Internationale Ministranten-Wallfahrt

Daumen nach oben vom Papst

+
Daumen hoch: Der Blick auf Papst Franziskus war für die Messdiener aus dem Ostkreis ein Höhepunkt.

Ostkreis - Von unvergesslichen Tagen, wenig Schlaf, unglaublicher Hitze und unzähligen Fußwegen berichten Jugendliche aus dem Ostkreis, aber ein besonders beeindruckendes Erlebnis gab es für alle: Sie begegneten aus der Nähe Papst Franziskus bei der 12. Internationalen Ministranten-Wallfahrt in Rom. OP-Mitarbeiterin Anneke Janssen war dabei.

Bepackt mit Koffern, Rucksäcken und Reisetaschen, stehen etwa 180 Ministranten am Bahnsteig in Offenbach. Darunter auch eine Ministrantengruppe der Gemeinde Sankt Wendelinus Zellhausen. 15 Jugendliche und ihre vier Betreuer schließen sich der internationalen Ministranten-Wallfahrt in die Ewige Stadt an.
Gemeinsam mit rund 1600 Messdienern des Bistums Mainz, viele in bunten T-Shirts, fahren sie mit einem Sonderzug 20 Stunden nach Rom. Nachdem jeder seinen Platz gefunden und sein Gepäck verstaut hat, beginnen die Jugendlichen mit Kartenspielen, dem Spiel Bibel-Blackstories, hören Musik, lesen oder lernen die Messdiener in den anderen Abteilen kennen. Aus Seligenstadt kommen sie ebenso wie aus Steinheim und vielen anderen Gemeinden in Stadt und Kreis Offenbach, begleitet von Pfarrern und pastoralen Mitarbeitern.

Die Messdiener-Gruppe aus Zellhausen feierte mit 65.000 jungen Menschen aus 19 Ländern den Heiligen Vater.  

Nach einiger Zeit verteilen die Gruppenleiter das Pilgerpaket. Es enthält den Pilgerausweis, den alle Pilger von nun an nicht mehr ablegen sollten und einen Trinkbeutel sowie ein Armband, einen Hut zum Schutz gegen die Sonne und natürlich die Pilgertücher, die im Laufe der Woche mit Minis aus anderen Bistümern und Ländern getauscht werden sollen.

So wirklich schlafen können nur wenige der jungen Wallfahrer in dieser ersten Nacht auf dem Weg nach Rom. Statt sich auf dem ungemütlichen Schlafplatz schlaflos hin und her zu wälzen, stehen viele an den Fenstern auf dem Gang und bewundern die schöne Landschaft. Um 5.30 Uhr am nächsten Morgen schallt ein Wecksong durch die Lautsprecher des Zuges. Leicht genervt wachen diejenigen auf, die dann schließlich doch Schlaf gefunden hatten. Bald verfliegt jedoch die schlechte Laune, denn man kann auf der einen Seite des Zuges den Sonnenaufgang und auf der anderen Seite das Mittelmeer bewundern. Ein friedlicher Moment, der schon mal super gut passt zum Motto der fünf Tage in der „Ewigen Stadt“: „Suche den Frieden und jage ihm nach“.

Um acht Uhr erreicht der Zug Rom und gleich geht es auf die erste Erkundungstour. Mit den Rucksäcken, in denen sich viel zu trinken und Tücher für „kirchentaugliches“ Outfit befinden, sodass Knie und Schultern bedeckt sind, läuft die Gruppe bereits am ersten Tag durch die Stadt und besichtigt viele Sehenswürdigkeiten und vor allen Dingen Kirchen.

An jeder Ecke gibt es Sehenswertes, überall können Bauwerke aus der Zeit der Römer bewundert werden, Ausgrabungsstellen mitten in der Stadt, zwischen Metrostationen, Menschenmassen, Autos und Rollerfahrern.

So kennen die Minis am Ende der Woche nicht nur jede Metrostation in der Innenstadt, sondern auch beinahe alle Trinkbrunnen, die in der ganzen Stadt verteilt sind und die zum Glück gekühltes und kostenloses Wasser zum Abzapfen bereitstellen. Natürlich besucht die Gruppe auch viele Gottesdienste, weilt auch in der „Patenkirche“ des verstorbenen Mainzer Kardinals Karl Lehmann, geht zur italienischen Morgenmesse und natürlich zum großen Eröffnungsgottesdienst mit den Ministranten des Bistums Mainz. Mit dabei freilich auch der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf, der an einem heißen Tag „Eis für alle“ spendiert, Weihbischof Udo Bentz und Diözesanjugendseelsorger Mathias Berger.

Kirche erhofft sich Image-Aufbesserung nach Katholikentag

Der absolute Höhepunkt für die Messdiener ist jedoch die Papstaudienz, für die sich die Gruppe zwei Stunden vor Öffnung des Petersplatzes anstellte, um so möglichst nah an den Papst zu kommen. Dass sie Papst Franziskus allerdings so nah kommen würden, damit hatte keiner gerechnet. Als sich der Eingang zu den Sicherheitsschleusen direkt vor der Zellhäuser Gruppe öffnet, schnappen sich zwei Ministrantinnen ihre Rucksäcke, gelangen als erstes durch die Sicherheitskontrolle und belegen 19 Plätze für die Zellhäuser in der ersten Reihe.

Die Wartezeit auf „Papa Francesco“ vergeht wie im Fluge und schon ist die Einstimmung vorbei und das „Papa-Mobil“ nähert sich. Und dann ist er endlich da: Franziskus fährt etwa zwei Meter entfernt an den Ministranten aus Zellhausen vorbei, liest dabei das von ihnen gestaltete Banner, lächelt und gibt der Gruppe einen Daumen nach oben. „Ein unbeschreibliches Gefühl, gemeinsam mit den anderen 65.000 Messdienern aus 19 Ländern dem Kirchenoberhaupt zuzujubeln. Ich bin immer noch ganz geflasht“, meint eine der Ministrantinnen am Ende der Audienz.

Doch auch die kleinen Momente sind einfach nur schön: Das Singen der Lieder aus den Gottesdiensten im Bus, dem sich nach und nach alle Minis anschließen, um dann beim Aussteigen von den Römern ein - „Grazie“ oder „This sounds beautiful“- zu hören. Das Morgengebet um sechs Uhr mit einem Teil der Gruppe bei Sonnenaufgang über den Dächern der Stadt, ist einer der ruhigen und friedlichen Momente in dieser aufregenden und vollgepackten Woche.

Auch das Singen des Mottoliedes gemeinsam mit seinem Komponisten, den die Gruppe abends in einer der Metrostationen zufällig trifft, ist einer der zahlreichen Gänsehaut-Momente. In dieser Woche passiert viel. Die Gruppe lernt sich untereinander ganz anders und viel intensiver kennen. Mit den Ministranten aus aller Welt tauschen sie Pilgertücher und Hüte. Diese Begegnungen und Momente machen diese Wallfahrt zu einem unvergesslichen Erlebnis.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare