Ziel: 80 Zeichen in der Minute

Dit, dah und „Schweigen“: Morsekurs bei den Funkamateuren 

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Morsealphabet bei den Seligenstädter Funkamateuren. Kursleiter Tom Backert (vorn, 2.v.l) hat sich auf 30 Übungsabende vorbereitet.

Das Domizil der Seligenstädter Funkamateure im Steinheimer Turm ist nicht gerade üppig mit Platz ausgestattet. Und so traf es sich ganz gut, dass zum Startabend des Funktelegrafie-Kurs 13 Morse-Aspiranten erschienen und die Höchstteilnehmerzahl knapp unterschritten, so Presssprecher Wolfgang Baake.

Seligenstadt – Von 17 bis über 70 Jahre reicht die Altersspanne der aktiven Funkamateure. Ebenso breit ist der Erfahrungsschatz in Sachen Amateurfunk. Der jüngste Teilnehmer hat mit 17 Jahren vor nicht allzu langer Zeit seine Amateurfunkprüfung abgelegt und will in Zukunft auch „in dem erlauchten Kreis der CWisten“ seinem Hobby frönen.

Gemeint mit diesem Begriff sind Funkamateure, die den Funkbetrieb nicht als Sprechfunk mit Mikrofon und Lautsprecher oder Kopfhörer ausüben, sondern unter Einsatz einer Morsetaste. Kursleiter Tom Backert stellte das Lehrprogramm mit den geplanten 30 Unterrichts- und Übungsabende vor. Zunächst werden in Hörübungen die Morsezeichen erlernt. Es gibt im Morsealphabet keine Unterscheidung zwischen Groß- und Kleinbuchstaben. Die Standard-Codetabelle umfasst die Buchstaben von A bis Z und die Zahlen von 0 bis 9. Hinzu kommen Sonderzeichen (beispielsweise Umlaute), Interpunktion und Signale (Spruchanfang, Seenot).

Die Morseaktivitäten beginnen von 20 Zeichen pro Minute („Tempo 20“) an und werden dann sukzessive gesteigert. Ab Tempo 35 etwa wird mit der Zeichengebung über die Morsetaste begonnen. Für eine Prüfung bei der Bundesnetzagentur ist im Hören und im Geben Tempo 60 das Minimum. Ziel des Kurses im Steinheimer Turm ist es, Tempo 75 bis 80 zu erreichen.

Kursleiter Tom Backert informierte über die sogenannte „Normschrift“, bei der gemäß offizieller Definition die „Punkte“ und „Striche“ sowie die Pausen zwischen den Zeichen genormte Längen haben, zum Beispiel ein Strich (dah) hat die dreifache Länge eines „Punktes“ (dit). Entsprechend sind die Pausen („Schweigen“) zwischen den Zeichen definiert. Weitergehende Steigerungen bleiben dann der praktischen Erfahrung und dem Interesse daran vorbehalten und entwickeln sich durch die Praxis fast automatisch.

Geübte Morsefunker kommunizieren mit 240 bis 300 Zeichen pro Minute und mehr. Bei internationalen Wettbewerben in Schnell-Telegrafie sind unglaubliche 800 bis 1000 Zeichen keine Seltenheit. Solche sportlichen Extremleistungen bleiben ohnehin besonders talentierten Telegrafisten vorbehalten. Der Morse-Kurs der Funkamateure in Seligenstadt und Umgebung will den Amateurfunkern in diesem Metier die Möglichkeit eröffnen, ihr Hobby nicht nur im Sprechfunk, sondern auch mittels Funktelegrafie auszuüben. (paw)

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