Flattermänner im Forst besucht

Führung zu Fledermäusen - 18 Arten in Seligenstadt beheimatet

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Mit Detektor: Expertin Denise Klassert führte 25 Fledermaus-Fans durch den Seligenstädter Forst.

Auf den Spuren der „Kobolde der Nacht“ wandelten 25 Fledermaus-Fans aus Seligenstadt, Hainstadt, Zellhausen und Steinheim im Seligenstädter Stadtwald.

Seligenstadt – Denise Klassert (AG Fledermaus- und Amphibienschutz Seligenstadt/Mainhausen) nahm sie mit auf eine zweistündige Exkursion entlang des Fledermauspfads. Mit vier Kollegen betreut sie mehr als 600 Fledermauskästen.

Die Nachbildung eines Großen Mausohrs, das es auf eine Flügelspannweite von 40 Zentimetern bringt, diente der Anschauung. „Fledermäuse sind die einzigen Säugetiere, die mit den Händen und der darin wachsenden Flughaut fliegen können“, erläuterte Klassert, die eine nur wenige Gramm wiegende Mückenfledermaus mitgebracht hatte. „Weltweit gibt es an die 1400 Arten, 23 davon in Hessen, 16 im Seligenstädter Stadtwald, dazu zwei in der Innenstadt – Zweifarbenfledermaus und Graues Langohr.“

Fransenfledermaus ist eine der häufigeren Arten

Die Fransenfledermaus, eine der häufigeren Arten, hat ihre Wochenstube in den aufgehängten Kästen. Langohr, Mausohr und Mückenfledermaus, in der Dämmerung knapp über den Köpfen Wasser trinkend zu beobachten, zählen zu den hiesigen Arten. „Früher gab es den Abendsegler oft, jetzt fast gar nicht mehr“, klagte Klassert. Als Ursache vermute sie den Insektenrückgang.

„Die Hufeisennase ist mit den Flughunden verwandt“, erläuterte Klassert an einer Tafel. Rauhautfledermäuse säugten oft Zwillinge von unterschiedlichen Vätern. In ihren Flugkorridoren nach Lettland, wo die Weibchen den Sommer verbringen, warten die standorttreuen Männchen und begatten sie.

Jede Art hat ihre Eigenart: Aussehen, Größe, Ernährung. Das Große Mausohr jagt mit Ultraschall. Am Boden lebende Käfer decken 80 Prozent ihres Nahrungsbedarfs. Paarungszeit ist im Herbst, die Spermien ruhen im weiblichen Körper, der Fötus entwickelt sich erst im Jahr drauf, wenn es genug Nahrung gibt.

Kopfüber festgekrallt schlafen

Fledermäuse fliegen die Kästen von unten an und krabbeln an die Decke hoch, wo sie kopfunter festgekrallt schlafen. Pro Tag fressen sie 50 Prozent ihres Körpergewichts, säugende Weibchen bis zu 80 Prozent. Die Insektenfresser fliegen in der Dämmerung aus und betreiben damit sozusagen biologische Schädlingsbekämpfung.

Diese Mückenfledermaus päppelt Klassert wieder auf.

Mit einem Fledermausdetektor machte die Expertin die Hochfrequenz-Echolaute hörbar. Der Große Abendsegler etwa stößt Laute auf einer Frequenz von 18 bis 20 Kilohertz aus – für bis zu 16 Kilohertz hörende Menschen ohne Detektor nicht wahrnehmbar. „In der Ruhe hat die Fledermaus einen Puls von 400, bei der Jagd das Dreifache“, überrascht die Expertin; auch damit, dass Fledermäuse in Ruhe nur dreimal pro Minute atmen. Und: „Sie können 30 Jahre alt werden. Wir haben mal eine beringte Rauhautfledermaus gefunden, die war bereits 39!“

Kästen im Forst als Wohnraumergänzung

Die Flattermänner jagen je nach Art in Baumschneisen, über Gewässern, am Boden und zwischen Bäumen. Kästen im Forst sind jedoch nur Wohnraumergänzung; normalerweise haben die vagabundierenden Flugsäuger ihr Nachtquartier in Spechthöhlen oder – wie die Mopsfledermaus – unter abstehender Baumrinde. „Ihre Quartiere werden immer weniger, weil Totholz und Bäume durch die Bewirtschaftung abgeräumt werden“, bedauert Klassert.

Mittlerweile sei fast jede Art gefährdet, gar vom Aussterben bedroht. Der Insektenmangel, verursacht durch Glyphosat und Neonikotinide, sei ein Riesenproblem: Das Gift wird ins Fettgewebe eingelagert. Wenn die Fledermaus aus dem Winterschlaf erwacht, benötigt sie diese Energiereserve, das Gift wird freigesetzt.

„Ein gesunder Wald ist nur möglich, wenn es Fledermäuse gibt“ betonte Denise Klassert abschließend. „Denn sie jagen Insekten und Baumschädlinge.“

Holger Hackendahl

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