Hans-Memling-Tafel

Großer Sohn der Stadt

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Memling-Tafel zum Jubiläum der Ordensbruderschaft (v.l.): Georg Hüter, Dr. Hans Rolf Flechsenhar, „Patin“ Marianne Neubauer und Heimatbundchef Richard Biegel. 

Zu ihrem 30. Gründungstag stiftet die „Ordensbruderschaft vom Steyffen Löffel“ eine Hans-Memling-Tafel, die am ehemaligen Wohnhaus des Malers in der heutigen Aschaffenburger Straße 5 am Marktplatz angebracht werden soll. 

Seligenstadt - Bei einem Geburtstagsumtrunk wurde der Entwurf zuvor vorgestellt: „Hier lebte um 1440 der Maler Hans Memling, gestorben in Brügge“. Die Gestaltung hat der Bildhauer Georg Hüter übernommen, der einen Sandstein aus Mömlingen, dem möglichen Herkunftsort von Memlings Vater, verwendet hat. Mit der ovalen Form soll an die Malerpalette erinnert werden. Marianne Neubauer enthüllte die Tafel. Mit einem Glas Hörsteiner Wein und dem von Richard Pappert angestimmten Löffellied fand der Geburtstagsumtrunk der Bruderschaft seinen Abschluss.

Mit der Gedenktafel soll an einen großen Sohn der Stadt erinnert werden, nach dem eine Straße, eine Schule und ein Saal des Riesen benannt sind. Dr. Hans Wurzel stellte die Biografie des Malers kurz vor. Memling wurde um 1435 in Seligenstadt geboren und nach Wanderjahren über Köln nach Brügge als Maler europaweit bekannt. Zu seinen bekanntesten Werken zählen der „Lübecker Altar“ und die „Anbetung der Könige“, die auf einer Sonder-Weihnachtsbriefmarke der Deutschen Bundespost zu seinem 500. Todestag 1994 in Seligenstadt vorgestellt wurde. Im gleichen Jahr führte eine Exkursion der Ordensbruderschaft nach Brügge. Memling starb dort am 11. August 1494.

Trotz dreier Namensgebungen in Seligenstadt entdeckt der kulturinteresssierte Mensch bislang kaum Hinweise auf den berühmten Künstler. Lediglich etwas versteckt im Rathausinnenhof findet sich ein Hinweis - ein Memling-Gedenkstein. Alte Seligenstädter erinnern sich in diesem Zusammenhang - etwas peinlich berührt - an jenes Jahr 1994, als eine belgische Delegation die Einhardstadt besuchte und sich sehr enttäuscht über die kaum zu spürende Erinnerungskultur in der Geburtsstadt des „Deutschen Hans“ zeigten. Brügge organisierte damals eine große Ausstellung zum 500. Todestags Memlings, eines der führenden Malers Ende des 15. Jahrhunderts, dessen Porträts sich in ganz Europa verbreiteten. Auch in der Stadt Seligenstadt selbst, so fanden die Gäste aus Belgien heraus, wissen kaum einer etwas über den herausragenden Künstler.

Wer ein wenig Quellenstudium betreibt, der wird feststellen, dass es gut ein Dutzend verschiedener Lebensläufe Memlings gibt, auch dass oft der eine die Ergüsse des anderen Autors abgeschrieben hat. Seligenstadt als Geburtsort indes scheint unstrittig, wenn auch ganz offensichtlich kaum einer weiß, wo die Geburtsstadt des großen Künstlers genau liegt. So finden wir bei der Memling-Recherche: Seligenstadt nahe Aschaffenburg, Seligenstadt im Odenwald, Seligenstadt bei Mainz oder Seligenstadt nahe Frankfurt. Ob er nun auf Umwegen über Köln, „wo er die Arbeiten Stefan Lochners kennengelernt hat“, nach Belgien kam oder als Jan van Memmelynghe, Jean Memlinc, Jan van Memnelinghe, Johannes Memmelinc wahlweise auch Hans Memelink „wohl zuerst in Mainfranken ausgebildet wurde, von wo es ihn den Rhein hinab zieht“ - wir wissen es nicht. Bei einem Dritten hat Memling „eventuell schon von Anbeginn seiner Zeit in Brügge gelebt“. Unter allen Vorbehalten geben wir auch diese Aussage weiter: „Das Andenken Memlings wurde zunächst in seinem Geburtsort Seligenstadt bewahrt, wo im frühen 16. Jahrhundert noch Messen für ihn gelesen wurden.“

Gesichert ist: Memling war zu seiner Zeit der führende Maler in Brügge. In seiner Werkstatt entstanden Altartafeln für Kirchen und Klöster, Heiligen- und Madonnenbilder für den privaten Bereich sowie bürgerliche Porträts.

Bei den Jahreszahlen und Namen der Ordensbruderschaft vom Steyffen Löffel besteht indes keinerlei Unklarheit: Wie Ordensmeister Dr. Hans Rolf Flechsenhar zusammenfasste, wurde die Bruderschaft am 27. Juli 1989 im Romanischen Haus von 38 Personen gegründet. Am gleichen Tag wurde auch die Löffeltrinkerfigur an der Aschaffenburger Straße eingeweiht, die ebenfalls von Georg Hüter stammt. Von den Gründungsmitgliedern waren bei der Vorstellung der Memling-Tafel, Dr. Hans Wurzel, Ludwig Krayer, Dr. Peter Kappen und Heinz Scherer dabei. Für die Stadt Seligenstadt begrüßte Flechsenhar Stadtrat Michael Gerheim sowie Ehrenbürgermeister Rolf Wenzel, ebenso den Heimatbundvorsitzenden Richard Biegel.

von Michael Hofmann

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