Nach endlosen Diskussionen

Quo vadis Hans-Memling-Schule?

Kulturhaus-Pläne der HMS-Freunde: Muttertagskaffee auf dem Schulhof. Foto: p

Wird die Hans-Memling-Schule ein Kulturzentrum? Entscheidung fällt im Juni.

Seligenstadt – Auf einen Beschluss zur Einrichtung eines Kulturzentrums im leer stehenden Gebäude der früherer Hans-Memling-Schule (HMS; 2012) folgten über Jahre hinweg endlose Diskussionen, Streitereien, mehrere Schadensgutachten, Anfeindungen, eine eigene Vereinsgründung, Unterschriftenlisten, Nutzungen, Nutzungsverbote und -einschränkungen sowie – zuletzt – schier endlose Fachausschuss-Hearings zu den Prüfungsergebnissen der inzwischen drei Nutzungsvarianten (wir berichteten mehrfach) durch externe Baurechts- und Brandschutzexperten. Nach Überzeugung von Bürgermeister Dr. Daniell Bastian (FDP) liegen nunmehr alle Fakten auf dem Tisch, auch habe reichlich Gelegenheit zu Erörterung und Meinungsaustausch bestanden. Das Projekt HMS sei reif für eine grundsätzliche Entscheidung, und er rechne in der Juni-Sitzung der Stadtverordnetenversammlung mit einem Antrag der Koalitionsfraktionen SPD, FDP und FWS.

Lange Diskussionen um die Zukunft der Hans-Memling-Schule

Rückblende: Reichlich Zahlenmaterial, viel Aufregung, voreilige Schlüsse und Vorhaltungen. Als die Ergebnisse der externen baurechtlichen Untersuchung der drei Nutzungsvarianten auf dem Tisch lagen, schien nichts mehr wie vorher. Zumindest hatte das vor allem in der ersten zweier Sitzung der Fachausschüsse mit reichlich Zuspruch aus der Bürgerschaft den Anschein. Dabei hatte Architekt Jürgen Kubitza bereits zu Beginn seines Vortrags die Aussagekraft seiner Expertise relativiert: „Wir sprechen hier über eine Voruntersuchung zur Meinungsbildung der drei Varianten.“ Auch sei seine Untersuchung in erster Linie eine baurechtliche Betrachtungsweise, die bei einer Umsetzung oft gar nicht entscheidend sei.

Demnach hat sich an der Ausgangslage – formal – so gut wie nichts geändert: Alle drei Varianten sind nach Angaben des Experten grundsätzlich umsetzbar. Gleichwohl ist wohl keiner der Vorschläge – Bildungs- und Kulturhaus mit Gastro-Bereich (Freunde der HMS), Privatschule (einzügige Erasmus-Grundschule mit 100 Kindern samt Krippe und Kindergarten mit weiteren gut 60 Kindern, vornehmlich aus Seligenstadt) sowie gemischtes Bildungs- und Kulturkonzept mit Kita, Gastro-Bereich und Veranstaltungsräumen (SPD) – eine ideale Lösung. 

Abgesehen von den unterschiedlichen Kostenansätzen (dazu: „Beeinflussende Faktoren“) erschweren vor allem Brandschutzanforderungen und die Lage der HMS die Umsetzung jeglicher Planung: Die verkehrliche Andienung ist ebenso problematisch wie die Parksituation. Aber das sind nur „Äußerlichkeiten“, hinzu kommt vor allem die fehlende Barrierefreiheit innen. Entscheidend wird letztlich aber nicht eine Rangfolge, Wertigkeit oder Stimmigkeit sein, sondern der politische Wille.

Entscheidung der Politik wird mit Spannung erwartet

Ein mutmaßlicher Koalitions-Antrag von SPD, FDP und FWS wird insofern mit Spannung erwartet, als die Präferenzen innerhalb des Trios durchaus unterschiedlich verteilt sind. Die SPD dürfte sich mehrheitlich für den Antrag ihres eigenen Ortsvereins stark machen, FDP und Bürgermeister favorisieren die Erasmusschul-Lösung, und die FWS könnte die Rolle des Züngleins auf der Waage spielen. Auf der anderen Seite stehen die Oppositionsparteien CDU und Grüne, die den HMS-Freundeverein bei der Verwirklichung seines Plans eines Kultur- und Bildungszentrums unterstützen. 

Und dann ist da noch jener Verein der Freunde der HMS selbst, der erneut seine Idee von der gemeinnützigen GmbH ins Feld führt und um eine Erbpacht-Variante ergänzte. Und der im ungünstigen Fall bereits über außerparlamentarische Gegenmaßnahmen nachdenkt. Bastian sagte, die HMS sei „kein einfaches Thema in der Koalition“. Er gehe aber davon aus, dass SPD, FDP und FWS „eine Option auswählen und die dann gemeinsam tragen“.

Wie auch immer: Das Projekt HMS dürfte die Stadt und ihre Bürger – auch nach Beschlussfassung - noch lange beschäftigen. Bastian spricht von einer „mehrjährigen Planungs- und Bauphase“. Architekt Kubitza sagte, nach einer Baugenehmigung sei, ein Architekten-Vorlauf vorausgesetzt, mit eine Bauzeit von 18 bis 24 Monaten zu rechnen, das sei realistisch.

VON MICHAEL HOFMANN

Diese Artikel könnten Sie interessieren:

Hängepartie um die Hans-Memling-Schule

„Kein Verständnis für die Hängepartie“ hat die Seligenstädter CDU und fordert den überfälligen Prüfbericht zur Hans-Memling-Schule (HMS) ein. Der anhaltende Stillstand führe in den Ruin.

Hans-Memling-Schule: Bastian will externen Gutachter einschalten

Drei Alternativen zur künftigen Nutzung der früheren Hans-Memling-Schule (HMS) liegen vor und sollen geprüft werden. Aber nicht, wie zunächst angekündigt, von der Verwaltung, sondern von einem externen Gutachter.

Was wird aus Memling-Schule?

Aus dem avisierten Termin „Herbst 2018“ wurde bekanntlich nichts, nun wird sich die Seligenstädter Stadtverordnetenversammlung in ihrer nächsten Sitzung mit der künftigen Nutzung des leer stehenden Gebäudes der Hans-Memling-Schule (HMS) befassen.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare