Damit der Teich nicht kippt

Wasserburg: Feuerwehr verhindern Kippen des Teichs - Experte schlägt weitere Schritte vor

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Trügerische Idylle: Der nördliche Teich an der Wasserburg drohte dieser Tage wieder mal zu kippen. Bauhof und Feuerwehr setzten eine Umwälzpumpe ein. 

Die Feuerwehr hat das Kippen des Teichs an der Wasserburg in Seligenstadt verhindert. Ein Experte schlägt jetzt weitere Schritte vor.

Seligenstadt – Einmal mehr konnte der städtische Bauhof unter Mithilfe der Feuerwehr nur durch den Einsatz einer Umwälzpumpe das Umkippen des nördlichen Teichs an der Wasserburg in Seligenstadt verhindern. Bei einem Lokaltermin informiert Eugen Jerat über Ursachen des „Kippens“, die Folgen, aber auch Präventionsmaßnahmen. Jerat war 22 Jahre lang Vorsitzender des Angelsportclubs Dudenhofen und hat sich in diversen Fortbildungen intensiv mit dem Thema Gewässerschutz befasst.

Der nördliche Teich an der Wasserburg ist aus verschiedenen Gründen besonders gefährdet. Zum einen verfügt er nur über die maximale Wassertiefe von einem Meter. Hinzu kommt die geringe Fläche von etwa 4000 Quadratmetern. Weiterhin handelt es sich um ein sogenanntes Oberflächenwasser, das bedeutet, dass er ausschließlich durch Grundwasser und Regenfälle gespeist wird. Die übrigen Teiche an der Wasserburg hingegen auch von ober- und unterirdischen Bächen.

Wasserburg in Seligenstadt: Zu viele Nährstoffe im Wasser

Ein Gewässer kippt, wenn zu viele Nährstoffe wie beispielsweise Pollen, Kotablagerungen, Brotreste oder auch Dünger ins Wasser gelangen. Dieser Nährstoffüberfluss, in der Fachsprache als Eutrophierung bezeichnet, führt dazu, dass sich die Algen rasant vermehren und üppig wachsen. Irgendwann sterben die Algen ab und verrotten. Dabei entziehen sie dem Wasser große Mengen an Sauerstoff.

Dies kann gerade im Sommer gefährlich werden, denn warmes Wasser enthält ohnehin schon weniger Sauerstoff als kaltes. Im schlimmsten Fall führt der Sauerstoffmangel dazu, dass Lebewesen wie Fische im Teich ersticken. „In der Folge entwickeln sich sogenannte Faulgase, das Gewässer beginnt zu stinken und jegliches Leben im Teich oder See erlischt“, erklärt Jerat.

Wasserburg in Seligenstadt: Gewässer braucht Zeit zur Erholung 

Ist das Gewässer einmal gekippt, dauert es sehr lange, bis es sich wieder erholt. Wird im schlimmsten Fall eine Grunderneuerung erforderlich, bewegen sich die Kosten meist im fünfstelligen Bereich.

Bei den möglichen Vorsorgemaßnahmen ist der Einsatz von Umwälzpumpen eine Notlösung, um für den Moment das Schlimmste zu verhindern. Der See wird gelüftet, und der Sauerstoffgehalt erhöht sich dadurch. Aber das sei keine Dauerlösung und behebe nicht die Ursachen, so der Sachkundige. Erster wichtiger Schritt sei die Überprüfung der Wasserqualität auf Sauerstoffgehalt und pH-Wert im Frühling, Sommer und Spätherbst. Bei extremen Klimaverhältnissen auch öfter.

Weiterhin sollte nach Jerats Ansicht eine sorgfältige Pflanzenmahd und Gehölzpflege am Uferrand erfolgen wie beispielsweise die regelmäßige Entfernung von Ästen oder Gräsern, die ins Wasser ragen. Auch sollte regelmäßig der Fischbestand überprüft und gegebenenfalls reduziert werden, da auch zu viele Kotablagerungen der Fische ein Gewässer stark belasten können, denn auch sie stehen auf dem „Speiseplan“ der Algen.

Wasserburg in Seligenstadt: Keine Enten füttern 

Und nicht zuletzt kann auch jeder Einzelne etwas tun, in dem er die Enten nicht mit Brot und anderen Nahrungsresten füttert. Auch wenn diese „Fast Food“ gerne zu sich nehmen, ist dies gesundheitsschädlich, da es oft zu viel Salz enthält und im Magen aufquillt. „Es ist eine falsch verstandene Tierliebe“, so Jerat. Die natürliche Nahrung dieser Tiere besteht neben pflanzlichen Stoffen unter anderem aus Weichtieren, Larven, kleinen Fischen, Würmern oder Schnecken. Davon bietet ihnen die Natur genug. Darüber hinaus zieht das herumliegende Futter am Ufer natürlich auch „Mitesser“ an, wie beispielsweise Ratten, Waschbären und Co. Das übermäßige Füttern stört auch das ökologische Gleichgewicht der Gewässer, da ein großer Teil davon auf dem Grund landet.

„Vielleicht sollte auf den oft nicht beachteten Schildern zum Fütterungsverbot auch das Warum erwähnt werden“, schlägt Jerat vor. „Gerade im Hinblick auf den klimatischen Wandel werden die Gefahren für die Gewässer steigen, deshalb sollten wir uns intensiv mit deren Pflege und Erhalt beschäftigen. Für die Menschen bedeuten sie Lebensqualität, und für viele Lebewesen sind sie die Lebensgrundlage.“

Von Doris Becker-Herr

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