Alles per Handschlag abgesprochen

Seligenstädter veruntreut 282.500 Euro - sogar Stiftung Warentest warnte

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Mann veruntreut 282.500 Euro - zeigt sich aber geständig

Ein 52-Jähriger veruntreute 2011 insgesamt 282.500 Euro, um letztlich vergeblich Löcher zweier vom Bankrott bedrohter Firmen zu stopfen. Sogar Stiftung Warentest warnte.

Seligenstadt – Auch weil die Tat schon so lange zurückliegt, kam ein Seligenstädter jetzt vor dem Schöffengericht in Offenbach mit einer Bewährungsstrafe von 17 Monaten plus 4000 Euro Zahlung für soziale Zwecke davon. Der 52-Jährige veruntreute 2011 insgesamt 282.500 Euro, um letztlich vergeblich Löcher zweier vom Bankrott bedrohter Firmen zu stopfen. Im Vorfeld des Prozesses hatte Rechtsanwältin Gabriele Steck-Bromme mit Richter Manfred Beck Kontakt aufgenommen, wie dieser erklärte, nachdem Staatsanwältin Susanne Sever die Anklage verlesen hat. Die Verteidigerin erkundigte sich nach einer Bewährungsstrafe, wenn ihr nicht vorbestrafter Mandant gestehe.

Neben dem Richter und den Schöffen erklärt sich auch die Staatsanwältin mit der Absprache einverstanden. Im Ergebnis träfen alle Anklagepunkte zu, bemerkt der Angeklagte: „Ja, ich habe das gemacht.“ Allerdings habe er nicht bei der einen Firma heimlich Geld abgezogen, um bei den beiden anderen diskret Löcher zu stopfen, „mit S. war alles per Handschlag abgesprochen, er steckte schließlich in allen Firmen drin“. S. war der Gründer des Finanzdienstleisters „Carpediem Vertriebsgesellschaft mbH“ mit Sitz in Seligenstadt. Diese köderte Anleger mit zweistelligen Renditen. S. habe ihn damals von einer anderen Firma abgeworben: „Ich bin ein Vollblutvertriebler, habe an die Vision geglaubt“.

Stiftung Warentest warnte vor dubios anmutenden Finanzprodukten

Andere betrachteten deren Treiben skeptisch. Die Stiftung Warentest warnte vor dubios anmutenden Finanzprodukten. Die Versprechen seien auf dem Markt nicht einzuhalten. Das ZDF berichtete über Kleinanleger, die ihr Geld verloren. Schließlich löste S. die Firma 2012 auf. Im Mai 2016 reichte der mittlerweile in England lebende Mann, der Kritiker öffentlich beleidigte und mit Angriffen auf Leib und Leben bedrohte, Privatinsolvenz ein. In Deutschland erwartet ihn ein Strafprozess. Sein einstiger Adlatus saß im Vorstand der Carpediem. Die Gesellschaft bekam 2011 von zwei Fondsgesellschaften mit den illustren Namen „Garantie Hebel Plan 08“ und „Garantie Hebel Plan 09“ zwei Millionen Euro überwiesen, zum Zweck des Ankaufs einer Immobilie und Renovierungsarbeiten. Das Ganze war in einen Darlehnsvertrag zu 15 Prozent Zinsen verpackt.

Der Angeklagte füllte mit 282.500 Euro der Summe die Konten von zwei anderen Firmen, an denen er beteiligt war. „Damals habe ich noch geglaubt, dass wir das schaffen“, so der Seligenstädter. Das Finanzamt stellte ihm wegen verdeckter Gewinnausschüttung eine Forderung von über 127.360 Euro zu. Verteidigerin Steck-Bromme betont, ihr Mandant hätte auch die Hände in den Schoß legen können, „statt dessen bezahlte er seine Schulden beim Fiskus“.

Seligenstädter im Anlagebetrug der Hauptakteur

In ihrem Plädoyer betonte Staatsanwältin Susanne Sever, S. sei im damaligen Anlagebetrug der Hauptakteur gewesen. Vom Transfer des Angeklagten habe er wohl gewusst. Dem sei jedoch klar gewesen, dass das Geld nicht mehr zurückfließen könne. Die Staatsanwältin forderte 17 Monate Bewährung und die Zahlung von 4000 Euro für soziale Zwecke. Im Prinzip stimmte Steck-Bromme zu, fand jedoch, dass 16 Monate reichen. Richter Beck und die beiden Schöffen folgten der Staatsanwältin. Das Theresien Kinder- und Jugendhilfezentrum und der Boxclub Nordend, beide in Offenbach, dürfen sich auf je 2 000 Euro freuen.

VON STEFAN MANGOLD

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