Messeherbergen in Seligenstadt und Frankfurt - Zweiter Teil

Zu dritt im selben Bett genächtigt

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Das Leinwandhaus in Frankfurt war bis ins 19. Jahrhunderts Veranstaltungsort von Messen. Das Bild von 1873 stammt vom Fotografen Carl Friedrich Mylius.

Nach dem 30-jährigen Krieg waren zahlreiche Gasthäuser in Süd- und Mitteldeutschland zerstört. Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung im Reich gegen Ende des 17. Jahrhunderts ging eine zunehmende Reisetätigkeit einher und der Bedarf an gut geführten Herbergen wuchs.

Seligenstadt – Die Ansprüche der wohledlen reisenden Handelsherren an Verpflegung und Unterkunft entsprachen dabei ihrer feinen, adelsähnlichen Lebensart. Die Gasthäuser in Frankfurt waren trotz des Krieges gut erhalten geblieben, vor allem der „Nürnberger Hof“ und die anderen Kaufmannshöfe, in denen die Großhändler der Reichsstädte und Handelszentren traditionsgemäß logierten. Hierzu gehörten der Aschaffenburger, der Augsburger, der Ulmer, Basler, Straßburger und Trierer Hof, der Schwabenhof und das Bayern-Haus. Der „Nürnberger Hof“ war der größte Handelshof der Stadt und im Mittelalter sogar Herberge für Kaiser und Könige. Seit dem späten 18. Jahrhundert war dieser Hof dann nicht mehr nur Messequartier für Kaufleute aus Nürnberg, sondern auch ständige Faktorei und Warenlager der erfolgreichen italienischen Kaufmannsfamilien Brentano und Guaita.

Neben den Handelshöfen gab es in Frankfurt Unterkünfte aller Art, von der Herberge für Fußreisende, Boten, Hausierer, Krämer bis zu komfortablen Gasthöfen für Fernhändler mit frischem Bettzeug und gutem Essen, so der „Goldene Engel“ in der Töngesgasse, das „Rote Männlein“, der „Rote Löwe“ oder die „Goldene Gerste“ in der Fahrgasse. Am prächtigsten und vornehmsten war lange Zeit das „Große Rote Haus“. Im Gasthaus angekommen, wurden dem Gast nur die verzehrten Speisen und Getränke, nicht aber die Übernachtung berechnet. Wer nicht im Wirtshaus speiste, musste dagegen ein Schlafgeld in Höhe von einigen Kreuzern bezahlen.

Lange Tradition guter Wirtshäuser

Der Geleitsort Seligenstadt hatte ebenfalls eine lange Tradition guter Wirtshäuser. Die Gastwirte der Stadt zählten zu den begüterten ratsfähigen Familien.

Nach Angaben der regelmäßigen Besucher aus vornehmen Handelshäusern in den Löffelbüchern müssen zumindest die beiden leistungsfähigsten Wirtshäuser „Zum Wolfen“ (heute „Frankfurter Hof“) und „Zum Ochsen“ an der Ecke Marktplatz/Steinheimer Straße dem hohen Anspruch der Messefahrer genügt haben. Sicher anzunehmen ist, dass die süddeutschen Kaufleute Glanz ins verwaiste und nach dem Krieg heruntergekommene Städtchen brachten. Sie beeindruckten die Seligenstädter durch ihre Anreise in der Geleitskutsche, hoch zu Ross, in der Postkutsche oder im Schiff, durch ihr vornehmes Auftreten und ihre repräsentative Kleidung.

Neben dem „Wolfen“ und dem „Ochsen“ gab es in Seligenstadt noch die „Krone“, später den „Riesen“, „Hirschen“, „Schwan“, „Turm“ und die Brauerei Appelmann - alles Herbergen für zahlungskräftige Gäste.

Übernachten war kaum ein Vergnügen

Während das Speisen und vor allem der weinselige Löffeltrunk mit guten Weinen vom Seligenstädter Abtsberg, aus Klingenberg, von Main und Rhein oder sogar aus Burgund allseits genossen wurde, war das Übernachten zu Messe- oder auch Kriegszeiten in drangvoller Enge kaum ein Vergnügen. Im Mittelalter hatte man meist in abgeteilten Bereichen auf Strohlagern im Schankraum geschlafen; inzwischen gab es zwar Betten, die man sich aber oft mit anderen Reisenden teilen musste. So schreibt Louis Delarue im Jahr 1760 ins Löffelbuch, er habe am Abend seiner Ankunft im selben Bett geschlafen mit Mademoiselle Pineaux und Monsieur Welser.

Auch die Sauberkeit der Mägde oder Zimmermädchen ließ wohl manchmal sogar in einem guten Wirtshaus zu wünschen übrig. Die diesbezüglichen Bemerkungen einiger Reisender könnten allerdings auch auf „unziemliche“ Ansprüche freizügiger junger Männer auf Reisen hinweisen:

„Bei der Magd, die war nit rein, pfui Teiffl, ihr Herren, lasst ihr sein.“ Oder: „Würtstöchter, Camermägden und schimmlich Brod, da behüte mich, lieber Gott!“

In den Löffelbüchern tauschen die Reisenden auch Warnungen vor schlechten Wirtshäusern aus, die sie unterwegs angetroffen hatten. Mancher lobt den Wein, den großen Löffel, gutes Bier und sogar Kaffee, brave Wirte, fette Speisen und Hühnerfleisch, komfortable Pferdeställe und Kutschenhöfe in Seligenstadt. Ein Reisender vergleicht das Gasthaus „Zur Krone“ mit einer Absteige, ein anderer ist des Lobes voll.

Dr. Ingrid Firner

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