Personalschriften

Einhard-Gesellschaft übergibt historische Leichenpredigten an Haus Erbach-Fürstenau

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Übergabe der Personalschriften im Archiv des Schlosses Fürstenau (v.l.): Olga Gräfin zu Erbach-Fürstenau, Kunsthistorikerin Dr. Ariane Grigoteit, Dr. Isabelle Gräfin zu Erbach-Fürstenau, Prinzessin von und zu Lichtenstein, Thomas Laube (Einhard-Gesellschaft), Dr. Hermann-Josef Braun (Dom- und Diözesanarchiv Mainz), Louis Graf zu Erbach-Fürstenau, Dorothea Henzler (Einhard-Gesellschaft), Gisela Manstein (Dom- und Diözesanarchiv) und Anja Hering, Odenwaldkreis, Leiterin des Archivs. 

Sechs umfangreiche Personalschriften aus den Jahren 1788 bis 1913 gingen dieser Tage auf Schloss Fürstenau an das Familienarchiv Erbach-Fürstenau über. Fast zwei Jahrzehnte lagerten die wertvollen Handschriften und Drucke im Mainzer Dom- und Diözesanarchiv.

Erbach/Seligenstadt – Seit 1999 waren sie im Besitz der Seligenstädter Einhard-Gesellschaft, die sich unter anderem um deren wissenschaftliche Aufarbeitung und Publizierung sowie das historische Erbe Einhards kümmert. 2016 initiierte die Einhard-Gesellschaft zudem die Katalogisierung und Digitalisierung der bedeutenden Archivunterlagen.

Gut 300 000 Leichenpredigten sind im deutschen Sprachraum bekannt. Diese sogenannten Personalschriften wurden zu wichtigen Lebensereignissen, Geburtstagen, Hochzeiten oder zum Tod vorwiegend Adliger zunächst handschriftlich und später auch gedruckt verfasst. Die Predigten und Reden sind über ihre biografischen Informationen hinaus aufschlussreiche historische Zeugnisse. Sechs solcher Personalschriften wurden aus dem Mainzer Dom- und Diözesanarchiv an das Gräfliche Haus Erbach-Fürstenau übergeben. Zu verschiedenen Jubiläen verfasst, vermitteln sie Informationen zu führenden Persönlichkeiten des Hauses Erbach-Fürstenau aus der Zeit 1788 bis 1855.

Ältestes Zeugnis dieser Leichenpredigten ist das 24 Seiten umfassende, fadengeheftete, großformatige Heft zum Tod der Fürstin Josepha Eberhardine. 1788 von Pfarrer Johann Philipp Wilhelm Luck notiert, dokumentiert die Handschrift in schwarzer Tinte Gedanken, Formulierungen und auch Korrekturen des Geistlichen.

Jüngeres Zeugnis ist die in Heftform gedruckte und publizierte Vita von Louise, Gräfin zu Erbach-Fürstenau von 1913. Gesammelt und ansatzweise katalogisiert hatte die Leichenpredigten ursprünglich der Seligenstädter Landeskonservator Dr. Otto Müller (1911-1999), der zeitweise auch auf Schloss Fürstenau lebte. Nach dessen Tod wurde sein Nachlass auf Anregung der Einhard-Gesellschaft an das Mainzer Dom- und Diözesanarchiv überführt.

Gemeinsam mit Archivdirektor Dr. Hermann-Josef Braun und Gisela Manstein (Dom- und Diözesanarchiv Mainz) wurden die Katalogisierung des sich bis heute im Besitz der Einhard-Gesellschaft befindenden Nachlasses veranlasst. Zudem initiierten die Vorsitzende der Einhard-Gesellschaft, Staatsministerin a.D. Dorothea Henzler, und ihr Stellvertreter Thomas Laube 2016 die Digitalisierung und Dokumentation der Glasnegative und Pläne des wertvollen Bestands.

Zum Projekt stießen 2017 auch Raimund Graf zu Erbach-Fürstenau, damaliger Chef des Hauses Fürstenau, und die Michelstädter Kreisarchivarin Anja Hering. Graf Raimunds Idee und Initiative, die Leichenpredigten wieder in die Fürstenauer Bestände einzugliedern, fand von Beginn an auf allen Seiten breite Zustimmung. Nach seinem plötzlichen Tod übernahm nun sein Sohn Louis, Graf zu Erbach-Fürstenau, die Bestände wieder in das Fürstenausche Familienarchiv.  

mho

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