Frühlingserwachen im Einzelhandel

Spürbare Belebung, aber noch lange kein Normalzustand

Mit Abstandshaltern, Mundschutz und Desinfektionsmittel: Astrid Merger Foto: Terharn
+
Mit Abstandshaltern, Mundschutz und Desinfektionsmittel: Astrid Merger.

„Ein Supertag!“ Louisa Bormann strahlt mit der Frühlingssonne um die Wette. „Ja, ein Supertag“, bekräftigt sie nochmals. In der Boutique Cactus, just zum 1. März von ihrer Mutter übernommen, wurde gestern „nicht nur geschaut, sondern ganz viel gekauft“.

Seligenstadt – Als Extra gibt’s ab 50 Euro Warenwert einen handgenähten Mundschutz geschenkt – die erste Lieferung ist ruckzuck weg, mittags soll die Schneiderin Nachschub liefern. Wer will, erhält eine Einwegmaske, die Chefin selbst trägt keine. Desinfektionsmittel ist vorrätig, wie fast überall.

Der Zeitpunkt der Wiederöffnung sei „ideal“, findet die junge Geschäftsfrau vom Löffeltrinkerplatz. Um 30 Tage war ihr die Zahlungsfrist für schon erhaltene Ware verlängert worden; auch die April-Miete bekam sie gestundet. Vier Wochen lang war nur der Hermes-Paketshop im Laden mittwochs bis samstags zwei Stunden auf. „Ich habe aber auf Facebook und Instagram Fotos von mir mit der aktuellen Kollektion eingestellt und viel Kleidung verschickt oder ausgeliefert.“ Sie freut sich über Modemutige ohne Corona-Angst: „So kann es weitergehen!“

Auf ihre Soforthilfe wartet Louisa Bormann noch ebenso wie Astrid Merger von Design & Couture an der Aschaffenburger Straße. Auch die bietet selbst entworfene Schutzmasken an, hat aber erfreut registriert, dass Kundinnen auch „was Schönes für den Sommer“ suchten. „Zu mir kommen lauter nette Menschen, die sich an die Hygieneregeln halten und fragen: Darf ich ohne Mundschutz rein?“, berichtet Merger. Ihre Umsatzeinbußen während der Schließung bezeichnet sie als „sehr heftig“.

Bloß eine Person gleichzeitig darf in der Buchhandlung „Geschichtenreich“ an der Aschaffenburger stöbern und schmökern: Das Ladenlokal ist sehr klein. In der ersten Dreiviertelstunde hat Mitarbeiterin Pauline Fittkau lediglich vier Kunden bedient, „aber das wird noch mehr“. Sie arbeitet mit Maske – Kunden dürfen eine tragen, müssen aber nicht – und wartet, dass die bestellte Glasscheibe an der Kasse montiert wird. Von der Sitzbank vor der Tür hat sie die Auflagen entfernt, was längeres Verweilen weniger attraktiv machen soll.

„Die Öffnung wird relativ gut angenommen“, erzählt der ebenso maskengeschützte Erwin Franz, dessen Sohn Daniel zwei Schuhgeschäfte an der Aschaffenburger Straße führt. „Das hatte ich so nicht erwartet.“ Vom Umsatz „normaler“ Zeiten freilich sei man weit entfernt.

Vor verschlossenen Türen stehen Passanten noch beim Kaufhaus Mittl. „Aber wir öffnen Mittwoch“, versichert Geschäftsführerin Barbara Mittl. Hintergrund sind Umräumarbeiten, um die Fläche auf weniger als 800 Quadratmeter zu reduzieren. „Diese Erlaubnis kam für uns sehr kurzfristig“, bedauert sie.

VON MARKUS TERHARN

Kurz nachdem in Seligenstadt wieder mehr eingekauft wird, schließt die Buchhandlung Geschichten*reich. Das liegt allerdings nicht an Corona.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare