Neues Feld betreten

So möchte ein Landwirt Bürger als Insektenhelfer gewinnen

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Die Blühmischungen stehen schon bereit: Norbert (rechts) und Sohn Steffen Zöller hoffen nun auf Unterstützung aus der Bevölkerung.

Von Frühjahr bis Herbst soll Bienen und anderen Insekten in Seligenstadt dank blühender Landschaften ein opulentes Nahrungsangebot zur Verfügung stehen. Dafür möchte Landwirt Norbert Zöller mit Unterstützung der Bevölkerung sorgen.

Seligenstadt – Mit einer Art Patenschaft für eine Blühfläche können die Bürger als „Insektenhelfer“ tätig werden. Die Landwirte, so stellt Zöller fest, befinden sich in letzter Zeit häufig in der Defensive. Mit dieser Idee wollen Zöller und sein Sohn Steffen in die Offensive gehen und den Mitbürgern anbieten, sich zu beteiligen. Und das läuft so ab: Auf ausgewählten Feldern werden einjährige Blühmischungen ausgesät. Diese Mischungen werden schon seit einigen Jahren auf einzelnen Flächen streifenförmig ausgesät und haben sich bewährt – und stoßen auch bei der Bevölkerung auf ein positives Echo. Mit Unterstützung der Bürger oder auch Firmen als Paten sollen diese Blühflächen aber in sehr viel größerem Umfang möglich werden. Zöller stellt dafür Ackerland zur Verfügung, auf dem ansonsten Getreide, Kartoffeln, Mais oder Braugerste wachsen würde. Damit erwirtschaften die Landwirte normalerweise ihren Lebensunterhalt. Der Ernte- und damit Ertragsausfall durch die Blühflächen soll mit dem Geld, das die Bürger für Patenschaften zahlen, ersetzt werden. Aber auch der Landwirt selbst trägt seinen Teil bei. Pro zehn Quadratmeter, die ein Bürger „kauft“, gibt er zehn Quadratmeter hinzu, verdoppelt also die Fläche.

Norbert Zöller hat sein Vorhaben im Landwirtschaftsamt, beim Bauernverband und bei Kollegen vorgestellt. Die Idee kam gut an, anschließen will sich aber bislang keiner der Landwirte. „Es ist erst mal ein Risiko, weil ich nicht weiß, wie es ankommt“, räumt Zöller ein. Sprich, ob sich eine nennenswerte Zahl von Interessenten findet, die sich als Paten beteiligen. Bisher gebe es in der Region nichts Vergleichbares. „Ich bin bereit, dieses Feld neu zu betreten“, sagt Zöller. Erste Anmeldungen liegen nach persönlichen Gesprächen vor.

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Eine Blühfläche von zehn Hektar ist sein Ziel fürs erste Jahr. Wenn die Idee funktioniert, könnte die sich auf lange Sicht verdoppeln. Insgesamt 90 Hektar Ackerland bewirtschaftet Familie Zöller, 80 bis 90 Prozent davon auf Pachtflächen.

Insekten müssen nicht hungern

Blühmischungen für etwa einen Hektar hat Zöller bereits vorrätig. Auf 8000 Quadratmetern würde er diese in jedem Fall aussäen, auch wenn seine Initiative nicht die erhoffte Resonanz erfährt. Die Saat erfolgt Anfang Mai, weil die Samen frostempfindlich sind. Vorher blüht der Raps, sodass die Insekten bis dahin nicht hungern müssen. In der Blühmischung sind unter anderem Kornblume, Ringelblume, Klatschmohn, Dill, Sonnenblume, Koriander und Steinklee enthalten. Sechs bis acht Wochen stehen diese Pflanzen in der Blüte. Danach sorgen die Landwirte mit ihren angebauten Zwischenfrüchten auf anderen Feldern dafür, dass für die Insekten bis zum Herbst weiterhin Nahrung zur Verfügung steht.

Bienen im Garten Nahrung bieten

Der Anbau von Zwischenfrüchten, der erst nach der Ernte erfolgt, wurde 2018 erstmals von der Stadt Seligenstadt finanziell unterstützt – zur Förderung der Artenvielfalt und des Insektenschutzes.

Die Blühflächen hingegen sollen parallel zur Hauptproduktion angelegt werden. Der Landwirt möchte dabei gemeinsam mit seinen Mitbürgern einen Beitrag zum Naturschutz leisten. Wer die Aktion unterstützen und die Patenschaft für eine Blühfläche übernehmen will, kann sich bis Ende April bei Familie Zöller melden. Der Zöllerhof lädt dann im Mai zu Infoveranstaltungen ein, damit jeder genau weiß, wo sich seine Blühfläche befindet.

Von Katrin Stassig

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