„Weil Ihr unsere Zukunft klaut“

Erste „Fridays for Future“-Demo in Seligenstadt: 400 Schüler sind dabei

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Das ungemütliche Wetter trübte weder Engagement noch Stimmung. Zwischen Einhard- und Merianschule versammelten sich gestern Schüler, um gemeinsam auf den Seligenstädter Marktplatz zu laufen.

„Es ist unsere Zukunft, wir müssen auf der Erde noch lange leben, wenn die Alten längst tot sind. “ Die Alten, das sind die Politiker und Wirtschaftsvertreter; die, die den Klimawandel zu verantworten haben.

Seligenstadt – Die elfjährige Mia hat eine klare Meinung bei ihrer Teilnahme an der ersten Klimaschutzdemo unter dem Motto „Fridays for Future“. Die laut Polizei etwa 400 Teilnehmer rekrutieren sich aus Jugendlichen der Einhard- und Merianschule, aber auch Schüler aus Hanau lassen sich von ihren Eltern in die Einhardstadt bringen. Auf dem Marktplatz formulieren sie Forderungen an die Politik, aber auch an sich selbst. Die Veranstalter - der Seligenstädter Jugendbeirat in Zusammenarbeit mit dem städtischen Jugendhaus - sprechen gar von 500 Demonstranten.

Mit Parolen wie „Wir sind hier, wir sind laut, weil Ihr unsere Zukunft klaut“, stimmen sich die jungen Leute ein, bevor es in Redebeiträgen von Mitgliedern des Jugendbeirats konkret wird. Sie fordern unter anderem eine Energiewende und das Einhalten der in Paris verhandelten Klimaschutzziele - und gehen aber auch durchaus selbstkritisch zu Werke. Denn ein Wandel kann es nur geben, wenn man auch selbst aktiv wird. Verzicht auf Plastik, weniger Konsum, mehr Berücksichtigung lokaler Erzeugnisse, Fahrrad statt Auto fahren. „Dazu brauchen wir aber mehr Fahrradständer in der Stadt“, fordert Maike Altwein aus dem Organisationsteam.

Für die Ständer, sagt Erster Stadtrat Michael Gerheim am Rand der Veranstaltung, werden derzeit Angebote eingeholt. „Für 80 bis 100 an vier Standorten“, so der SPD-Politiker, der das Engagement der Jugendlichen in Ordnung findet. Allerdings solle es in Verbindung mit Unterrichtsausfall eher eine einmalige Sache bleiben.

Damit sich die Erde weiter dreht, demonstrierten 400 Jugendliche gestern vor dem Seligenstädter Rathaus.

Die auffallend geschliffenen und rhetorisch recht ausgefeilten Reden („Größte Krise der Menschheit“, „Hört nicht auf, Eure Rechte für die Zukunft einzufordern!“) honorieren die Demonstranten mit Beifall.

Sympathien gibt es auch von Zuschauern und älteren Aktivisten, die am Rathausaufgang mit umgehängten Schildern stehen. „Richtig gut“, findet die Aktion ein älteres Ehepaar aus Hanau. Schulstreiks können etwas bewirken, glauben sie, „denn in den vergangenen 30 Jahren ist wenig geschehen“.

Als Konsequenz aus dem Fernbleiben vom Unterricht gibt es für die Merianschüler einen Eintrag ins Zeugnis für unentschuldigtes Fehlen, sagt Schulleiter Günter Urban auf Anfrage.

Schüler in mehr als 100 Staaten verlangen mehr Klimaschutz

Auf der Internetseite der Einhardschule veröffentlichte Leiter Dieter Herr eine Mitteilung, in der er unter anderem aufführt, dass Eltern bzw. volljährige Schüler den Grund für das Fernbleiben mitteilen müssen. Es liege dann im Ermessen des Klassenlehrers, diesen anzuerkennen. Eher symbolischen Charakter hat daher das Statement von Sebastian Kirchen, Leiter der Freien Schule Mainhausen/Seligenstadt, der die Demo zur „Schulveranstaltung“ erklärt.

Nach knapp zwei Stunden friedlichen Protests löste sich die Demo auf.

Von Oliver Signus

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