Vom Hobbysportler zum Meister

Kai Handtusch aus Seligenstadt trainiert für deutsche Titelkämpfe im Bowling

Freude bei Kai Handtusch über den Sieg bei den Hessenmeisterschaften im Bowling.
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Freude bei Kai Handtusch über den Sieg bei den Hessenmeisterschaften im Bowling.

Schwere Bowlingkugeln mit Schwung auf die Bahn hieven. Sie dabei womöglich versehentlich in die Rille befördern. Auf spiegelglattem Boden ausrutschen und die Balance mühsam wiederfinden.

Seligenstadt – Das alles beschreibt den Selbstversuch beim Familienausflug in die Bowlinghalle ganz gut. Hinzu kommt natürlich ein ewiges Vorspiel: ein geeignetes unter diesen Sportgeräten aussuchen, das nicht die Finger zerquetscht, aber auch nicht zu große Grifflöcher hat und sogleich auf den Fuß fällt. So oder so ähnlich fing es auch beim Seligenstädter Kai Handtusch mal an. Im Februar gewann der 14-Jährige dann die Goldmedaille bei den Hessenmeisterschaften im Bowling.

Die einfache Frage nach Trainingsmöglichkeiten am Schalter des Bowlingcenters brachte Kai vor zwei Jahren zu den Trainern Hagen Pest und Daniel Dorfmeister und zum BC Gießen, für den er mittlerweile spielt. Und damit zur Idee, er könne an den Hessenmeisterschaften teilnehmen; schließlich zeitigte sein Training beachtliche Erfolge. So holte Kai den Titel des Vize-Hessenmeisters und war dieses Jahr zum zweiten Mal hessischer Meister in seiner Altersgruppe. Zwar gibt es nicht viele Jugendliche, gegen die er antreten könnte, aber bei der deutschen Meisterschaft wird das bald anders sein. Kai steckt mitten in den Vorbereitungen und freut sich riesig auf die Herausforderung.

Ehrgeizig war er immer, erzählt er. Schon in der Grundschule gab er sein Hobby Faustball auf, weil es mehr um Spiel und Spaß als um etwas Ernstes ging. Zudem ist Kai ein sehr guter Schüler, der sich das Abi zum Ziel gesetzt hat, auch möchte er mit 16 den Motorradführerschein bestehen. In Kais Leben spielen auch Freunde und Familie eine große Rolle. „Ich will gar nicht mehr gegen dich bowlen, weil ich sowieso immer verliere“, scherzt einer seiner Kumpel.

Seine Familie unterstützt ihn in Sachen Bowling, wo immer es geht. Denn noch kann der Vierzehnjährige nicht allein zu Meisterschaften fahren. Er braucht einen Chauffeur – und jemanden, der ihn anfeuert.

Ein großes Aber gibt es freilich: „Es ist schade, dass mein Sport so oft belächelt wird“, berichtet der junge Mann. Obwohl ihm das Bowlen sehr wichtig ist, erzählt er aus diesem Grund im Umfeld kaum davon. „Weil sich mancher über mich lustig gemacht hat und es vielen nicht als richtige Sportdisziplin gilt.“ Dabei sei Bowling sogar ein sehr komplexer Sport, sowohl für die Psyche als auch für den Körper: „Wer schon mal so eine Kugel in der Hand hatte, der weiß, dass sie nicht von allein rollt. Da muss man richtig Kraft aufwenden.“ Dass auch Treffsicherheit, Technik und taktisches Geschick vonnöten sind, versteht sich von selbst. Kai, der selbst alle Sportarten respektiert, wünscht sich, dass sein Hobby ernst genommen wird. Und dass sich vielleicht noch mehr Jugendliche dafür begeistern. „Je mehr Gegner, desto größer die Herausforderung für mich!“

VON LUCY GRUSS

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