Neue Ideen umsetzen

Leonie Krauß-Buck über Parlament, Mahnwache und die Nicht-Bunten

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Krauß-Buck: Die Symbolik nicht erkannt.

Mit dem 65. Treffen auf dem Seligenstädter Marktplatz endete am Mittwochabend das Projekt Mahnwache.

Seligenstadt – Im Gespräch mit unserer Zeitung zieht Pfarrerin Leonie Krauß-Buck, zusammen mit ihrer Kollegin Charlotte Voß, Initiatorin der damit verbundenen Unterschriften-Aktion „Sicherer Hafen“, eine (vorläufige) Bilanz.

Sie haben die jüngste Stadtverordnetenversammlung besucht. Wie bewerten Sie die Diskussion über die Thematik Seebrücke/Sicherer Hafen?

Ich finde, das Thema wurde weitestgehend respektvoll behandelt, auch wurde die Anerkennung unseres Engagements deutlich. Mir fiel aber auch auf, dass unsere eigentlichen Ziele bei manchen Parlamentariern nicht richtig rübergekommen sind. Jedenfalls wurde die Symbolik, die der „Sichere Hafen“ beinhaltet, nicht erkannt oder nicht richtig bewertet. Das mag in Ansätzen auch unser Fehler gewesen sein. Ein positiver Beschluss, also die Stadt als sicherer Hafen, hat ja nur dann deutlich erlebbare Konsequenzen, wenn die Bürgerinnen und Bürger dieser Stadt es ausdrücklich wünschen. Abgesehen von einem generellen (und zwingenden) Regierungsbeschluss müsste die Stadtverordnetenversammlung in unserem Fall einer möglichen Aufnahme von Flüchtlingen ausdrücklich zustimmen. Aber darum geht es ja gar nicht. Wir wollten, dass die Stadt ein Zeichen setzt, nämlich das: Die derzeitige Migrationspolitik in Europa finden wir falsch und menschenunwürdig. Wir fordern sichere Fluchtwege und faire Asylverfahren, Unterstützung für die Integrationsbemühungen, wie sie auch in unserer Stadt beispielhaft betrieben werden.

Am Mittwochabend fand die 65. und letzte Mahnwache auf dem Seligenstädter Marktplatz statt. Was nun, Frau Krauß-Buck?

Wir hatten in den letzten Monaten viele neue Ideen, wie wir die Diskussion und die Auseinandersetzung um den Umgang mit Menschenrechten und die Stärkung von Demokratie und respektvollem Gemeinwesen in unserer Region weiterführen wollen. Die hatten wir bisher nicht umsetzen können, weil die wöchentliche Veranstaltung auf dem Marktplatz unsere ganzen Energien beansprucht hat. Diese Ideen wollen wir jetzt mit allen, die sich engagieren wollen, umsetzen.

Ein Blick hinüber zur Initiative „Seligenstadt ist bunt genug“.

Es fällt mir schwer das zu sagen, aber ich verstehe diese Menschen mit ihrem sehr polarisierten Weltbild nicht. Die, die nicht mehr gesprächsbereit sind, also nicht mehr hören und aufnehmen können, was nicht diesem Weltbild entspricht, sind, fürchte ich, für unsere Demokratie verloren. Einige der Initiatoren halte ich für gefährlich, weil sie andere instrumentalisieren, rücksichtslos für ihre Zwecke einspannen und eine Atmosphäre der Bedrohung und Einschüchterung schaffen. Wie gewaltbereit sie in letzter Konsequenz sind, kann ich nicht beurteilen. Ich hoffe da auf unsere Ordnungsbehörden, dass sie diese Situation richtig einschätzen können.

Ihre ganz persönliche Bilanz nach mehr als einem Jahr Engagement?

Es ist für mich heute unabdingbar, in dieser Weise weiter aktiv zu bleiben. Die Erfahrungen der letzten Monate haben mich nicht mutlos gemacht, im Gegenteil. Wir haben viel Zustimmung und Unterstützung erfahren, viele Menschen und auch neues Denken kennen und schätzen gelernt. Ich habe die Hoffnung jedenfalls nicht verloren, dass man mit zivilgesellschaftlichem Engagement etwas in unserer Region und darüber hinaus bewirken kann. 

 Die Fragen stellte Michael Hofmann

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