Anlieger fühlen sich im Stich gelassen

Anbau der Asklepios-Klinik genehmigt - Baubeginn noch in diesem Jahr

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In diesem Bereich des Klinikgrundstücks soll der Anbau entstehen. Links sind die Häuser der Anlieger zu sehen.

Nachdem der Kreis Offenbach grünes Licht für den Anbau an der Asklepios-Klinik in Seligenstadt gegeben hat, soll das Vorhaben nun zügig umgesetzt werden. Wie Asklepios-Geschäftsführer Moritz May auf Anfrage mitteilte, laufen noch einige Ausschreibungen. Läuft alles nach Plan, könnten die Bagger bereits im zweiten Quartal diesen Jahres anrollen.

Seligenstadt – Die Anwohner, die gegen das Projekt protestieren, fühlen sich „als Bürger der Stadt Seligenstadt alleine gelassen“, schreiben sie in einem Brief an Bürgermeister Dr. Daniell Bastian und die Fraktionen der Stadtverordnetenversammlung. Es bleibe das Gefühl, dass die Interessen der Bürger von den Behörden und den Parteien hinter die lnteressen der Unternehmen gestellt würden. „Dabei haben wir immer betont, dass wir einer notwendigen Erweiterung der Klinik nicht im Wege stehen wollen“, schreiben Anwohner Hans Anton Elsen und seine betroffenen Nachbarn. Es sei lediglich darum gegangen, das geplante Gebäude auf dem großzügigen Klinikgelände in einem größeren Abstand zu den Arealen der Anwohner zu errichten. „Nicht einmal das war den Behörden wichtig genug, hier mal wenigstens vermittelnd einzuwirken“, heißt es in dem Schreiben weiter.

Doch beim Kreisbauamt sieht man das anders. Auf ein Schreiben des Anwalts der Anlieger antwortete die Behörde, „dass die landesrechtlichen Abstandsflächenvorgaben vollständig eingehalten sind“. Relevante immissionsschutzrechtliche Beeinträchtigungen seien nicht ersichtlich, auch übersteige der Anbau hinsichtlich Höhe und Geschossigkeit keinesfalls die bereits bestehende Gebäudesituation auf dem Baugrundstück.

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„Nach der uns vorliegenden Rechtsprechung zum Rücksichtnahmegebot genügt es nicht, wenn ein Vorhaben die Situation für die Antragsteller nachteilig verändert“, heißt es im Schreiben der Behörde weiter. Vielmehr beschränkten sich die Fallgestaltungen auf Extremfälle, die vielfach mit baurechtlichen Schlagwörtern wie „Gefühl des Eingemauertseins“, „Gefängnishofsituation“ oder „Abriegelung“ beschrieben werden. Eine solche Situation „liegt hier aber nicht ansatzweise vor.“

Die Antwort der Behörde ist aus Sicht der Anlieger unbefriedigend. So sei nicht auf alle Fragen - etwa den „vollständigen Entzug der Privatsphäre“ - eingegangen worden. Auch habe die Behörde den Anwohnern weder die Gelegenheit gegeben, ihr Anliegen persönlich vorzutragen, noch vor Ort mit ihnen „eine direkte lnaugenscheinnahme durchgeführt. Für uns erweckt das den Eindruck, dass man auf jeden Fall diese Genehmigung erteilen wollte“, schreiben Elsen und seine Mitstreiter in ihrem Brief. Auf die Anliegen der Anwohner habe man gar nicht erste eingehen wollen.

Asklepios-Marathon mit Kälterekord

Mit dem Neubau soll die Modernisierung der Asklepios-Klinik vorangetrieben werden. Im Neubau stehen 98 Betten in Zweibettenzimmern zur Verfügung. Vorgesehen ist auch die Renovierung eines alten Traktes.

Neben der Modernisierung werden aus den derzeitigen Dreibett- ebenfalls Zweibettzimmer. Gebaut wird laut Asklepios-Geschäftsführer May nach den Ursprungsplänen, nachdem die Anlieger das Angebot, den Bau anders positioniert zu errichten, abgelehnt hätten. May betonte auch, dass das Vorhaben wichtig für die Klinik und für Seligenstadt sei. Er rechnet damit, dass der Anbau Anfang 2021 fertig ist.

Von Oliver Signus

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