Schmierereien an Fassaden

Graffiti-Sprüher treiben in Altstadt ihr Unwesen

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Graffiti am Altglascontainer in Höhe des evangelischen Gemeindezentrums an der Jahnstraße.  

Seligenstadt - Für die einen haben sie künstlerischen Wert, für andere sind es einfach nur unsägliche Schmierereien. Im vorliegenden Fall dürfte die einhellige Meinung zu letzterem tendieren. Von Katrin Stassig

In der Nacht zu Dienstag haben Unbekannte in Seligenstadt unter anderem Teile der Altstadt mit Graffiti übersät. Eine Polizeistreife hält in der Jahnstraße, die Beamten klingeln bei Anwohnern, fotografieren die „Verzierung“ am Hoftor.

Graffiti-Sprache

All City King: Sprayer, der in der ganzen Stadt gemalt hat, dadurch mit seinen Bildern überall präsent ist und dementsprechend Ruhm erlangt hat.

biten: Das Kopieren eines fremden Stils oder gar Namens aus Unkenntnis oder mangelnder Kreativität. Häufiges biten macht es für den Betrachter unmöglich, den tatsächlichen Urheber eines Graffiti zu ermitteln; außerdem kommt es durch die Vielzahl der Sprayer zu mehrfachen Namensbelegungen. 

Piece (kurz für Masterpiece): Eigentlich Bezeichnung für ein aufwändiges, meistens mehrfarbiges und großflächiges Graffiti. Häufig wird es aber auch als allgemeine Bezeichnung für ein gesprühtes Bild benutzt. 

Tag (englisch: Markierung, Etikett): Signaturkürzel, stellt das Pseudonym eines Sprayers dar und ist häufig als „Unterschrift“ unter gesprühten Bildern zu finden.

Ein Haus weiter prangt das wohl großflächigste Werk der Sprayer aus der vergangenen Nacht an der Außenwand. Das Bild soll wohl eine Waffe darstellen, aus deren Mündung die Buchstaben RAF gefeuert werden. RAF wie die linksextremistische Terrorgruppe „Rote Armee Fraktion“? „Real as fuck“ (etwa: „Verdammt real“) schreibt der Sprayer die Abkürzung an einem Altglascontainer vor dem evangelischen Gemeindehaus weiter oben in der Straße aus. Auch die Stromkästen neben den Containern sind besprüht. Der Schriftzug „MRH“ oder „Mr. Hyde“ ist vermutlich ein Hinweis auf den Verursacher. Sprayer kennzeichnen ihre Werke mit so genannten „Tags“ (siehe Info-Kasten). Ein weiteres Tag lässt sich als „WZRD“ lesen, vielleicht als Abkürzung des englischen „Wizard“ (Zauberer). Hauptsächlich an der Jahnstraße und im Altstadt-Viertel „Klaa Frankreich“ haben der oder die Sprayer in dieser Nacht ihr Unwesen getrieben. In der Rosengasse begutachtet eine Anwohnerin ungläubig den angerichteten Schaden. Sie hat schon mit der Polizei gesprochen. Ihr eigenes Haus hat zwar nichts abbekommen, aber mehrere Fassaden in der Nachbarschaft. Auch in der Wallstraße sind offenkundig frische Graffiti zu entdecken.

Schmiererei in der Rosengasse. Das Fachwerkhaus haben die unbekannten Täter offenbar bewusst verschont.

Auffällig ist, dass Fachwerkhäuser offenbar verschont blieben. Laut Polizeibericht haben die unbekannten Sprayer in der Nacht zum Dienstag ihre Farbschmierereien an mindestens sechs Hauswänden hinterlassen. Den Schaden schätzen die Beamten auf mehrere Tausend Euro. Die Polizei bittet Zeugen, die Beobachtungen gemacht haben, sich bei der Wache in Seligenstadt, 06182/8930-0 zu melden. Verunstaltungen durch Graffiti sind nach Angaben von Erster Stadträtin Claudia Bicherl (CDU) in Seligenstadt immer wieder mal ein Problem. „In letzter Zeit hatten wir es häufiger im Neubaugebiet“, berichtet sie auf Anfrage. Die Täter werden nur selten ausfindig gemacht. Zuständig für die Entfernung und damit auch die Kosten ist jeweils der Eigentümer. Bei Nazi-Schmierereien, die manchmal vorkommen, sorgt die Stadt dafür, dass sie schnell beseitigt werden.

Hessens größtes Graffito

Hessens größtes Graffito

Schäden an Privathäusern zahlt in der Regel die Gebäudeversicherung, sofern dies durch eine entsprechende Klausel im Vertrag festgehalten ist. Der Versicherungsschutz gilt, wenn die Graffiti sich an der Außenfassade befinden und es sich eindeutig um Vandalismus handelt. Statistiken zufolge liegen die Kosten, die jährlich durch illegale Graffiti verursacht werden, deutschlandweit bei 200 bis 500 Millionen Euro.

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