Elf Gruppen bei Wettbewerb

Männerballett in reinster Form

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Auf Platz drei landeten die Wagenbauer mit ihrer fulminanten Darbietung.

Am Aschermittwoch ist alles vorbei – außer Männerballett! Nach dem Possmann-Cup in Mühlheim ermittelte nun die Germania 03 in der Halle des Heimatbunds aus elf Teams die größten Karnevalisten im Kostüm.

Seligenstadt – Die Disziplin der Tänzer und Turner fordert heute spektakuläre und sportliche Leistungen - und spendet im Gegenzug Trostpflaster für abgeblasene Rosenmontagszüge. Zumindest die Seligenstädter Wagenbauer müssen das Desaster ohne dauerhafte Schäden überstanden haben. Im Stechschritt und in ihrer knallroten napoleonischen Uniform der Prinzengarde marschierten sie durch den voll besetzten Saal auf die Bühne. Moderator Michael Millitzer schwärmt vom „Männerballett in seiner reinsten Form“, erkennt in der Kompanie „’n Haufe’ Leut’, die in Seljestadt was zu sache ham“.

Dazu hatten die Dreispitz-Träger allerdings keine Gelegenheit. Die ganze Zeit zu lächeln war schon anstrengend genug, und dann die Sprünge im Polka-Takt und zur Musik von James Last! Hebefiguren und Würfe führten sie mit aufgeblasenen Tanzmariechen aus, Respekt verschafften sie sich mit schwerem Geschütz, die Konfetti-Kanone ließ reichlich Papierschnipsel in die Gläser der Jury vor der Bühne segeln.

Noch mehr Rot blendeten die Wachebüscher Ballettschläppscher. Die „Knastbrüder“ von der Freien Turnerschaft türmten mit Hilfe von Elvis’ „Jailhouse Rock“ und frönten der Freiheit im Las-Vegas-Spielcasino zu David Hasselhoffs „Looking For Freedom“. Inzwischen hatte sich die Hälfte der Mannschaft in Damen mit kurzen Glitzernden, Federboa, roten Perücken und glattrasierten Waden verwandelt. Das konnten die „Dancer der PGAG“ auch. Die Abkürzung steht für „Plattgedappte Ausschmeißgudsjer“.

Da war sie wieder, die schmerzvolle Erinnerung an den verpassten Zug, verschwand aber rasch unter den bunten Rüschchen der Can-Can-Kleider. Mehr Akrobatik und flotte Figuren waren im knappen Goldkleid drin. Eine sichere Pyramide als Schlussbild ist Standard – schon allein fürs Gruppenfoto für die Chronik.

Ehemalige Kinderprinzessinnen verteilten Anstecker, Co-Conferencier Dirk Rollmann, ebenfalls ein Fastnachtsfreund, ließ die Namen aufsagen und verriet die Altersspanne: Von 20 bis knapp 60 Jahre reichte sie!

Synchrone Bilder in „Teppichvorlegern“, wie Millitzer die reich verzierte Tracht der Klein-Krotzenburger Squaws vom Stamm der Turnerschaft bezeichnete, bildeten die leicht Befederten.

Ebenso einheitlich, aber als „Onkel Sam“ brachte die TGS den „blonden Donald“ ins Rampenlicht. Das ging auch nicht ohne Konfetti-Regen, doch auf der Bühne fehlten Besen.

Nicht lange. Hinter „Taktlos“ verbargen sich die „Umwelthelden“ von den Rodgauer „Taktwerken“. In den orange-farbenen, reflektierenden Uniformen der Müllkutscher begeisterte die junge Mannschaft mit einer artistischen Choreographie. „The Boys Are Back“ an Bar und Jukebox – und mit Norbert, der Zwei-Meter-Frau mit meterhohen Lackstiefeln. „Jenny’s Sklaven“ flogen mit Fliegen am Hals und Hosenträgern auf weißen Hemden übers Parkett.

Karneval Verein Mühlheim lädt zum Männerballettturnier: Bilder

Die Katholischen Karnevalisten Mühlheim brachten zuvor die 90er Jahre in T-Shirt und Techno-Takten zurück, den Auftakt übernahmen die Gastgeber von der Germania, die „Rodaupiraten“ von den „Elf Babbschern“ aus Obertshausen, „Just4Beer“ und „Die Schlabbedabber“. Noch mehr Augenweide brachten die „Dancing Sisters“ von der TGS mit ihrer „Jim Knopf“-Nummer und die „Fireflies“ vom Heimatbund mit Wolle-Petri-Stimmung mit.

Es siegte die Zellhausener Formation „Just4Beer“, gefolgt von „Taktlos“ (Rodgau) und dem Wagenbauer-Ballett aus Seligenstadt. Von Michael Prochnow 

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