Fördergelder

Seligenstadt und das Hans-Memling-Haus: Votum der Bürger war eindeutig

Vorstand und Kuratorium der HMS-Freunde: Petra Werk, Frederick Kubin, Katja Teubner, Harald Teubner und Susanne Völker (von links).
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Vorstand und Kuratorium der HMS-Freunde: Petra Werk, Frederick Kubin, Katja Teubner, Harald Teubner und Susanne Völker (von links).

Seligenstadt – Das Votum der Seligenstädter war eindeutig: 52,7 Prozent der Teilnehmer an einer Bürgerumfrage zur Nutzung des Hans-Memling-Schulgebäudes geben der Variante 1 den Vorzug, 3 640 Bürger.

Damit hat sich das Konzept des 2017 gegründeten Vereins Freunde der Hans-Memling-Schule durchgesetzt. Dieses sieht ein Zentrum der Bildung, Kultur und Begegnung für alle Seligenstädter vor. Wie’s weitergeht, fragten wir die Vorstands- und Kuratoriumsmitglieder Katja und Harald Teubner, Petra Werk, Susanne Völker und Frederick Kubin.

Was bedeutet Ihnen die absolute Mehrheit der Stimmen für Variante 1?

Wir freuen uns über das so deutliche Bürgervotum. Damit haben die Seligenstädter mehrheitlich gezeigt, was sie von der Stadt erwarten: Das Haus wird zum Treffpunkt für alle, ein Ort der Begegnung für vielfältige Nutzungen. Wir danken für das dem Verein entgegengebrachte Vertrauen. Die absolute Mehrheit gibt uns Rückendeckung für die konkrete Umsetzung unseres seit 2017 erarbeiteten Konzepts; diese kann nur in Zusammenarbeit auf Augenhöhe mit der Stadt gelingen.

Was sagen Sie zum Vorwurf von Bürgermeister Dr. Daniell Bastian, die Freunde der Hans-Memling-Schule hätten bewusst Unwahrheiten verbreitet?

Die Hans-Memling-Schule wurde zum kommunalpolitischen Thema; der Verein Freunde der Hans-Memling-Schule ist jedoch politisch neutral. Die Kommunikation der Beteiligten verlief oft über Presse und soziale Medien. Dort ist der Ton rauer als im persönlichen Gegenüber. Die Art und Weise, wie sich diese Kommunikation gestaltet hat, hat uns sehr befremdet. Schade war in dem Zusammenhang die durch die Pandemie bedingte Absage der Bürgerinformationsveranstaltung am 11. März. Da hätten sicher einige Punkte geklärt werden können. Die Freunde der HMS hoffen, dass dieser „Wahlkampf“ im Vorfeld der Bürgerbefragung nicht übergeht in einen Wahlkampf zur Vorbereitung der kommenden Kommunalwahl. Das wäre eine Zumutung für die Bürger Seligenstadts und definitiv nicht in unserem Sinne.

Wie soll das Konzept der HMS-Freunde konkret ausgestaltet werden?

Nach dem Beschluss der Stadtverordnetenversammlung entsprechend dem Wortlaut der Bürgerbefragung – Weiterentwicklung durch den Verein Freunde der Hans-Memling-Schule – stehen wir zur Zusammenarbeit mit der Stadt zur Verfügung. Zur konkreten Gebäudeplanung muss von der Stadt ein Planerteam beauftragt werden. Um diesen Planungsauftrag zu konkretisieren, werden wir als Verein, so unser Anspruch, die Nutzerbedarfe bündeln und so konsolidieren, dass jeder sich im künftigen Hans-Memling-Haus wiederfindet.

Der Verein wird alle Bemühungen daran setzen, bereits vor der Sanierung eine Genehmigung zur temporären Nutzung des leer stehenden Gebäudes zu erwirken. Vielleicht kommt mittelfristig die Stärke unseres Konzepts doch zum Tragen: die stufenweise Inbetriebnahme entsprechend den Investitionsmöglichkeiten des städtischen Haushalts, der sicher an die sich momentan verändernde wirtschaftliche Situation angepasst werden muss. Natürlich wäre es wünschenswert, aus dem Vollen zu schöpfen und das gesamte Finanzierungsvolumen auf einmal aufzubringen.

Wie sieht angesichts der Sanierungskosten von fünf Millionen Euro Ihre Finanzplanung aus?

Die Stadt ist als Eigentümerin des Gebäudes auch in der wirtschaftlichen Pflicht. Die von der Stadt in Auftrag gegebene Voruntersuchung von Knapp Kubitza Architekten (März 2019) gibt eine erste Indikation des erforderlichen Investitionsvolumens. Die folgenden Planungsschritte werden dieses Volumen präzisieren, während wir als Verein die Akquirierung von Fördergeldern vorschlagen; die Antragstellung obliegt der Stadt als Gebäudeeigentümerin. Wir gehen davon aus, dass dieses Projekt an öffentlichen Förderprogrammen der Europäischen Union, des Bundes, der Länder und des Kreises gerade als innerstädtisches Kultur- und Bildungshaus mit dem Schwerpunkt der generationsübergreifenden Begegnung partizipieren kann. Damit wird der städtische Haushalt entlastet.

Die temporäre Nutzung und stufenweise Inbetriebnahme ermöglicht zudem, dass Einnahmen durch frühzeitige Gebäudenutzung dem Projekt zugutekommen und die Investitionskosten gestreckt werden. Der Verein wird durch Veranstaltungen Einnahmen generieren, die dem Projekt zufließen. Viele Bürger engagieren sich in unserer Stadt ehrenamtlich. Dadurch steht diesem Projekt eine erhebliche Fachkompetenz in der Regel kostenlos zur Verfügung. Jeder, der bei der Weiterentwicklung mitwirken möchte, ist als Vereinsmitglied willkommen. Es liegt an den Bürgern und an der künftigen Unterstützung des Vereins, inwieweit Eigenleistungen das Einwerben von Spenden dies erleichtern. Es wird ein Haus für alle Bürger entstehen, ein Treffpunkt für Jung und Alt mit vielfältigen Nutzungen.

Ihr Verein möchte das Haus in Eigenregie führen. Wie stemmen Sie die Finanzierung? Ist zum Beispiel daran gedacht, dass die Nutzer Miete zahlen? Und will Ihr Verein für sein beträchtliches Engagement honoriert werden?

Der Verein hat durch Modellrechnungen nachgewiesen, dass die Kosten gedeckt werden. Mit Einnahmen aus der Gebäudenutzung werden die Betriebskosten erwirtschaftet. Dazu leistet jeder Nutzer seinen Beitrag. Bereits heute von der Stadt erstattete Mieten der Volkshochschule werden bei anteiliger Nutzung so umgelenkt, dass sie dem Hans-Memling-Haus und damit der Stadt selbst zugutekommen. Wenn sich Vhs und Musikschule adäquat zum Bevölkerungswachstum weiterentwickeln, wächst die Finanzierung seitens der Stadt entsprechend mit. Fest vermietete Räume wie zum Beispiel Gastronomie generieren konstante Mieteinnahmen. Temporäre Nutzer der variabel zur Verfügung stehenden Räume zahlen einen Nutzungsbeitrag.

Der Verein Freunde der HMS arbeitet ehrenamtlich. Wenn sich das Haus etabliert hat, wäre eine Aufwandsentschädigung für die Verwaltungsarbeit vergleichbar dem Modell der Vhs oder der Musikschule denkbar.

Und wie wollen Sie die Verantwortlichen in der Stadtpolitik dazu bringen, alles Notwendige jetzt anzustoßen?

„Die Stadtverordnetenversammlung erklärt, das Votum der Bürger verbindlich umzusetzen.“ So lautet der Beschluss der Fraktionen der SPD, FDP, FWS und CDU vom 2. September 2019. Auf diese Selbstverpflichtung zählen wir bei der nächsten Sitzung, damit die Weiterentwicklung durch unseren Verein zur Nutzung als Bildungs- und Kulturhaus verbindlich beschlossen wird. Dann ist es an der Zeit, mit der eigentlichen Projektarbeit zu beginnen. Wir stellen uns den Herausforderungen, um ein Haus für Kultur, Bildung und Begegnung baldmöglichst in Zusammenarbeit mit den städtischen Gremien so zu entwickeln, dass jeder sich wiederfinden kann. Wir sind bereit, Gespräche aufzunehmen. Dafür haben wir klare Vorstellungen der notwendigen Schritte formuliert.

Das Gespräch führte Markus Terharn.

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