Shutdown in der Corona-Krise

Schlimme Ungewissheit: Existenzielle Bedrohung in der Gastro-Branche

Gastronom Kadri Akdag vor seinem hochgeklappten Biergartenmobiliar am Freihofplatz: Hoffen auf den 1. Juni, vermutlich mit vielen Auflagen. 
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Gastronom Kadri Akdag vor seinem hochgeklappten Biergartenmobiliar am Freihofplatz: Hoffen auf den 1. Juni, vermutlich mit vielen Auflagen. 

In der Corona-Krise bleiben Restaurants bislang geschlossen. Besonders schlimm ist für Gastronomen wie Kadri Akdag aus Seligenstadt die Ungewissheit.

Seligenstadt – Der schweizerische Bundesrat meint es gut mit den Gastronomen: Eidgenössische Restaurants dürfen am 11. Mai wieder ihren Betrieb aufnehmen! Auf erlösende Nachrichten wie diese wartet der Seligenstädter Kadri Akdag bislang vergebens. 

Seit dem sogenannten Shutdown muss er sein Restaurant

1744/Caféhaus

samt Hotel „Zu den drei Kronen“ am Freihofplatz geschlossen halten. Inzwischen „eine existenzielle Bedrohung“ für die gesamte Branche, sagt der 43-jährige Geschäftsführer.

Er erinnert sich gut an jene unbeschwerten Tage vor Corona, als er Pläne fürs anbrechende Frühjahr schmiedete, voller Hoffnung, bei milder Witterung neben dem Restaurant seinen stets bestens frequentierten Biergarten wieder zu bewirtschaften. Die Personaleinteilung musste stehen. Auch das Hotel, gut gebucht für Tagungen und Feierlichkeiten, war in Vorbereitung für die Saison.

Dann das Aus. Die Anordnung der coronabedingten Schließung habe ihn wie alle Kollegen kalt erwischt, sagt Akdag. Seine Vorfreude schmolz dahin, irgendwann machte sich Angst breit. „Wenn tatsächlich Mails oder Faxe kamen, waren es Stornierungen“, sagt der 43-Jährige achselzuckend. Wie soll’s weitergehen? Am schlimmsten sei die Ungewissheit, klagt Akdag. Er hofft auf den 1. Juni, auf kleine Lockerungen, wenn auch „vermutlich mit vielen Auflagen“.

In Gedanken strukturiert der Wirt bereits seinen Biergarten neu: Große Tische und die Bänke raus, Abstand wahren, kleine Tische für vier Personen auf der Freifläche verteilen. Planspiele, (noch) Zukunftsmusik. Allein es fehlt ein Fingerzeig aus der Politik. Aufgeben kommt jedoch nicht in Frage.

Bis zu einer wie auch immer gearteten Lösung muss Akdag machtlos zusehen, wie die eingeplante Geschäftszeit ohne Einnahmen verstreicht; muss günstig getätigte Vorabeinkäufe wie eine Palette Sahne im Keller – etwa 800 Liter – wohl abhaken. Seine festangestellten Mitarbeiter und Aushilfen sind zuhause: Kurzarbeit! Entlassen möchte der Chef niemanden, spricht von langjähriger Zusammenarbeit.

Die von der Bundesregierung in Aussicht gestellte Soforthilfe hat Akdag beantragt und bekommen; allein das Geld reiche nicht. Ein Antrag bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau auf „Corona-Hilfe“ läuft. Die diskutierte Senkung der Umsatzsteuer zum 1. Juli kann den Gastwirt freilich nicht aufmuntern: „Was bringt mir das, wenn ich gar keinen Umsatz habe?“

Obwohl zurzeit kleinere Umbauarbeiten im Gange sind, ist es ungewohnt ruhig in den und rund um die „Drei Kronen“. Die zusammengestellten Tische und Bänke auf der Freifläche passen zur traurigen Corona-Momentaufnahme. Sie symbolisieren das Leiden einer ganzen Branche, für die Stillstand die Höchststrafe ist. Die Familie Akdag ist seit 2003 auf dem Freihofplatz, erzählt der Chef stolz. Ein Virus solle dieses Geschäft nicht ruinieren.

Von Michael Hofmann

Viele Gastronomen fürchten, wegen der strengen Auflagen nicht wirtschaftlich arbeiten zu können. Einige Gaststätten sollen daher trotz Corona-Lockerungen erstmal geschlossen bleiben. Die Gastronomen in Hessen haben dabei Bauchschmerzen. 

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