Stadtverordnete billigen Umgestaltung

Grünes Licht für Ausbau des Bahnhofsumfelds

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Entlang der Eisenbahnstraße vor dem Bahnhofsgebäude wird sich einiges verändern.

Busbahnhof mit Wendeschleife, viel Platz für Fahrräder, Pendler-Autos und eine Ladestation für Elektrofahrzeuge – ohne Gegenstimmen haben die Stadtverordneten am Dienstagabend den Vorentwurf für den Ausbau des Bahnhofsumfelds zum Nahverkehrsknotenpunkt gebilligt.

Seligenstadt – Die Grünen enthielten sich der Stimme, weil ihnen im Konzept des Planungsbüros Habermehl und Follmann zu wenig über den Erhalt alter Bäume steht.

Ebenso wie die CDU drängten die Grünen darauf, vor der Umsetzung die Bürger einzubeziehen. Das gehöre sich nach der jahrelangen, zeitweise emotional geführten Diskussion, betonte insbesondere CDU-Fraktionschef Joachim Bergmann. Einem Antrag der Union, die Pläne „in geeigneter Weise“ der Bevölkerung vorzustellen, schlossen sich alle Fraktionen an. Keine Mehrheit fand die Grünen-Forderung, die Ergebnisse einer Bürgerversammlung abzuwarten, einzuarbeiten und erst dann über den Vorentwurf zu beschließen. Im nun folgenden Bauleitplanverfahren, das aus dem Konzept einen verbindlichen Bebauungsplan machen soll, sei ohnehin Bürgerbeteiligung vorgesehen, stellten Rolf Wenzel (SPD) und Bürgermeister Dr. Daniell Bastian (FDP) klar.

Den jetzt vorliegenden Entwurf, von den Stadtverordneten im Sommer 2016 in Auftrag gegeben, bezeichnete Wenzel als Ergebnis dreijähriger „Sisyphusarbeit“ und erinnerte an zahllose Gespräche mit der Bahn, der Kreisverkehrsgesellschaft (KVG), dem privaten Eigentümer des Bahnhofsgebäudes sowie den Versorgungsträgern, deren Strom- und Gasleitungen betroffen sind. Fest steht jetzt, dass der Bahnhof die zentrale Schnittstelle zwischen Bahn-, Bus- und Individualverkehr in der Kernstadt wird. Alternativstandorte für den „ÖPNV-Verknüpfungspunkt“ (Magistratsvorlage), etwa an der evangelischen Kirche, waren auf Einspruch der KVG verworfen worden.

Gleichsam auf der Zielgeraden gelang laut Bauamt eine Einigung mit KVG und Bahn, wonach im Südosten des Bahnhofs nahe dem Knoten Würzburger/Eisenbahnstraße eine Wendeschleife für Linienbusse teilweise auf DB-Gelände eingerichtet wird. So entfällt die ungeliebte Option, die Busse für den Richtungswechsel eine Schleife durch die Giselastraße ziehen zu lassen. Die Versorgungsgebäude für Strom und Gas am Abzweig verlängerte Eisenbahnstraße verschwinden und werden anderswo deutlich kleiner errichtet. Fest steht auch: Für Touristenbusse, die nach ersten Überlegungen dort Abstellmöglichkeiten bekommen sollten, ist am Bahnhof kein Platz.

Über die Grundzüge der Planung war bei den Ausschussberatungen im Mai weitgehend Einigkeit erzielt worden. Demnach entstehen beiderseits der Eisenbahnstraße nördlich des Bahnhofs barrierefreie Busbuchten für je zwei Gelenkbusse in den Fahrtrichtungen Mainhausen/Aschaffenburg und Obertshausen/Weiskirchen/Langen. An einem Fahrbahnteiler zwischen den Einmündungen Bahnhofstraße und Wolfstraße enden beiderseitige Fahrradschutzstreifen aus Richtung Würzburger Straße. Weiter in Richtung Frankfurter Straße kommen Radler auf der Fahrbahn oder auf einem kombinierten Geh- und Radweg, vorbei an zwei Stellplätzen für Anruf-Sammeltaxis nördlich der Einmündung Kaiser-Karl-Straße.

Südlich des Bahnhofs ist Platz für eine P&R-Anlage mit 98 Parkplätzen, dazu vier Plätzen zum Laden für E-Autos, vier Behinderten- und zwei Carsharing-Plätzen. Eine Fahrrad-Abstellanlage bietet 98 Plätze in Boxen und 32 an Bügeln. Ob das reicht, bezweifelte Grünen-Sprecherin Adina Biemüller: Allein von Schülern würden morgens über 130 Räder am Bahnhof abgestellt. Den Schutz der alten Bäume im Süden und entlang der Eisenbahnstraße wollen die Grünen weitestmöglich sichergestellt sehen. Es werde „nicht mehr gefällt als unbedingt nötig“, sicherte der Bürgermeister zu.

Kosten soll der komplette Umbau rund 2,8 Millionen Euro. Wie viel als Zuschuss vom Land Hessen kommt, ist noch unklar: Der beschlossene Entwurf ist Grundlage des Antrags an Hessen Mobil, den das Rathaus schnellstmöglich stellen will. Beginnen kann der Umbau laut Bauamt frühestens nach Fertigstellung des Kreisels Kapellenplatz im Frühjahr 2021, als Bauzeit ist ein Jahr eingeplant.

Keinesfalls im Weg stehen dürfe die Neugestaltung einer Beseitigung des Bahnübergangs am Wasserturm, hatte die CDU in einem Änderungsantrag gefordert. Die Möglichkeit zum Bau eines Tunnels oder einer Überführung, „und sei es in 100 Jahren“, müsse angesichts der Belastung durch Lärm, Gestank und Staus vor den Schranken unbedingt offenbleiben, appellierte Johannes Zahn. Den Antrag unterstützten nur die Grünen. SPD, FDP und Freie Wähler lehnten ihn als überflüssig ab.

VON OLIVER KLEMT

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