden werde per Bericht stets auf dem Laufenden gehalten. Den besorgten Eltern hat Meißner zudem versichert: „Wir werden die Vorkommnisse an der Alfred-Delp-Schule in Seligenstadt auch weiter mit besonderer Aufmerksamkeit begleiten.“ (Markus Terharn)

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare